Nach CFC-Insolvenz: GGG übernimmt Stadion - vorerst

Der Stadtrat hat der Kündigung des Pachtvertrages mit dem Fußballverein zugestimmt. Uneins waren die Räte, wie es danach weitergeht. Kurz vor der Entscheidung legte die Rathaus-Spitze einen Kompromiss auf den Tisch.

Nach fast zweistündiger kontroverser Debatte ist die Entscheidung unerwartet deutlich ausgefallen. Mit 25 Ja-, 14 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen hat der Stadtrat am Mittwoch der Kündigung des Stadion-Pachtvertrages mit dem insolventen Fußballclub CFC zugestimmt, ebenso der Übernahme der Sportstätte durch die städtische Wohnungsgesellschaft GGG.

Wie schon bei vorangegangenen Stadion-Entscheidungen ist in den Fraktionen nicht einheitlich abgestimmt worden. Womöglich wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätte die Verwaltung an ihrem ursprünglichen Beschlussvorschlag festgehalten. Er sah keine Alternative zur GGG vor, was in der Debatte vorab kritisiert wurde.

Kurzfristig änderte die Rathaus-Spitze ihren Entwurf: Zwar übernimmt per 1. Juli der Großvermieter vorerst die Stadion-Geschäfte. Allerdings wird nach der kommenden Spielzeit geprüft, ob eine neu zu gründende kommunale Betriebsgesellschaft oder die Stadt selbst die Sportstätte an der Gellertstraße effizienter führen kann. Die Prüfergebnisse sollen dem Stadtrat im zweiten Halbjahr 2019 vorgelegt werden, sodass ein neues Pachtverhältnis mit der Spielzeit 2020/21 geschlossen werden könnte. Die Betreibung durch das Sportamt wäre schon jetzt die bevorzugte Variante der Grünen gewesen. Dieser Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit.

Der CFC wird sich in seinem Stadion nun für jeden Heimspieltag neu einmieten, am 27. Juli startet die Regionalligasaison. Etwa 5000 Euro soll die Miete pro Spieltag betragen. Die genaue Summe ist noch nicht ausverhandelt, sagen CFC- und GGG-Vertreter. Weitaus höher aber seien die Kosten für die Absicherung des Spieltages, wie für Sicherheits- und Verkehrskonzept, so CFC-Vorstand Andreas Georgi. In der abgelaufenen Spielzeit habe der Verein dafür mehr als zwei Millionen Euro ausgegeben. Was beim CFC bleibt, sind laut Georgi Einnahmen aus Bandenwerbung oder VIP-Logen-Verpachtung. Allein aber ist der Club künftig nicht mehr im Stadion. Es soll auch an andere Vereine sowie für zusätzliche Veranstaltungen vermietet werden. Ob in der Arena tatsächlich kleinere Fußballclubs auflaufen werden - das bezweifelten einige Räte in der Debatte.

Keine faktische Antwort gab Kämmerer Sven Schulze auf die Frage mehrerer Stadträte, weshalb nicht der zahlungsunfähige Verein, sondern die Stadt den laufenden Pachtvertrag kündigt. Schulze: "Wir sind verpflichtet, in schwierigen Situationen Lösungen anzubieten." Almut Patt (CDU), von Beginn an Kritikerin des Stadionprojektes, sprach von "vorauseilendem Gehorsam", weil die Stadt freimütig auf Geld verzichte und im Insolvenzverfahren als Gläubiger keine Forderungen anmelden kann. Der Verlust liegt bei 150.000 Euro. Während mit dem CFC eine jährliche Zahlung von 180.000 Euro vereinbart war, muss die GGG nur 30.000 Euro zahlen. Geschäftsführerin Simone Kalew ist sich sicher, dass die Stadion-Betreibung ein Minus-Geschäft wird. Sie rechnet mit einem Jahres-Defizit von einer Viertelmillion Euro. Eine Summe, die verkraftbar sei, sagt sie und versichert, dass die Übernahme der Sportstätte weder Mieterhöhungen noch Abstriche an Investitionen (2018: 46 Millionen Euro) nach sich ziehe.

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3Kommentare
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  • 7
    4
    malm
    21.06.2018

    Alle Sportvereine in Chemnitz nutzen kommunale Sportstätten. Die erfolgt zu nutzungsabhängigen Gebühren pro Stunde.

    Warum soll das privatisiert werden? Es gibt selbst die m Bundesligaumfeld nur sehr wenige Beispiele für eine private Trägerschaft. Der Großteil der Bundesligastadien ist in kommunalem Besitz.

  • 13
    2
    cn3boj00
    21.06.2018

    Ich denke, mit dem Deal kann man leben. Selbst als Nicht-Fan bin ich der Meinung, dass man dem CFC Spielraum zum Atmen lassen solle. Für die GGG sind eine Viertelmillion eher Peanuts. Bei einer Bilanzsumme von fast einer Milliarde Euro und etwa 9 Millionen Jahresüberschuss liegt dieser Betrag im Toleranzbereich des Etats. Oder um eine Vorstellung zu bekommen: bei 25000 Wohnungen im Bestand müsste man schlimmstenfalls die Miete um 85 Cent pro Wohnung erhöhen um das auszugleichen, und dies wird nicht nötig sein.
    Da stellt sich eher die Frage, warum die Stadt nur 30000 verlangt. Aber auch das wird sich wohl über die Erlöse aus der beteiligung an der GGG ausgleichen.
    Wichtiger ist, dass sich die Investition insofern auszahlt, als das Leben in das Stadion zieht, mehr als nur ein paar CFC Heimspiele. Dann wird wohl auch die Bilanz besser.

  • 9
    7
    HHCL
    21.06.2018

    "Geschäftsführerin Simone Kalew ist sich sicher, dass die Stadion-Betreibung ein Minus-Geschäft wird. Sie rechnet mit einem Jahres-Defizit von einer Viertelmillion Euro. Eine Summe, die verkraftbar sei, sagt sie und versichert, dass die Übernahme der Sportstätte weder Mieterhöhungen noch Abstriche an Investitionen (2018: 46 Millionen Euro) nach sich ziehe."

    Hat die GGG einen Goldesel? Kein Unternehmen kann sich längerfristige eingeplante Verluste in Höhe einer Viertelmillionen leisten. Kein privates Unternehmen könnte so wirtschaften. Das geht wohl auch nur, weil auch hier im Notfall die Stadt als Retter auftreten wird.

    Warum verzichtet die Stadt vorauseilend auf ihre Einnahmen? Warum wird mit dem CFC nicht ein Vertrag geschlossen, dass dieser in besseren Zeiten, evtl. Rückzahlungen zu leisten hat? Ich verstehe hier vieles nicht!

    Warum muss dieses Stadion eigentlich kommunal verwaltet werden. Warum sucht man keinen privaten Investor?



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