Reparaturvorhaben ruft Umweltschützer auf den Plan

Schäden im Betriebsgraben des Wasserkraftwerkes an der Brettmühle Königswalde sollen mit Naturstein repariert werden. Einem Umweltschützer reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus. Auch ein Museum hängt davon ab.

Königswalde.

Seit August 2017 ist das Museum im Wasserkraftwerk Annaberg an der Brettmühle Königswalde geschlossen. Wie Mike Päßler von den Stadtwerken mitteilt, habe es schon einige Anfragen von Besuchern gegeben. Diese mussten jedoch abgewiesen werden. Warum? Die Stadtwerke Annaberg knüpfen die Öffnung des Museums an den Betrieb des Wasserkraftwerkes und an Reparaturen am Betriebsgraben, über den das Wasser zum Kraftwerk geführt wird. Der ist teilweise noch mit Steinen aus Vorwendezeiten ausgekleidet. Einige von ihnen sind kaputt, die Stadtwerke wollten sie durch dieselben Materialien ersetzen. In ihren Augen nur eine kleine Baumaßnahme.

Das Landratsamt bewertete dies anders und verlangte einen formellen Antrag für die Maßnahme. Der wurde mittlerweile eingereicht und bewilligt. Das Ergebnis: Die schadhaften Stellen im Betriebsgraben sollen mit Naturstein repariert werden. Doch der Naturschützer und Vorsitzende des Vereins Pro Naturschutz Sachsen Wolfgang Riether ist mit dieser Lösung nicht einverstanden. Seiner Ansicht nach gibt es im Prozedere einiges zu bemängeln, ebenso am Wirken der Stadtwerke vor Ort insgesamt.

In einem Brief an die "Freie Presse" listete Riether mehrere Kritikpunkte auf. "Die Stadtwerke Annaberg-Buchholz haben ohne die notwendigen Genehmigungen ein Bauvorhaben in einem Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung begonnen und damit deren Schutzgüter gefährdet", schreibt er. Riether bezieht sich dabei auf mehrere Vorhaben des Unternehmens in diesem Bereich. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, konterte das für die Genehmigung zuständige Landratsamt: "Das Vorhaben ,Teilinstandsetzung des Obergrabens an der Wasserkraftanlage Hebewerk/Brettmühle' liegt im FFH-Gebiet Pöhlbachtal und wurde auch aus naturschutzrechtlicher- und fachlicher Sicht geprüft". Dabei sah die Behörde das Vorhaben als zulässig an.

Ein weiterer Kritikpunkt des Naturschützers ist das Fehlen von Fischaufstiegshilfen. Laut Landratsamt ist die Durchgängigkeit flussauf- sowie flussabwärts nicht im Grabensystem der Wasserkraftanlage, sondern am Standort der Wasserkraftanlage Hebewerk/Brettmühle am Pöhlbach herzustellen. Für den Bau einer dortigen Fischauf- und -abstiegsanlage gab der Landkreis Ende 2016 eine Genehmigung. "Voraussichtlich kann spätestens im Juni 2018 mit diesen Baumaßnahmen begonnen werden", heißt es aus dem Landratsamt. Gleichzeitig teilte die Behörde aber auch mit, dass die Stadtwerke im Zuge der Errichtung der Fischaufstiegsanlage beabsichtigen "ein Stromkabel sowie ein Kabelschutzrohr zum Einziehen eines Datenkabels auf gesamter Länge des Betriebsgrabens im nördlich daran angrenzenden Unterhaltungsweg zu verlegen." Auch dies bemängelte Wolfgang Riether als massiven Eingriff in das Naturschutzgebiet Pöhlbachtal. Dieses hat den Status FFH, dabei handelt es sich um einen europäischen Schutzstatus, der besondere Regeln mit sich bringt, etwa wenn Bauvorhaben und Baumfällungen anstehen.

Laut Wolfgang Riether wurde der Pflicht, vor der Beantragung von Baumaßnahmen spezielle Gutachten zu erstellen, vonseiten der Stadtwerke nicht nachgekommen. Er ersuchte Landrat Frank Vogel (CDU) vor wenigen Tagen in einem Schreiben um sofortigen Baustopp. Wann die Arbeiten im Bereich des Wasserwerkes fertiggestellt werden können, bleibt also vorerst offen. Mehrere Punkte gilt es noch zu klären.

Und wann wird das Museum Annaberger Wasserwerk wieder eröffnet? "Das Museum öffnet, wenn die Wasserkraftanlage wieder in Betrieb ist. Wenn das bis dahin gelingt, zum Tag des offenen Denkmals am 9.September", heißt es aus den Stadtwerken.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...