Altersvorsorge

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Durch Corona haben wir uns das Wandern angewöhnt. Wir tun es nicht zu häufig, aber ab und zu wandern wir, weil es erfüllend ist und preiswert.

Das C-Wort wollte ich hier an diesem Platz auch nie groß benutzen. Es wäre so schön, dachte ich, wenn der Leser an dieser Stelle drei Minuten lang seine Ruhe hätte vor Viren und anderen Katastrophen. Aber Corona ist hartnäckig, selbst im Sommer und selbst in der maskenfreien Phase. Es drängelt sich ins Leben und in Texte, als wäre es ein Politiker auf Wahlkampftour, der überall aufs Foto will. Nun steht es wieder hier, Corona, als zweites Wort in diesem Text. Das Leben möchte, dass wir uns anpassen.

Das Wandern. Am Anfang fanden Kind 1 und Kind 2, diese Art von Freizeitbeschäftigung passe weder zu ihrem Lebenskonzept noch zu ihrer Vorstellung eines Tages, der am Ende schön sein soll. Inzwischen läuft es. Nicht rund, aber Kind 1 und Kind 2 nehmen ihr Schicksal an. Eine Konversation während des letzten Wandertages, mein Bruder und seine Frau waren dabei:

Kind 1 kommt nach vorn geschnipst, wo ich mit Kind 2 laufe, und fragt: „Sparst du eigentlich schon fürs Altersheim?“ Hat mich so noch niemand gefragt. Zwei Probleme in einem Satz. Erstens ist das Sparen eine heikle Kiste, wenn man Kinder großzieht. Selbst wenn man die Wochenenden durchwandert, bleibt am Ende des Monats nichts übrig. Und zweitens möchte ich gar nicht ins Altersheim. Ich finde, ich gehöre nicht zur Zielgruppe, jedenfalls im Moment nicht.

„Nein, mache ich nicht“, antworte ich Kind 1.

„Und Papa, spart er fürs Altersheim?“

„Eigentlich auch nicht.“

„Müsst ihr aber.“

„Warum?“

„Andere machen das auch, und die sind viel jünger als ihr.“

Mein Sohn hält mir vor, er habe sich soeben mit meinem Bruder unterhalten und erfahren, dass dieser seine Altersvorsorge viel ernster angehe als ich, obwohl ich die Ältere bin. Wandern in der Gruppe ist wie ein Blitzdate. Man horcht sich gegenseitig aus und wechselt anschließend den Partner.

„Ich dachte, dass du mich schön versorgst, wenn ich alt bin“, sage ich.

„Nee“, sagt der Junge.

„Warum fragst du dann, wenn ich fragen darf?“

Eine Weile, dann antwortet er: „Ich überlege gerade, ob ich mir ein teures Tablet zu Weihnachten wünschen kann. Oder ob du dir deswegen im Alter nur Brot und Wasser leisten kannst.“

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