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Foto: Lino Mirgeler/dpa

Zum dritten Mal soll in Sachsen ein Wolf erschossen werden

Das Problemtier hat offenbar die Räude und tötete bereits zwei Hunde

Von Gabi Thieme
erschienen am 11.01.2018

Görlitz. Zum dritten Mal seit der Rückkehr des Wolfes nach Sachsen soll eines der streng geschützten Tiere abgeschossen werden. Das Landratsamt Görlitz hat nach Recherchen der "Freien Presse" eine entsprechende, diesmal unbefristete Ausnahmegenehmigung erteilt, der das Umweltministerium nach Prüfung zugestimmt hat. Der Wolf war zunächst dadurch aufgefallen, dass er im Dezember innerhalb weniger Tage in Krauschwitz im Landkreis Görlitz zwei Hunde angefallen und getötet hatte. Bereits nach dem ersten getöteten Hund war durch das Lupus-Institut eine Fotofalle installiert worden, in die der Wolf bei seinen Streifzügen durch den Ort tappte. Die Bilder zeigen ein krankes Tier, das offenbar an der Räude leidet. Weil der Wolf immer wieder auch im Nachbarort Weißkeißel gesichtet wurde, machten sich unter den Einwohnern Ängste breit und kam der Abschussantrag zustande.

Die Räude ist ein von einer Milbe ausgelöster Ungezieferbefall der Haut. Eine optische Folge ist ein schlechter Zustand des Fells. Die Krankheit kann ebenso Hunde und Katzen befallen. Auch die Lausitzer Wölfe blieben in der Vergangenheit nicht verschont. 2013 sorgte bereits einmal ein an Räude erkrankter Welpe in Reichwalde für Schlagzeilen, als er ein Huhn erbeutete und sich über Essensabfälle vor einer Gaststätte hermachte.

Wann Wölfe überhaupt abgeschossen werden dürfen, regelt in Sachsen ein sogenannter Management-Plan. Die jetzige Ausnahme ist bereits die dritte. Vor über einem Jahr hatte der Freistaat gemeinsam mit dem Landkreis Görlitz erstmals in Sachsen einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Damals ging es um den hinkenden Pumpak, der aus Polen über die Neiße nach Rietschen gekommen und dort auf mehreren Höfen gesichtet worden war. Er konnte nicht geschossen werden, weil er nach der "Entnahmeerlaubnis" abtauchte und seither nicht mehr gesehen worden ist.

Die zweite Sondererlaubnis gab es nach mehreren blutigen Wolfsattacken im Oktober 2017 in der Nähe von Bautzen mit einer Vielzahl gerissener Schafe durch einen oder mehrere Wölfe des Rosenthaler Rudels. Durch eine Klage der Grünen Liga kam es letztlich zu keinem Abschuss. Wie und durch wen die jetzt erteilte Ausnahmegenehmigung praktisch umgesetzt werden soll, dazu wollte sich das Landratsamt Görlitz am Donnerstag nicht äußern. Vermutlich aus Angst, es könnten sich Bürger oder Journalisten zu sehr in das Geschehen einmischen.

 
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