Bob-Verband sucht künftige Olympiasieger

Bei einem Casting in Altenberg können sich sportliche junge Frauen und Männer empfehlen. Der Bedarf ist sehr groß.

Altenberg.

Noch nie in einem Bob- oder Rodelschlitten die Eisbahn hinunter gedonnert? Nicht so schlimm. Laut den Organisatoren des zweiten Bob-Castings - das erste ging 2014 über die Bühne - ist das kein Problem. Am kommenden Sonnabend sucht der Landesverband auf der Altenberger WM-Bahn von 2020 erneut Talente, die am Stützpunkt im Kohlgrund zu Spitzensportlern geformt werden und sich in den kommenden Jahren für Olympia empfehlen sollen.

Im Gegensatz zum Casting 2014 werden dabei nicht nur junge weibliche Talente gesucht, sondern auch junge Männer. Denn in der zweiten Reihe hinter den Teams der momentan übermächtigen Top-Athleten Francesco Friedrich und Nico Walther ist das Feld hoffnungsvoller Piloten und Anschieber überschaubar. Der mehrfache Junioren-Weltmeister Richard Oelsner vom BSC Sachsen Oberbärenburg soll sich weiter an die erste Riege der deutschen Nationalmannschaft herankämpfen und den Anschluss finden. Mit dem Chemnitzer Nils Dabrunst, der an seiner Pilotenausbildung feilt, und dem Ex-Rennrodler Max Illmann aus Zwickau stehen laut dem Stützpunkttrainer derzeit zwei weitere Nachwuchskräfte in der Spur. Doch der Landesverband hofft auf mehr.

Ferner ist Oelsners bester Anschieber Alex Schüller aus dem Nachwuchs ins Team von Friedrich gewechselt. "Dass er dorthin geht, ist verständlich. So müssen wir aber jetzt für Richard einen neuen Anschieber suchen", betont Stützpunktrainer Andreas Zschocke. "Aber vielleicht ist ja beim jetzigen Casting einer dabei, der mit ihm bei der Junioren-WM fahren könnte, wo wir dann sagen: Der ist es." Ganz ähnlich verhält es sich bei den sächsischen Bobfahrerinnen. Hier ist die Olympia-Vierte Stephanie Schneider beim BSC das Zugpferd im Frauenbereich. Die 27-Jährige hatte sich kurz vor den Rennen in Pyeongchang am Rücken verletzt und kämpft sich nach einer Reha in Bayern nun im Aufbautraining zurück. Die gebürtige Erlabrunnerin muss aber künftig auf ihre Stamm-Anschieberin verzichten. Die nach Berlin umgezogene Lisa Buckwitz vom SC Potsdam wechselt nach ihrem sensationellen Olympia-Gold mit der Thüringerin Mariama Jamanka selbst an die Lenkseile. Auch Spitzen-Anschieberin Annika Drazek vom BSC Winterberg liebäugelt mit einer Ausbildung zur Bobpilotin.

Da wollen die Sachsen nicht hintenanstehen. Gegenwärtig gibt es hier mit Sabrina Duljevic nur eine weitere Pilotin. Doch die Dresdnerin hatte sich nach einer Kreuzbandverletzung und monatelanger Pause im vorigen Winter am Rücken verletzt und ist noch nicht richtig fit. Da die Augustusburger Vize-Juniorenweltmeisterin Lavinia Pittschaft (ebenfalls BSC Sachsen) jedoch weiter mit der Winterberger Pilotin Laura Nolte fährt und Duljevics bisherige Bremserin Lisa Sophie Gericke nach Bayern zog, sucht der sächsische Verband logischerweise auch neue Anschieberinnen.

Um den Kader zu verbreitern, könnte das Casting am 16. Juni helfen. Ein 50-Meter-Sprint, Schlussweitsprung und Würfe mit Drei-Kilogramm-Medizinbällen bilden die Basis. Danach können sich die Teilnehmer im Bobanschieben auf Schienen ausprobieren. Alle Übungen werden den Teilnehmern erklärt und vorgemacht. Wer zu den vier Besten gehört, darf sich auf eine Fahrt im Sommergästebob freuen. Dann geht es für sie mit über 80Kilometern pro Stunde auf Rädern durch die eisfreie Bahn.

Beim Casting 2014 hatte sich die Marbacherin Vivian Bierbaum durchgesetzt. Die einstige Leichtathletin des LV 90 Erzgebirge feierte frühzeitig erste Erfolge. Doch dann stagnierte ihre Entwicklung, "vor allem im athletischen Bereich und bei den Starts", sagt Zschocke. 2017 beendete sie nach dem Abitur ihre kurze Bobkarriere und studiert seither Medizin in Halle. Die Modalitäten zur Anmeldung sind im Internet zu finden. www.rbsv.de/aktuelles

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