Bestzeit wird vom Winde verweht

Hobbyradfernfahrer Mike Fellendorf aus Lichtenstein hat zum zweiten Mal an der Fernfahrt London-Edinburgh-London teilgenommen. Harte Bedingungen ließen seinen Traum von einer neuen Bestzeit platzen.

Lichtenstein.

Mike Fellendorf hat wieder heimatlichen Boden unter den Füßen. Der 49-jährige Hobbyradfernfahrer ist zurück aus Großbritannien. Dort nahm er zum zweiten Mal nach 2013 die Fernfahrt London-Edinburgh-London über 1447 Kilometer unter die Pedalen.

Nicht ganz zufrieden mit seiner Zeit, aber mit unvergesslichen Erlebnissen im Gepäck, kehrte der Lichtensteiner von der Insel zurück. "Es war das härteste Rennen, das ich je gefahren bin, aber auch wunderschön", blickt er zurück. Bei der Hinfahrt auf der Nordroute hatten die 1450 Teilnehmer ständig mit Seitenwind zu kämpfen. Hinzu kamen laut Fellendorf Probleme bei der Versorgung. An einem Stützpunkt war das Trinkwasser ungenießbar. Doch da habe sich das einmalige Flair dieses Radmarathons gezeigt. Bewohner eines kleinen Dorfes haben spontan geholfen und Fellendorfs zwei Trinkflaschen aufgefüllt. "Das war bis dahin alles noch zu verkraften", sagt Fellendorf. An der Kontrollstelle in Moffat, wo seine Frau Andrea auf ihn wartete, lag der Lichtensteiner noch 14 Stunden unter seinem gesetzten Zeitlimit. Das Vorhaben, die Tour unter 100 Stunden zu fahren, war noch möglich. Doch 13 Kilometer vor Edinburgh kam es dann knüppelhart. Starkregen und Wind machte allen zu schaffen. Bei der Ankunft in Edinburgh hatte Fellendorf dennoch die 14 Stunden Vorsprung gehalten.

Nach einer einstündigen Pause ging es zurück über die Südroute nach London. Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes. Vom Veranstalter wurde deshalb die Zeitgrenze, um in die Wertung zu kommen, von 116 auf 117 Stunden hoch gesetzt. Die düsteren Vorhersagen sollten sich bestätigen. Die Fahrer hatten permanent mit Gegenwind zu kämpfen, der auf den letzten 250 Kilometern laut Mike Fellendorf zum Sturm ausartete. Dazu muss man wissen, dass die Radfahrer allein unterwegs sind, es gibt beispielsweise keine Begleitfahrzeuge. Gefahren wird Tag und Nacht, nach im Durchschnitt 100Kilometern wird eine einstündige Pause eingelegt. Auf der Rückfahrt ließ sich dieser Rhythmus dann nicht mehr einhalten. Die Streckenabschnitte wurden kürzer und die Stopps länger. Auch Mike Fellendorf musste den Wetterunbilden Tribut zollen. Er hat unterwegs auf zwölf weitere Fahrer aus Sachsen gewartet, um mit ihnen gemeinsam London anzusteuern. "Allein hätte ich das Rennen nicht zu Ende gebracht", sagte er. Dadurch verlor er natürlich Zeit. Damit wurde auch sein Vorhaben, die 103 Stunden von 2013 zu unterbieten und unter 100Stunden zu bleiben, vom Winde verweht. Nach 110 Stunden erreichte der Lichtensteiner wieder London.

Fellendorf schwärmt trotzdem von seiner zweiten Teilnahme. "Die Menschen und die Landschaft machen das Rennen, trotz aller Strapazen, zu einem unvergesslichen Erlebnis", sagt er. Hinzu komme, dass die Fernfahrt Radsportverrückte aus der ganzen Welt vereint. Nun ist Fellendorfs Blick auf Rundfahrten in Belgien und Griechenland gerichtet.

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