Der Herr der unbestechlichen Messgeräte

Während gestern die Oberwiesenthaler Olympiakämpfer in der Heimat begrüßt wurden, war Guntram Kraus bereits wieder in Finnland auf Achse. Er hat die Aufgabe, nicht nur Gold-Gewinner Eric Frenzel in den Weltcups zu kontrollieren.

Oberwiesenthal.

Seit sieben Jahren tingelt Guntram Kraus im Auftrag der FIS durch die Skigebiete dieser Welt. Gestern ist er nach Lathi aufgebrochen, kehrt dann noch einmal kurz heim, bevor es zu den abschließenden Stationen geht. Mitte März ist dann für den Oberwiesenthaler die Saison beendet. "Ich bin in der Nordischen Kombination in allen zwölf Weltcup-Wettbewerben dabei, die Olympischen Spiele in Sotschi kamen noch dazu", sagt der 46-Jährige. Seit Ende November gibt er daheim bei Frau und den beiden Kindern nur Gastrollen. "Meist bin ich montags und dienstags im Erzgebirge, mittwochs geht's fort", so Kraus, der am Fichtelberg als Meister eine Schlosserei betreibt. "Zwei Tage pro Woche", fügt er schelmisch an. Seine Einsatzgebiete liegen zwischen November und März in Kuusamo, Lillehammer, Ramsau, Schonach, Chaikowsky, Seefeldt, Chaux-Neuve, Oberstdorf, Sotschi, Lahti, Trondheim, Oslo und Falun.

Zuständig ist er im Weltverband für die Materialkontrolle, speziell das Skispringen innerhalb der Nordischen Kombination. "Körpermaßindex, Skilänge im Verhältnis zur Größe des Athleten, Schuhlänge im Verhältnis zu den Füßen, Anzugspassform, Bindungsmontage - kurzum, wir überprüfen, ob die Kombinierer die Regularien des Weltverbandes einhalten", so Kraus. "Natürlich freue ich mich, wenn unsere Sportler gewinnen", sagt der Chef der Sektion Skispringen/Kombination im WSC Erzgebirge Oberwiesenthal. Seit 14 Tagen darf er sich rühmen, dass der einzige sächsische Olympiasieger des Jahres 2014 aus seiner Abteilung kommt.

Dass er dabei - eventuell sogar bei den Deutschen - mal die Augen zudrückt, weist Kraus von sich: "Im Wettkampf bin ich absolut neutral. Auf die Spiele in Sotschi hatten sich alle Kombinierer bestens vorbereitet. Wir mussten keine nennenswerte Sanktion oder gar Disqualifikation aussprechen."

Alle Medaillengewinner werden in jedem Fall überprüft, dazu noch eine Menge ausgeloster Sportler. "Das ist nicht nur bei Olympia so, sondern immer. Es könnte ja von Wettkampf zu Wettkampf etwas am System eines Kombinierers verändert werden"sagt der Erzgebirger. "Für die Kontrolle haben wir verschiedene geeichte Messgeräte. Die sind unbestechlich."

Als Materialkontrolleur ist er seit 2007 im Einsatz. Dass er diese Chance erhielt, sei einer Sprungrichtertagung zu verdanken. Der dreimalige Olympiasieger Ulrich Wehling, damals Renndirektor im Weltverband, hat jemanden für diese Funktion gesucht. "Jetzt hat das Amt von Uli zwar der Norweger Lasse Ottesen übernommen. Ich gehöre aber nach wie vor mit Jan Rune Grave zur Kontrollinstanz", sagt Kraus, der nach Vancouver zum zweiten Mal Olympische Spiele erleben durfte. Seine Eindrücke zu Sotschi sind ebenso eindeutig wie in den vergangenen Tagen häufig im Fernsehen berichtet: einwandfreie Organisation, super präparierte Wettkampfstätten, freundliche Leute, funktionierendes Transportsystem, perfekte Unterkunft im Hotel Merkur, ganz unaufdringliche Sicherheitskontrollen. "Und mit der Akkreditierung, die gleichzeitig als Visum gegolten hat, gab es weder bei Ein- noch Ausreise irgendwelche Probleme", lobt der gebürtige Johanngeorgenstädter die Veranstalter. Vielleicht erlebt er Olympia auch noch als Vater. Es wäre jedenfalls ein Traum, würde es seine Tochter Henriette der ersten Frauen-Skisprung-Olympiasiegerin Carina Vogt nachmachen können.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...