Aussicht auf Wohnbebauung für Schmuddelecke in Marienberg

Unweit der Stadtmauer liegt ein großes Geländestück des Landkreises brach. Ein erster Verkauf schlug fehl. Klappt es nun im zweiten Anlauf?

Marienberg/Annaberg.

Zweimal schon hat der Erzgebirgskreis ein Geländeteilstück seines Verwaltungsstandortes an der Schillerlinde in Marienberg zum Verkauf angeboten - ohne den erhofften Erfolg. 2015 sollte das gut 4000 Quadratmeter große Areal unweit vom Zschopauer Tor, auf dem derzeit noch eine marode Baracke steht, für 102.260 Euro an den Mann gebracht werden. Im Preis inbegriffen: die öffentliche Erschließung des Geländes sowie der Gebäudeabriss. Wie Landrat Frank Vogel im jüngsten Kreis- und Finanzausschuss mitteilte, habe es nur ein Gebot in Höhe von 60.000 Euro gegeben. Weit unter dem Mindestgebot - die Ausschreibung sei deshalb zurückgezogen worden.

Für den zweiten Versuch 2017 sei sogar ein öffentlich bestellter Sachverständiger hinzugezogen worden. "Um keine Fehler beim Grundstückpreis zuzulassen", erläuterte Vogel. Der Experte kam auf einen Grundstückswert von sogar 119.000 Euro. Doch auch die erneute Ausschreibung brachte nicht den erhofften Erfolg. Zum Abgabeschluss lag wiederum nur ein Gebot vor. Der Bieter diesmal: die Große Kreisstadt Marienberg. Und die wollte noch weniger zahlen als der erste Interessent: 55.120 Euro.

Das Dilemma: Einerseits braucht der Landkreis das Gelände nicht, andererseits kann dieser das Grundstück nicht "für einen Appel und ein Ei" abgeben. Deshalb wurde die Landesdirektion Sachsen eingeschaltet. Diese teilte mit, dass ein Unterwertverkauf nur mit einer stichhaltigen Begründung zulässig sei. Schließlich müsse das Eigentum des Erzgebirgskreises ungeschmälert dem Wohl der Allgemeinheit erhalten bleiben. Darauf pochte in der Sitzung des Kreis- und Finanzausschusses auch Linke-Fraktionschef Frank Dahms. "Warum wird nicht an einen Investor verkauft, sondern an die Stadt" wollte er wissen. Beigeordneter Andreas Stark erläuterte, dass man sich mit dem Bauträger im ersten Falle nicht einigen konnte. Die Erschließung des Geländes sei nicht unkompliziert. Zudem seien die Nachbarschaftsregelungen komplex. Stark räumte ein, dass da zwei Herzen in seiner Brust schlügen. Zum einen habe auch der Kreis nichts zu verschenken, zum anderen wolle man der Stadt nicht im Wege stehen. Ihm sprang CDU-Fraktionschef Sylvio Krause bei. "Ich kenne das Gelände. Die Aufwendungen gehen ins Geld. Deshalb sollten wir die Stadt unterstützen."

Diese will mit der Erschließung vor allem einen städtebaulichen Missstand beseitigen. Das Areal soll für eine Wohnbebauung erschlossen werden. "Bereits 2012 hatte dazu der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss zum B-Plan Schillerlinde gefasst", teilte gestern Heike Dachselt, Beigeordnete für das Finanzwesen der Großen Kreisstadt, mit. Die betreffende Teilfläche des Flurstückes liegt in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer. Auf der Fläche befindet sich noch eine baufällige Baracke, eine weitere wurde bereits abgerissen. Die Fläche liegt brach. Die Stadt verweist darauf, dass sich in Richtung Turnvater-Jahn-Weg bereits eine Wohnbebauung anschließe. Zudem weist die Stadt den Landkreis auch auf mögliche künftige Kosten hin, ohne dass das Grundstück an Wert gewinnt. So sei nicht auszuschließen, dass die noch stehende Baracke wegen Asbestverbau abgerissen werden müsse.

Stadt und Kreis wollen jetzt die Landesdirektion durch weitere Abmachungen im Kaufvertrag für den Deal gewinnen. So soll eine Mehrerlösklausel sowie eine Fristsetzung zum Abschluss der Erschließungsarbeiten Spekulationsgeschäften einen Riegel vorschieben. Bei Weiterverkauf in den nächsten zehn Jahren muss der Kreis am Mehrerlös beteiligt werden.

Der Kreis- und Finanzausschuss stimmte dem Vorhaben mit einer Gegenstimme zu. Zuvor kramte Dahms augenzwinkernd noch in der Mottenkiste: "Zu DDR-Zeiten ging das einfacher. Da gab es einfach einen Rechtsträgerwechsel vom Rat des Kreises zum Rat der Stadt." Landrat Vogel hielt gegen: "Nicht nur deshalb werden wir die Geschichte nicht 30 Jahre zurückdrehen."

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