Kosmetik-Riese Coty baut Standort im Vogtland aus

Der US-Konzern will sein Werk in Steinberg erweitern. Zeitgleich gehen im Betrieb in der hessischen Partnerstadt Hünfeld die Lichter aus.

Steinberg. Der weltweit agierende US-Kosmetikkonzern Coty will sein Werk im vogtländischen Rothenkirchen erweitern. Das Unternehmen mit Hauptsitz in New York teilte auf Anfrage mit, man werde den Standort im Steinberger Ortsteil Rothenkirchen zum "Center of Excellence" (Kompetenz- beziehungsweise Entwicklungszentrum) ausbauen. Das Werk in Rothenkirchen hat eine lange Tradition, die von Wella über Londa, Procter & Gamble bis zu Coty reicht.

Dem Gemeinderat von Steinberg liegt ein Konzernbeschluss zur Werkserweiterung und zur Vergrößerung der Produktionshalle vor, über den heute beraten werden soll. Schon jetzt beschäftigt Coty in Steinberg 300 Mitarbeiter und 20 Azubis, damit ist die Firma größter Arbeitgeber der Gemeinde - noch vor der Wernesgrüner Brauerei. Der Hallen-Anbau soll laut Coty im Sommer 2018 in Betrieb gehen. Zur Anzahl der neu entstehenden Arbeitsplätze äußerte sich das Unternehmen noch nicht. Es begründete dies mit der gleichzeitig in Hünfeld (Osthessen) geplanten Schließung des dortigen Werkes.

Auch in Hünfeld ist Coty derzeit noch der größte Arbeitgeber. Seit einigen Tagen steht jedoch fest, dass das dortige Werk in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres geschlossen wird. 380 Menschen verlieren vor Ort ihre Arbeit. Ausgebaut wird dagegen neben Rothenkirchen/Steinberg auch der Produktionsstandort in Köln. Die Deutschland-Zentrale von Coty befindet sich in Darmstadt.

Die bis 1994 selbstständige Gemeinde Rothenkirchen und Hünfeld sind seit 1990 durch eine Partnerschaft verbunden, die nun von Steinberg weitergeführt wird. Basis der Verbindung ist die Geschichte des Wella-Konzerns: Rothenkirchen war seit 1930 der Stammsitz des Unternehmens, das nach dem 2. Weltkrieg in Hünfeld weitergeführt wurde. In Rothenkirchen produzierte man zu DDR-Zeiten unter dem Namen Londa weiter. Nach der Wiedervereinigung erwarben die Hünfelder ihren alten Stammsitz im Vogtland zurück. 2003 kaufte der Konzern Procter & Gamble das gesamte Unternehmen Wella für 6,6 Milliarden Euro. 2016 wechselte Wella erneut den Besitzer und wurde von Coty übernommen.

Nach Angaben von Theo Flügel, Vize-Bürgermeister von Hünfeld (CDU), ist das Coty-Werk in seiner Stadt "hochprofitabel und auf dem neuesten Stand der Technik". Umso weniger sei die Entscheidung des Konzerns nachzuvollziehen. Es gehe um "reine Gewinnmaximierung". Gestern Mittag gab es eine Demonstration vor dem Hünfelder Werk, auch Flügel solidarisierte sich mit den wütenden Beschäftigten. Andreas Gruner, CDU-Bürgermeister von Steinberg, freut sich dagegen über die Erweiterung des Werks in Rothenkirchen: "Alles, was bei uns Arbeit generiert, begrüßen wir." Andererseits stimme ihn die Schließung in Hünfeld nachdenklich.

Mit Coty stärkt ein weiterer Großkonzern seinen Standort in Sachsen: Die zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehörende Homann Feinkost hatte erst im Juli bekanntgegeben, die Produktion ihrer vier westdeutschen Werke ab 2020 in Leppersdorf bei Bautzen zusammenführen und dort ein modernes Werk zu errichten. Dafür werden 500 Millionen Euro investiert. 800 neue Arbeitsplätze entstehen.

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