Freibadnormalität

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Die Menschen sehnen sich nach Normalität. Doch was soll das heißen? Wieder Bauch an Po in einer Schlange stehen, verschwitzte Hände schütteln und auf Kosten künftiger Generationen in den Urlaub fliegen?

Für unsere Familie heißt Normalität vor allem, dass wir wieder ins Freibad dürfen.

Das Virus hat ja neben vielen Schrecken auch etwas Gutes gebracht: Besucherzahlbeschränkungen. Ich finde es höchst angenehm, wenn man sich im Schwimmbecken ein wenig bewegen kann und dabei keine unerwünschten Begegnungen mit den Gliedmaßen anderer Menschen hat.

So stand ich also mit meinen Kindern in der Schlange. Vor uns etwa 15 Jugendliche, die offenbar aus 15 verschiedenen „Hausständen“ stammten und deshalb 15 verschiedene Kontaktnachverfolgungszettel ausfüllen mussten. Ich dagegen zog lässig mein Smartphone aus der Tasche, checkte mithilfe einer supercoolen App ein, zahlte und schon waren wir drin.

Vor einer Woche brauchte man fürs Freibad bei uns noch einen Test. „Beeilt euch, Kinder, sonst verpassen wir den Testbus!“, hörte ich mich da sagen. Wir verpassten ihn trotzdem. Und das war auch gut so, denn der Kleine und der Mittlere wären tief enttäuscht gewesen darüber, dass man mit dem Testbus gar nicht fahren kann. Wir gingen also stattdessen in ein Festzelt, äh, Testzelt, und wärmten uns danach im 22 Grad warmen Wasser des Freibads auf. Ja, aufwärmen. Draußen war es noch kälter.

Unsere Familie hat nun mal Hommeln im Hintern, und die lassen sich auch vom Wetter nicht einfangen. Vor ein paar Jahren fragte mich mein Schwager, wie kalt es bei uns sei. Es war Dezember und ich sagte: „Relativ warm, um die acht Grad.“ Seine Antwort: „Du wohnst schon zu lange im Erzgebirge!“ So saßen wir also neulich im Freiluftkino und schwitzten bei angenehmen 12 Grad. Es lief der Räuber Hotzenplotz. Hotzenplotz/Osoblaha ist übrigens eine Stadt in Tschechien.

Eine Woche und einen Lockerungs- und Temperatursprung später dann wieder das Freibad. Ohne Test und ohne Jacke. Meine Freundin war auch da. Sie hatte zwei Mädchen und drei Wasserpistolen mitgebracht. So konnten meine Söhne ihre Pflicht als Gesetzeshüter erfüllen. Die Große (8) und ihre Freundinnen sprangen ins Wasser, wir Mütter wechselten uns ab mit dem Beaufsichtigen beziehungsweise Einfangen der Kinder. Das ist nun einmal unsere Normalität. Und zwar inzidenzunabhängig.

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