Spieler kehren dem VfB den Rücken

Vor 20 Jahren gab es im Glauchauer Fußball ein trauriges Kapitel. Der VfB verschwand aus der Landesliga.

Glauchau.

Gerhard Flemming hat die Erinnerungen an den Sommer 1996 im Kopf gespeichert. Er war damals Co-Trainer des Fußball-Landesligisten VfB Glauchau. Auf seinem Tisch lag eine Liste mit den Namen von 20 Spielern, die in der nächsten Saison das VfB-Trikot überstreifen sollten. "Innerhalb von wenigen Tagen haben sich allerdings sämtliche Spieler abgemeldet, weil der Verein seine finanziellen Zusagen nicht einhalten konnte. Als einziger Akteur war Maik Schneider übrig geblieben", erinnert sich Flemming. Der VfB Glauchau zog seine Mannschaft aus der Landesliga zurück und entschied sich für den Neustart in der Kreisliga. "Das war eine traurige Sache. Wir mussten quasi bei Null wieder anfangen", erinnert sich Gerhard Flemming.

Anfang der 1990-er Jahre erlebte der Fußball in Glauchau einen Höhenflug. Mit der finanziellen Unterstützung eines Bauunternehmens konnten viele Akteure aus höherklassigen Vereinen in den Sportpark geholt werden. Trotz der guten Leistungen blieb das Interesse der Anhänger überschaubar. In der Saison 1995/96 häuften sich - weil die Sponsoren ihre Zuschüsse reduzierten - die Probleme: Im Januar 1996 verließen die ersten Stammspieler den Verein. Im Februar 1996 stellten die Stadtwerke wegen unbezahlter Rechnungen sogar kurzfristig die Stromlieferungen ein. "Trotz der widrigen Bedingungen hat der Stamm der Mannschaft zusammengehalten und die Sache durchgezogen", sagt Mario Weiß, der damals Torjäger des Teams war und nun als Trainer die erste Männermannschaft betreut.

Im sportlichen Bereich sorgte der VfB Glauchau - trotz der miserablen Begleitumstände - für positive Schlagzeile. In der Abschlusstabelle der Saison 1995/96 belegte die Mannschaft den fünften Platz. Am letzten Spieltag wurde sogar der Landesmeister FV Dresden-Nord mit 4:3 (0:0) bezwungen. Vor der spärlichen Kulisse von 55 Zuschauern trugen sich Mario Weiß (2), Rico Mendrala und Carsten Romanowsky in die Torschützenliste ein. Kurze Zeit später verabschiedeten sich die Akteure in verschiedene Himmelsrichtungen. Romanowsky ging zum FC Erzgebirge Aue. Weiß nahm ein Angebot des VFC Plauen an. "An den Wechseln von Spielern zu höherklassigen Vereinen sieht man, dass wir eine ganz starke Mannschaft in Glauchau hatten", sagt Henri Schwarz, der damals zu den Stammspielern im Mittelfeld gehörte.

Beim Neuanfang in der Kreisliga hat der Verein vor 20 Jahren auf viele Akteure aus der zweiten Männermannschaft zurückgegriffen. Gerhard Flemming blieb an Bord - erst als sportlicher Leiter und später als Trainer. Die Enttäuschung über das Landesliga-Aus wurde damals schnell verdrängt. In der Saison 1996/97 gewann die Mannschaft in Limbach-Oberfrohna den Kreispokal. Nachdem eine zwischenzeitliche Aufstiegssperre aufgehoben wurde, gelang nach der Saison 1997/98 der Aufstieg in die Bezirksklasse. "Wir konnten die Durststrecke recht schnell durchschreiten", sagt Flemming.

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