Chemnitz wird zum Zentrum für Brennstoffzellen-Antriebe

Eine chinesische Investorengruppe will 120 Millionen Euro investieren. An dem Standort sollen mittelfristig 100 Mitarbeiter beschäftigt werden.

Peking/Chemnitz. Eine geplante Großinvestition im Zeichen alternativer Fahrzeugantriebe: In Chemnitz sollen künftig moderne Brennstoffzellen-Systeme und die entsprechenden Antriebssysteme entwickelt und zunächst in Kleinserie gefertigt werden. Die Räumlichkeiten dafür würden in unmittelbarer Nähe zur TU Chemnitz aufgebaut, teilte die gerade gegründete Fuel Cell Powertrain (FCP) GmbH mit. Rund 120 Millionen Euro sollen über einen Zeitraum von drei Jahren an dem Standort Chemnitz investiert werden. Mittelfristig sollen mindestens 100 Arbeitsplätze entstehen, derzeit beschäftigt die FCP 16 Mitarbeiter.

Maßgeblich beteiligt an dem Projekt ist die Dewei-Gruppe aus Peking. Wie am Rande der Delegationsreise von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in China bekannt wurde, ist die Gruppe mit Professor Thomas von Unwerth einig geworden, der an der TU Chemnitz den Lehrstuhl für Alternative Fahrzeugantriebe leitet. Gemeinsam haben sie die FCP gegründet.

Die Investoren haben sich bereits ein rund drei Hektar großes Gelände auf dem Smart Systems Campus an der TU Chemnitz angeschaut, wie die Wirtschaftsförderung Sachsen bestätigte. Dort soll das Projekt angesiedelt werden. Die Planungen dafür haben wohl schon begonnen: Wie FCP-Geschäftsführer Thomas Melczer der "Freien Presse" sagte, ist der erste Spatenstich für den Neubau für März 2018 geplant. Die Inbetriebnahme soll ein Jahr später erfolgen. Melczer zufolge wird etwa die Hälfte der Investitionssumme für Gebäude und Technik wie Testfelder, Kältekammern und Fertigungstechnik benötigt. Die übrigen rund 60 Millionen Euro seien für die Entwicklung der Produkte eingeplant.

Laut Melczer sollen in Chemnitz nicht nur die Brennstoffzellen, sondern auch das Antriebssystem und die übergreifende Steuerung entwickelt werden. Die Firma sei damit die erste weltweit, die "das Thema in dieser Vollständigkeit angeht", so der FCP-Chef. Man beabsichtige dabei, eng mit der TU Chemnitz zusammenzuarbeiten. Mit der Professur Alternative Fahrzeugantriebe habe die Universität "umfassend Erfahrung im Bereich der Elektromobilität und Brennstoffzelle", hieß es.

Dabei will sich die Firma nicht nur auf Brennstoffenzellen-Antriebe für Pkw konzentrieren. Einen Markt sieht Melczer vor allem für Nutzfahrzeuge, aber auch für stationäre Stromversorgungseinrichtungen wie Notstromaggregate. "Überall dort, wo man Strom braucht, kann man die Brennstoffzelle einsetzen. Das ist ein weites Feld."

Die Serienfertigung soll in China erfolgen. Dort spiele das Fahren mit Wasserstoff eine wesentliche Rolle in der zukünftigen Mobilität. Laut Melczer sind aber in Zukunft auch größere Stückzahlen über die Kleinserienfertigung hinaus in Chemnitz denkbar. Diese könnte man in Partnerschaft mit Zulieferern herstellen. "Wir haben auch den europäischen Markt im Fokus", so Melczer.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...