Aktion "Leser helfen": Kita-Schließungen und ihre Folgen

Lilly und Deborah sind schwerstbehindert, beide besuchen tagsüber Kindereinrichtungen. Während die pandemiebedingte Schließung für Deborahs Familie einen hohen zusätzlichen Aufwand bedeutete, war sie für Lilly ein Glücksfall.

Adorf/Hohndorf.

Das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind ist eine Herausforderung für die gesamte Familie. Darum ist es eine große Erleichterung, dass Lilly und Deborah tagsüber in einer Kindereinrichtung betreut werden können. Lilly aus Hohndorf, die seit ihrer Geburt an einer spastischen Cerebralparese leidet, besucht die Kindertagesstätte "Geschwister Scholl" in Hohenstein-Ernstthal. Deborah aus Adorf, seit einem tragischen Unfall in einer Art Wachkoma lebend, wird in der Heilpädagogischen Kita in Chemnitz betreut. Das macht es ihren Eltern möglich, zumindest in Teilzeit einem Beruf nachgehen zu können. Aber nicht nur das.

Als Deborahs Kita in diesem Jahr coronabedingt schließen musste, brachte das ihre Mutter an ihre Grenzen. Denn Deborahs Geschwister Rahel (7) und Aaron (10) waren ebenfalls daheim. Romy Wohlgemuth, die normalerweise in der Woche 30 Stunden als Religionspädagogin bei der Landeskirche angestellt ist, blieb daheim - und wusste manchmal gar nicht, was sie zuerst tun sollte. Denn Deborah muss wegen der ständigen Gefahr von epileptischen Anfällen permanent beaufsichtigt werden und der Pflegeaufwand für die Sechsjährige ist groß. Hinzu kam, dass Physiotherapie und Logopädie normalerweise vormittags in der Kita stattfinden, erzählt Romy Wohlgemuth. Daheim fehlten dafür teilweise die Geräte, die hiesige Logopädin war noch dazu ausgebucht. Mehrmals am Tag muss Deborah auch komplett bewegt werden. Das sei wichtig für die Belüftung der Lunge, weil sie bettlägerig ist, erklärt ihre Mutter. Und: Deborah fehlten die Kinder. "Man hat gespürt, dass sie leidet."

Gleichzeitig forderten aber auch ihre beiden älteren Kinder im Homeschooling Romy Wohlgemuths Aufmerksamkeit. "Ich wusste manchmal gar nicht, wie ich das bewältigen sollte", sagt sie.

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Lilly konnte ihre Kita auch in dieser Zeit weiterbesuchen - da ihre Eltern als Verkäuferin in einer Drogerie und als Busfahrer in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Allerdings wechselte sie wegen der geringen Kinderzahl von der heilpädagogischen Gruppe in die Notbetreuung. Und das erwies sich als Glücksfall. Denn die Fünfjährige ist zwar körperlich schwerstbehindert, aber geistig fit. "Sie wurde in der heilpädagogischen Gruppe nicht gefordert, war allen geistig überlegen", sagt Lillys Mutter Anja Merten. Weil sich nun herausstellte, dass Lilly unter den gesunden Kindern auflebte, wird sie seither als Integrativkind in der Ameisengruppe betreut. Hier ist sie voll integriert, erklärt Erzieherin Kerstin Marbach. Und Lilly berichtet den Besuchern auch sofort von den Erlebnissen an diesem Tag in der Kita.

Zur Ameisengruppe gehören derzeit 14 Kinder zwischen drei und sieben Jahren. Unter ihnen befinden sich noch ein weiteres Integrativkind und zwei Mädchen mit Migrationshintergrund. Es sei bewundernswert, wie die Erzieherinnen das alles schaffen, sagt Vater Stefan Merten. Anfangs seien auch noch einige Vorschulkinder da gewesen und hätten Lilly rührend umsorgt, so Anja Merten. Mittlerweile seien diese Kinder allerdings in die Schule gewechselt, aber Lilly fühlt sich nach wie vor wohl. "Sie will alles mitmachen", erzählt Erzieherin Kerstin Marbach. Das gehe so weit, dass man sie beim Sport im Rollstuhl um die Hindernisse des Parcours fahren muss oder sie darüber trägt. "Sie ist wirklich mittendrin statt nur dabei."

Der Verein "Leser helfen" möchte die Familien der beiden Mädchen unterstützen. Bei Deborah werden Spenden gesammelt, um den behindertengerechten Ausbau des künftigen Zuhauses von Familie Wohlgemuth finanzieren zu helfen. Familie Merten bittet um Hilfe für die Anschaffung eines größeren Autos, damit alle Hilfsmittel transportiert werden können und Lilly im Rollstuhl sitzend mitfahren kann.

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