Jeder Patient hat Recht auf ärztliche Zweitmeinung

Im Zweifel vier Augen: Allerdings zahlt dafür nicht in jedem Fall die Krankenkasse.

Was für den einen Arzt richtig ist, empfindet der andere als Fehldiagnose. Patienten können sich deshalb eine Zweitmeinung einholen. Laut sachsenweiter Umfrage der "Freien Presse" ließ sich beispielsweise jeder fünfte Patient mit Karpaltunnelsyndrom von einem weiteren Arzt beraten, bevor er einer Operation zugestimmt hat.

Grundsätzlich haben alle Patienten das Recht, sich die Meinung eines zweiten Arztes einzuholen. Jeder darf die Kopie seiner Patientenakte bekommen. Es kann jedoch sein, dass die dafür anfallenden Kosten selbst zu zahlen sind. Laut Sächsischer Landesärztekammer sollten sich zweifelnde Patienten an den behandelnden Arzt, einen Arzt des Vertrauens oder die Krankenkasse wenden. Die Kasse zahlt in der Regel für das Zweitmeinungsverfahren. Jede Kasse handhabt das jedoch anders. Die AOK Plus unterscheidet beispielsweise zwischen drei Verfahren. Bei der ärztlichen Zweitmeinung im Rahmen der Regelversorgung wendet sich der Versicherte selbst an einen oder mehrere Ärzte. "Diese Leistung ist durch den Niedergelassenen über die elektronische Gesundheitskarte abrechenbar, sodass der Versicherte keine Kosten trägt", sagt Sprecherin Hannelore Strobel. Die AOK Plus hat zudem ein eigenes Zweitmeinungsverfahren. So wurden Verträge mit stationären Spezialisten geschlossen, welche die Krankenakten des Patienten sichten und ihn untersuchen. Dabei übernimmt die Krankenkasse sowohl Abstimmung als auch Beratung. Binnen zwei Wochen liegt die Zweitmeinung vor, die Kosten übernimmt die AOK Plus. "Die Verträge bestehen derzeit für sämtliche onkologische Erkrankungen als auch für orthopädische Eingriffe an den Gelenken sowie an der Wirbelsäule", sagt Strobel.

Unter dem dritten Verfahren werden alle weiteren Möglichkeiten, sich eine Zweitmeinung einzuholen, zusammengefasst. Dazu zählen beispielsweise Internetportale. "Außerdem stellen Leistungserbringer Versicherten zuweilen Privatrechnungen aus", so Strobel. Für beide Varianten übernehme die AOK Plus die Kosten nicht.

Bei Ratschlägen aus dem Internet sollten Patienten ohnehin vorsichtig sein. "Informationen aus dem Internet können maximal als Richtschnur gelten. Für eine fachlich fundierte Aussage auf den konkreten Fall/Patienten bezogen, braucht es immer den persönlichen Arztkontakt mit allen Unterlagen", sagt Knut Köhler, Sprecher der Sächsischen Landesärztekammer. Man beobachte mit Sorge, dass sich immer mehr Patienten ausschließlich im Internet eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Per Ferndiagnose lasse sich nicht entscheiden, ob ein Patient operiert werden muss.

Die Barmer GEK bietet ihren Versicherten sowohl eine persönliche Beratung in den Geschäftsstellen als auch die Beratung am Telefon oder online an. Außerdem beantwortet der Teledoktor rund um die Uhr Versichertenanfragen zu Behandlungsmethoden und Alternativen. Allerdings stellen die Mediziner am Hörer keine FDiagnose. Versicherte, bei denen eine Operation an Wirbelsäule, Hüfte oder Knie geplant ist, können eine Zweitmeinung von ausgewählten Spezialisten einholen.

Auch die Techniker Krankenkasse hat ein Zweitmeinungstelefon eingerichtet. Versicherte erreichen dort rund um die Uhr Fachärzte. Sie kommen größtenteils aus den Fachrichtungen Orthopädie, Onkologie sowie Chirurgie und geben Entscheidungshilfen.

Versicherte der IKK classic haben die Möglichkeit, sich kostenfrei bei der medizinischen Beratungshotline IKKmed über das Thema ärztliche Zweitmeinung zu informieren. Ein spezielles Zweitmeinungsverfahren bietet die Krankenkasse derzeit nicht an.

Laut Sächsischer Landesärztekammer lässt sich nicht sagen, wie oft Erst- und Zweitmeinung sich unterscheiden. Unklar sei auch, ob sich Patienten eher vor ambulanten oder vor stationären Operationen eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Laut AOK Plus zeigen Erfahrung und Anfragen jedoch, dass Patienten überwiegend vor stationären Behandlungen einen weiteren Arzt aufsuchen. "Das leuchtet insbesondere vor dem Hintergrund ein, dass diese Eingriffe zumeist größer, umfänglicher und mitunter komplizierter sind", sagt Sprecherin Hannelore Strobel.

 

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