Schach-Großmeister auf Heimatbesuch

Für ein internationales Turnier ist Schach-Spieler Mathias Womacka nach Chemnitz zurückgekehrt. Hier hat er einst Geschichte geschrieben.

Wenn er den Kopf mit dem inzwischen etwas lichter gewordenem Haar tief in seine Hände vergräbt, dann ist das die Pose, die vielen ehemaligen Mannschaftsgefährten und Kontrahenten noch immer vertraut ist. In Chemnitz geboren und aufgewachsen, hat Mathias Womacka über 40 Jahre in der Stadt Schach gespielt, erst bei Lok, dann bei der USG. Er war jahrzehntelang in der Oberliga und 2. Bundesliga aktiv, 1997/98 für ein Jahr sogar in der Eliteliga. "Es war eine tolle Zeit", sagt Womacka mit Wehmut, bringt seine Verbundenheit mit Stadt und Verein aber klar zum Ausdruck. "Ich bin und bleibe Ehrenmitglied der USG und verfolge die Situation in Chemnitz aus der Ferne sehr aufmerksam", so Womacka am Rande der "Chemnitzer Turm Open", für die er kurzzeitig in seine Heimatstadt zurückkehrte.

2010 wurde er Großmeister und erhielt damit als erster Chemnitzer den vom Weltschachbund FIDE auf Lebenszeit verliehenen höchsten Titel für Turnier-Spieler. Nach 2001 in Pardubice (Tschechien) ist ihm die zweite hierfür notwendige Normerfüllung bei der Europameisterschaft 2010 in Rijeka (Kroatien) gelungen. "Natürlich wäre ich auch gerne in Chemnitz geblieben, wenn mich nicht die fehlende berufliche Perspektive zum Weggang veranlasst hätte", sagt der Großmeister.

So verschlug es Womacka 2014 nach Baden-Württemberg. Mit Land und Leuten habe er sich dort gut arrangiert, wobei es ihn aber schon wundere, wie wenig der badisch-schwäbische Dialekt bisher bei ihm ausgeprägt ist. "Als Kind hat man fremde Mundarten jedenfalls schneller übernommen", erinnert er sich. Immerhin: Die Erste Liga hat ihn wieder. Beim Bundesligisten SK Schwäbisch Hall sitzt er neben den teuren Weltklasse-Profis nach wie vor als Amateur am Brett, was den Vereinsverantwortlichen finanziell ganz gelegen kommt. Und weil die Stars bei weitem nicht immer spielen, erhält er als sogenannter Ersatzspieler ziemlich häufig Einsatzchancen. "Den Top-Spielern dabei über die Schultern zu schauen, ist schon eine tolle Sache", betont Womacka.

Spielt er hingegen nicht, übernimmt er mitunter die für ihn reizvolle Aufgabe, die Partien seiner "Kollegen" im Internet zu kommentieren, was ihm gleichfalls Freude bereite. "Das Vereinsleben indes unterscheidet sich in Hall vom hiesigen kaum", verrät der im Juni dieses Jahres 50 Jahre alt gewordene "Ex-Chamtzer" (in Anlehnung eines von ihm getragenen T-Shirts, Anm. d. Red.).

Auf die hiesige Schachszene angesprochen, findet er die sportliche Entwicklung der USG in den letzten Jahren zwar sehr bedauerlich, spricht ihr aber insofern Mut zu, "dass schließlich alle Schachvereine teils massiv unter den Problemen des schnelllebigen Internet-Zeitalters und damit verbunden auch einer gewissen Bequemlichkeit zu leiden haben, wonach man lieber zu Hause am Computer als im Verein spielt". Er wünsche seinem Ex-Verein jedenfalls alles Gute. Eine Rückkehr nach Chemnitz aber ist schon mangels beruflicher Alternativen derzeit kein Thema, wie er sagt. "Aber nach Eintritt des Rentenalters kann man ja noch mal nachfragen".

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