Annaberg
Leser helfen im Erzgebirge: Der fünfjährige Bruno und sein stilles Geheimnis

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Die Diagnose: frühkindlicher Autismus. Sprachentwicklung und -verständnis sind stark eingeschränkt. Ein Familienalltag mit vielen Herausforderungen. Die Aktion „Leser helfen“ will ihn erleichtern.

Ehrenfriedersdorf.

Bruno ist ein meistens ein aufgeweckter Knirps, ein kleines Energiebündel. Doch diese Energie wird dem Fünfjährigen manchmal zum Verhängnis. Denn Bruno kann Gefahren in keiner Weise abschätzen. Wenn er zum Bach will, geht er zum Bach. Ihm die Gefahr erklären? Viele Eltern kennen wohl die Situation, dass man zwar mit Engelszungen auf die Kleinen einreden kann, sie aber ihre Ohren gerade mal wieder auf Durchzug geschaltet haben. Bei Bruno ist das quasi ein Dauerzustand. Aber nicht etwa, weil er seine Eltern Nicole und David Böhm ärgern will. Der Fünfjährige hört durchaus, kann das Gehörte aber nicht verarbeiten. Bruno leidet an frühkindlichem Autismus - einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung. Er gilt als schwerste Form der Autismus-Spektrum-Störungen.

Gute Entwicklung nach schwerem Start

Bis zu dieser Diagnose war es allerdings ein langer und schwieriger Weg für die Familie aus Ehrenfriedersdorf, zu der neben dem Bruno der achtjährige Erwin, die zwölfjährige Frida, die 14-jährige Klara und die 17-jährige Paula gehören. Denn Bruno ist als Frühchen bereits in der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Danach hieß es noch einmal bangen, denn seine Lunge war beim Beatmen gerissen. Doch nach diesen kritischen Wochen hat er sich zunächst wunderbar entwickelt, erinnert sich Mama Nicole. Doch nach etwa 18 Monaten sind die 36-Jährige und ihr Mann David stutzig geworden. Denn ihr Jüngster sprach nicht und hörte nicht. Beim Besuch eines Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten dann die erste Vermutung: Bruno ist möglicherweise Autist.

Hochkonzentriert geht Bruno ans Werk, wenn es um Zahlen und Buchstaben geht. Sie gehören zu seinen Lieblingsspielzeugen. Da muss Papa David auch gar nicht viel helfen.
Hochkonzentriert geht Bruno ans Werk, wenn es um Zahlen und Buchstaben geht. Sie gehören zu seinen Lieblingsspielzeugen. Da muss Papa David auch gar nicht viel helfen. Bild: Ronny Küttner

Doch was diese Diagnose in ihrem konkreten Fall bedeutet, haben sie erst nach und nach erfahren: keine Sprachentwicklung, kein Sprachverständnis, keine Gefahreneinschätzung. "Er hört zwar ganz normal", versucht die 36-jährige Mutter zu erklären, was sich nur schwer erklären lässt. Aber Bruno kann das Gehörte nicht einordnen. "Er reagiert nicht." Seine Eltern und Geschwister haben gelernt, mit dieser ungewöhnlichen Situation umzugehen. "Wir kennen ihn, deuten seine Mimik und Gestik und entnehmen daraus, was er möchte", sagt Vater David. Im geschützten familiären Rahmen funktioniert das auch gut, außerhalb wird es allerdings schwierig. So gibt es im Supermarkt zum Beispiel mitunter verständnislose Blicke oder Kommentare. Doch davon lassen sich die Böhms nicht beeindrucken, meistern ihren Alltag mit viel Liebe und vielen klaren Strukturen. Und sie können sich ihren Familienalltag trotz all dieser Herausforderungen gar nicht mehr anders vorstellen. "Wir sind froh und dankbar, dass er da ist", sagen beide über ihr Nesthäkchen. Denn es hätte durchaus auch anders kommen können.

Das 20 Jahre alte Familienauto ist am Ende

Einen großen Wunsch gibt es allerdings: ein neues Auto. Denn das fast 20 Jahre alte Familienauto ist am Ende. "Die aufwendigen Reparaturen übersteigen den Wert des Autos längst um ein Vielfaches", macht David Böhm deutlich. Dazu kommt bei jeder Fahrt die Angst, dass das Auto einfach stehen bleibt. Dabei wird ein fahrtüchtiges Auto dringend benötigt. Allein schon für Bruno, der viele Arzt- und Therapietermine hat. Unter anderem besucht er einmal im Monat das Autismuszentrum in Schwarzenberg. Und wenn Bruno irgendwo hin muss, muss auch sein Rollstuhl-Buggy mit. Denn weitere Strecken mit Bruno laufen, geht nicht. Der Buggy ist aber mit seinen rund 20 Kilogramm Gewicht nicht nur schwer, er nimmt auch viel Platz weg im Auto. Alle Familienmitglieder zusammen mit den beiden Hunden und dem Buggy in einem Auto funktioniert derzeit auch nicht.

Bruno mit seinen Geschwistern: Erwin, Paula, Klara und Frida. Der Rollstuhl-Buggy ist für die Familie ein wichtiges Hilfsmittel, um auch mit Bruno mobil zu sein.
Bruno mit seinen Geschwistern: Erwin, Paula, Klara und Frida. Der Rollstuhl-Buggy ist für die Familie ein wichtiges Hilfsmittel, um auch mit Bruno mobil zu sein. Bild: Ronny Küttner

Dabei wünschen sich auch die Böhms manchmal nur, einfach etwas als Familie zu unternehmen. Und sei es nur ein Ausflug auf die Annaberger Kät. Oder vielleicht auch einmal einen kurzen Urlaub an die Ostsee, um einmal ein paar Tage rauszukommen. "Solche Dinge sind unfassbar wertvoll für uns", sagt Nicole Böhm. Ohne Familienauto ist das aber momentan undenkbar. (af)

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