Chemnitz
„Streng deinen Nischel an“: Drei Lehrerinnen entwickeln das Chemnitz-Brettspiel

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Bei „Streng deinen Nischel an“ dreht sich alles um die 34 „Großen Chemnitzer“. Der Entwurf ist fertig, doch was die Umsetzung angeht, benötigt das Trio noch Unterstützung. Wann soll es erscheinen?

Chemnitz.

Täglich gehen Menschen über die Gedenkplatten in der Nähe des Roten Turms hinweg, die an bekannte Personen der Chemnitzer Stadtgeschichte erinnern. Doch wie viele halten inne und schauen wirklich einmal nach unten? Viel zu wenige, findet Caro Heber. „Mit Richard Hartmann können die Leute noch was anfangen. Aber wer kennt Hans Carl von Carlowitz, Martha Schrag oder Marie Luise Pleißner“, fragt die Lehrerin, die an der Sportoberschule Geschichte unterrichtet. Wissenslücken, derer sich auch die Initiatoren des Projekts „Große Chemnitzer“ bewusst sind. So hatte sich der Rotary-Club vor einiger Zeit ans Schulamt gewandt, mit dem Wunsch, den Schülern die Persönlichkeiten näherzubringen. Das Ansinnen landete auf dem Tisch von Caro Heber. Warum? Sie ist für die Oberschulen zuständige Beraterin für das Fach Geschichte.

Ziel: Den Roten Turm erklimmen

Was also tun? Sie schloss sich mit ihren Freundinnen Kerstin Herrmann-Nitz und Franziska Markardt, beide ebenfalls Lehrerinnen, kurz. Mit ihren Schülern Exkursionen zu den Wirkungsstätten der berühmten Chemnitz durchzuführen, schlossen die drei von vornherein aus. „Da schlafen die uns weg“, sagt Franziska Markardt. Dann kam ihnen die zündende Idee: ein Brettspiel. Das, so die 40-Jährige, entfalte auch gleich eine ganz andere Breitenwirkung. Mit Feuereifer machte sich das Trio an die Arbeit. Ausgehend vom Grundkonzept, ein Würfelspiel entwickeln zu wollen, bei dem sich die Spieler über den Chemnitzer Stadtplan bewegen, wurden Ideen entwickelt und wieder verworfen – alles in der Freizeit. Inzwischen stehen die Regeln, es gibt einen vorläufigen Spielplan. Der zeigt die Stadt Chemnitz in ihren Grenzen mit einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Die wichtigsten Straßen sind eingezeichnet, auf diesen sind die einstigen Wirkungsorte der aktuell 34 „Großen Chemnitzer“ markiert.

Ziel ist es, durch geschickte Routenplanung möglichst viele Persönlichkeiten abzuklappern, Fragen zu beantworten und schließlich die letzte Etage des Roten Turms zu erklimmen. Zwischendurch müssen die Spieler auch zeichnen oder Dinge pantomimisch darstellen. Die ersten Feuertaufen habe das Spiel, das den Namen „Streng deinen Nischel an“ trägt, bereits überstanden – sowohl bei den Schülern als auch im Familienkreis sei es gut angekommen, sagt Franziska Markardt.

Wohl kaum ein Chemnitzer, der noch nie von Richard Hartmann gehört hat. Bei vielen anderen der „Großen Chemnitzer“ dürfte das aber anders aussehen.
Wohl kaum ein Chemnitzer, der noch nie von Richard Hartmann gehört hat. Bei vielen anderen der „Großen Chemnitzer“ dürfte das aber anders aussehen. Bild: Andreas Seidel

Konzept steht, Finanzierung unklar

Caro Heber wird derweil nicht müde, die Unterstützung hervorzuheben, die sie und ihre Mitstreiterinnen bislang erhalten habe. Doch nun, mit dem Entwurf in der Hand, ist die Arbeit keineswegs vorbei. Denn was noch aussteht, ist der schwierigste Schritt: die Umwandlung der Vorlage in ein fertiges Produkt. Die Herstellung der Spielfiguren aus Gips, wie es dem Trio vorschwebt, der Druck der Karten und des Spielplans – das alles kostet richtig viel Geld. Zudem muss ein Publisher her. Zwei Angebote habe man bereits vorliegen, darunter das eines Herstellers aus Limbach-Oberfrohna über eine Startauflage von 500 Exemplaren - dafür wären 14.000 Euro aufzubringen. Die Gesamtkosten schätzen die drei Frauen auf mindestens 20.000 Euro. Geld, das über eine Crowdfunding-Aktion akquiriert werden soll – nicht über eine der einschlägigen Plattformen wie beispielsweise „Kickstarter“, sondern in Eigenregie. Unterstützer können sich per E-Mail unter [email protected] melden. Wer einen Betrag von 50 Euro gebe, soll dafür im Gegenzug garantiert ein Exemplar des Spiels erhalten.

Die Spielmaterialien existieren bislang alle nur als Entwurf. Für das fertige Spiel müssen sie noch „in Form“ gebracht werden – das kostet viel Geld.
Die Spielmaterialien existieren bislang alle nur als Entwurf. Für das fertige Spiel müssen sie noch „in Form“ gebracht werden – das kostet viel Geld. Bild: Andreas Seidel

Gewinn für guten Zweck

Auf gar keinen Fall wolle man einen persönlichen finanziellen Bonus aus der Sache ziehen, betont Caro Heber energisch und bemüht ein Zitat des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. Es gehe nicht darum, zu fragen, was die Stadt für uns, sondern was wir für die Stadt tun können. „Das Spiel“, so Heber, „soll unser Beitrag für die Kulturhauptstadt sein“. Jeglicher Gewinn werde daher einem gemeinnützigen Zweck zugutekommen, am besten einem Projekt für Kinder. Die Zeit drängt also – das Kulturhauptstadtjahr nähert sich schließlich mit Riesenschritten. „Im dritten Quartal“, so hoffen die drei, „soll alles fertig sein.“ (jüw)

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