Nach Tesla-Unfall: Abschleppdienste im Erzgebirge fühlen sich alleingelassen mit E-Auto-Unfällen

Nach dem Unfall mit drei Toten am Sonntagnachmittag auf der S 255 zwischen Aue und Hartenstein musste der verunglückte Tesla mit Spezialtechnik abtransportiert werden. Abschleppdienste beklagen mangelnde Praxis mit derartigen Fällen.

Nach dem Unfall mit drei Toten, in den am Sonntag ein Tesla verwickelt war, fühlen sich Abschleppdienste und Feuerwehren im Erzgebirge alleingelassen beim Thema Unfälle mit Elektroautos. Wie Dirk Weinelt, Mitarbeiter Abschleppdienst Kelpin in Niederwürschnitz, und Paul Schaarschmidt, Pressesprecher Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge e.V., berichten, fehlt ihnen die Praxis beim Umgang mit E-Autos. Es würden Übungsobjekte fehlen. Mitarbeiter von Abschleppdiensten müssen spezielle Lehrgänge absolvieren, um solche Wagen abschleppen zu dürfen. Für das Abstellen von verunfallten Elektrowagen benötigt es Genehmigungen. Zudem benötigen Abschleppfirmen einen speziellen Container der im Brandfall mit Wasser geflutet werden kann. Alles Dinge, die es bei einem Wagen mit Verbrennungsmotor nicht zu beachten gilt.

Paul Schaarschmidt sieht die Situation nicht ganz so kritisch. "Die Neuzulassungen von Elektrowagen im Erzgebirgskreis sind mit 167 noch überschaubar. Momentan ist dieser Container ausreichend. Doch die Zahl der Elektroautos im Erzgebirge nimmt zu." Bislang mussten Abschleppdienste und Feuerwehren auf Rettungsdatenblätter zurückgreifen. Trotzdem wünschen sich beide mehr Kooperation von Automobilherstellern oder der Wirtschaft. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Zudem wünscht man sich mehr Verbesserungen oder Lösungen seitens der Automobilhersteller. Der Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge e.V. möchte nun ab 2021 mehr Seminare für Rettungskräfte halten, im Umgang bei Verkehrsunfällen sowie Bränden mit Elektroautos. Fest steht: Brände und Verkehrsunfälle mit Elektroautos sind für Rettungskräfte schwieriger und zeitintensiver abzuarbeiten als Unfälle mit Autos mit Verbrennungsmotoren.

Eine 30-Jährige war am Sonntag mit ihren beiden Kindern in einem Tesla auf der S255 unterwegs. Zwischen Aue und Hartenstein kam es zur Kollision mit einem Seat. Für die drei Frauen in dem Auto kam jede Hilfe zu spät. Der Tesla wurde mit Spezialtechnik geborgen. Gegen die Tesla-Fahrerin wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt [FP+]. (mär/roy/sane)

1Kommentare
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  • 9
    3
    fischer1
    26.06.2020

    Nun ja, schade, dass hier die Aussagen des TÜV fehlen und des ADAC, die die Brandgefahr für eher gering halten... Das hätte zu dem Artikel dazu gehört!