Bach schrieb seine Werke auf Papier aus Oberschlema

Der Kurort Bad Schlema hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie wird in verschiedenen Museen oder auf Info- Tafeln erzählt. Jetzt wurden zwei weitere Schilder montiert. Sie erinnern an weit mehr als nur einen Komponisten.

Bad Schlema.

Was verbindet Bad Schlema mit Johann Sebastian Bach? Der bedeutende Musiker schrieb einige seiner Kompositionen einst auf Papier, das aus einer Papiermühle in Oberschlema stammte. Das konnte anhand von Wasserzeichen belegt werden. Doch es ist nicht nur allein diese Tatsache, die Ullrich Espig dazu veranlasste, zwei Schilder anfertigen zu lassen, um auf die ehemalige Oberschlemaer Papiermühle hinzuweisen.

Espig möchte damit generell an die Bedeutung dieser Produktionsstätte erinnern und deren Geschichte für die Nachwelt erhalten. Deshalb finanzierte der Bad Schlemaer die Tafeln aus der eigenen Tasche.

Der 74-Jährige, dessen Vater bereits in der Papierfabrik Bockau arbeitete, ist gelernter Papiermacher und beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit der Papierherstellung in Bad Schlema und Umgebung. "Ich war unter anderem jahrelang als Berufsschullehrer für angehende Papiermacher tätig. Dazu gehörte im ersten Lehrjahr auch die historische Entwicklung des Papiers", berichtet Ullrich Espig.

Ende 2017 kam der Leiter des Uranbergbaumuseums von Bad Schlema, Hermann Meinel, auf Espig zu und bat ihn, die Geschichte der Papiermühle Oberschlema aufzuarbeiten. "Ich sollte über sie einen Vortrag vor Ortschronisten halten, doch es gab noch Lücken in der Chronik", erklärt Ullrich Espig. Also machte er sich ans Werk und trug viele Fakten und Besonderheiten der Papiermühle zusammen. So ist zum Beispiel bemerkenswert, dass die erste Amtsbibel in der lutherischen Übersetzung 1625 auf Oberschlemaer Papier gedruckt wurde und bis heute erhalten ist.

Die 1572 auf dem Gelände einer ehemaligen Eisen-Hütte in Oberschlema errichtete Papiermühle befand sich etwa 50 bis 70 Meter südlich in Richtung Gleesberg entfernt von der Einmündung des Silberbaches in die Schlema. Während der 1920-er Jahre erreichte die Papiermühle eine Tagesleistung von 500 Kilogramm. Damals waren 40 Arbeiter dort beschäftigt. Das Sortiment bestand unter anderem aus Lösch-, Filter- sowie weißen und farbigen Blätterpapieren. In den letzten Jahren ihres Bestehens gab die Papiermühle zudem noch Wasser an die entstehende Kurgesellschaft ab, die es für ihre beinahe erschöpften Radonwasservorräte benötigte. "Ein Erhalt der Papiermühle als Museum wurde schließlich verworfen, da ihr Zustand bereits zu desolat und veraltet war", weiß Espig. Deshalb wurde sie 1932 endgültig abgerissen. An ihrer Stelle errichtete die Gemeinde im Anschluss einen Kurpark und einen Musikpavillon, die aber Mitte des 20. Jahrhunderts wiederum dem Uranbergbau weichen mussten.

Die beiden neuen Schilder, die mit GPS-Koordinaten versehen sind, weisen heute auf die ehemalige Papiermühle hin. Ein Schild ist eine DIN A4-Tafel aus Aluminium mit Laserdruck, die auf einem großen Granitstein in der Nähe der Einmündung des Silberbaches aufgestellt wurde, rund 50 Meter von der ehemaligen Mühle entfernt. Das zweite Schild ist eine blaue DIN A1-Tafel aus Kunststoff und zeigt ein großes Bild der Papiermühle, das Ullrich Espig an seinem Haus befestigt hat.

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