Abschenken verboten - der CFC hat noch Ziele

Insolvenzantrag am Dienstag, Heimspiel am Samstag. Können sich die Fußballer des CFC auf ihre Aufgabe gegen Meppen konzentrieren?

Chemnitz.

Keine normale Woche, kein normales Drittligaspiel am Samstag (14 Uhr) für den Chemnitzer FC gegen den SV Meppen. Das vom Verein beantragte Insolvenzverfahren beschäftigt Spieler und Trainer genau wie Fans und Verantwortliche. "Die Stimmung ist anders", hat Trainer David Bergner festgestellt, "natürlich verunsichert die Situation die Jungs. Die Gespräche in der Kabine kreisen um das Thema. Aber auf dem Platz sind alle weiter konzentriert bei der Sache." Genau das macht dem Trainer auch Hoffnung, dass sich seine Kicker anders als vor sechs Tagen die in einem ähnlichen Dilemma steckenden Erfurter nicht komplett hängen lassen: "Eine Garantie gibt es nicht. Aber mein Eindruck ist, dass hier alle weiter zu 100 Prozent bei der Sache sind. Und - egal, was nun mit dem CFC passiert - jeder persönlich muss sich zeigen und empfehlen."

Florian Hansch, seit frühen Jugendtagen im Verein, sieht noch einen anderen Aspekt: "Wir sind es unseren Fans einfach schuldig, weiter mit vollem Engagement zur Sache zu gehen. Sie haben uns das ganze Jahr über unterstützt und verdient, dass wir etwas zurückgeben." Und, so sieht es Julius Reinhardt, gebürtiger Karl-Marx-Städter und wie Hansch eng mit dem Club verbunden: "Für die Fans ist die Situation doch mindestens genauso schwer wie für uns Spieler. Das ist der absolute Tiefpunkt der Vereinshistorie."

Seine eigenen Gefühle beschreibt der 30-Jährige mit "bedrückt und traurig". Aber so wirklich überrascht hat Reinhardt die Entwicklung nicht: "Wir waren doch vor einem Jahr schon fast an der gleichen Stelle. Ohne den Sieg im Sachsenpokal und die Bayern als Glückslos für den DFB-Pokal wäre die Insolvenz wahrscheinlich schon damals auf der Tagesordnung gewesen." Dass die magere sportliche Bilanz ein Grund für den finanziellen Kollaps sein soll, glaubt Reinhardt nicht: "Wir können uns gewiss nicht aus der Verantwortung nehmen. Sportlicher Erfolg hätte bestimmt zu einer besseren Stimmung beigetragen. Und vielleicht hätten ein paar mehr Punkte die Entscheidung, die Insolvenz zu beantragen, erschwert. Aber wohl kaum verhindert."

Reinhardt wie Hansch haben das Signal erhalten, dass der CFC sie auch künftig gern im himmelblauen Trikot sehen würde. Bei Routinier Reinhardt - der in der Regionalliga Leitwolf einer neuen Mannschaft sein könnte - vorstellbar, bei Hansch eher nicht. Der erst 22 Jahre alte, wieselflinke Angreifer wird Angebote mindestens aus der 3. Liga erhalten. Und wenigstens da - bei dieser Frage nickt er - sieht er auch selbst seine fußballerische Zukunft. Alles, was stattfindet, sind ohnehin nur lose Vorgespräche. Verträge kann beim CFC derzeit nur der Insolvenzverwalter schließen.

Drei Tore hat Florian Hansch in dieser Saison erzielt, auf das vierte hofft er gegen Meppen. Mit ihm stürmen wird voraussichtlich Daniel Frahn, der nach drei Spielen Sperre wieder zur Verfügung steht. David Bergner sieht die Partie keineswegs als Spiel um die goldene Ananas: "Bei neun Punkten Abzug haben wir drei Rückstand auf Bremen. Die wollen wir aufholen und 18. werden. Wer weiß, wofür das vielleicht am Ende noch langt."

Voraussichtliche Aufstellung des CFC: Tittel (Kunz) - Sumusalo, Endres, Trapp, Mlynikowski - Hansch, Bachmann, Grote, Baumgart - Slavov, Frahn.

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