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Pilzberater: "Hohe Temperaturen nicht so entscheidend"

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Bernd Schaller aus Gelenau macht Pilzfreunden im Erzgebirge trotz des Hitzesommers Hoffnung - Fachmann stellt Wandel beim Sammeln fest

Gelenau.

Die Hitzetage des Sommers 2022 lassen pilzbegeisterte Erzgebirger unruhig werden: Wird es in diesem Jahr Schwamme geben oder bleiben die Körbe leer? Christof Heyden hat mit Bernd Schaller (63) aus Gelenau gesprochen. Der gelernte Bergmann ist seit 1996 als Pilzberater tätig.

"Freie Presse": Haben Sie angesichts der jüngsten Hitzetage Sorge, auf Pilze im Speiseplan verzichten zu müssen?

Bernd Schaller: Die hohen Temperaturen sind nicht so entscheidend, in den Sommermonaten haben sich Schwamme in zurückliegenden Jahren immer wieder einmal rar gemacht. Entscheidend ist die Trockenheit. Die Böden sind quasi spatentief pulverisiert. Es bedarf der Nässe. Dennoch, das Pilzmyzel ist ausgebildet. Insofern bin ich optimistisch, mit regnerischem Wetter auch wieder Pilze sammeln zu können. Zu viel Feuchtigkeit ist aber eher schlechter als die Trockenheit.

Also können Leckermäuler in der Region hoffen, ihre Pilzgerichte zubereiten zu können?

Eine zeitgenaue Prognose ist schwerlich zu treffen, ich bin kein Wettermacher. Die entscheidende Frage bleibt: Reicht die Feuchtigkeit, wie nehmen die Böden diese auf? Und dennoch: Ich denke, dass die Pilzsaison wie in den Vorjahren ab Mitte/Ende September losgeht.

Finden Experten wie Sie auch unter diesen Bedingungen aktuell noch Exemplare?

Hexenröhrlinge sind zu finden, wie Pilze an Bäumen, auch einige Perlpilze. Das sind aber weniger bekannte und bevorzugte Sorten.

Und wie steht es um Ihre Speisekammer und Pilzreserven?

Ich schätze auch Zeiten, in denen einmal keine Pilze serviert werden. Bis in den Januar 2022 hinein habe ich Schwamme gesammelt, dazu zählten etwa Austernseitlinge, die auch weniger bekannt sind und daher kaum mitgenommen werden.

Wie steht es ungeachtet der Hitzegrade generell um die Sammelleidenschaft der Erzgebirger?

Ich beobachte eine nachlassende Nachfrage. Es ist nicht mehr der kulinarische Volkssport für Generationen. Vor allem ältere Mitbürger sind Enthusiasten. Junge Leute essen sie gern, aber sind weniger versessen, Pilze aufzuspüren. Und genieren sich, nachzufragen, wenn sie eine Art nicht kennen. Immerhin sind in unseren Breiten rund 3000 Pilz- sorten zu finden, wobei der Speisewert da zunächst unberücksichtigt bleibt. Pilzsucher sollten bei Unsicherheit unbeirrt die Pilzberater der Region aufsuchen und Rat suchen.

Gibt es für Sie Favoriten?

Perlpilzen gehört meine Geschmacksleidenschaft. Favorit ist etwa der Schopf-Tintling, der helle Pilz ist etwa im Gesteinsschotter zu finden. Er zerläuft abgeschnitten ins Schwarze, muss schnellstens verarbeitet werden. hy

Kontaktdaten von Pilzberatern finden Sie unter www.freiepresse.de/pilzberater