Mehr Migranten verhindern ihre Abschiebung

Im ersten Halbjahr wurden 12.261 Menschen abgeschoben, etwas weniger als im Vorjahreszeitraum. Doch die Zahl, derer die sich dagegen erfolgreich wehren, hat sich verdreifacht. Überraschend viele Rückführungen scheiterten an der Weigerung von Piloten und Fluggesellschaften zur Zusammenarbeit.

Berlin (dpa) - Insgesamt 641 Abschiebungen sind im laufenden Jahr am Widerstand der Betroffenen gescheitert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat die Zahl sich damit mehr als verdreifacht, wie aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht.

Besonders häufig wehrten sich Menschen aus afrikanischen und nordafrikanischen Ländern sowie aus Syrien und dem Irak gegen ihre Abschiebung.

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, führte den Anstieg auf die «zunehmende Verrohung der Abschiebepolitik» zurück. Überraschungsabschiebungen ohne Vorankündigung selbst nach einem mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland seien unverhältnismäßig. «Sie führen auch in der Praxis dazu, dass Betroffene erst im letzten Moment auf etwaig bestehende Abschiebungshindernisse, etwa medizinische Gründe oder familiäre Bindungen, hinweisen können. Oder sie setzen sich wegen der überfallsartigen staatlichen Zwangsmaßnahme verzweifelt zur Wehr.»

An der Weigerung von Piloten oder Fluggesellschaften zur Zusammenarbeit scheiterten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 200 Abschiebungen. Medizinische Gründe waren in 141 Fällen ausschlaggebend. Sieben Mal weigerte sich ein Zielland, die Abgeschobenen aufzunehmen.

Von Januar bis Juni 2018 wurden 12.261 Abschiebungen durchgeführt, etwas weniger als im Vorjahreszeitraum (12.545). Für die Begleitung durch Sicherheitskräfte entstanden Kosten in Höhe von rund 3,77 Millionen Euro.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 7
    2
    voigtsberger
    09.08.2018

    Wie viele passen da in eine Transportmaschine der Bundeswehr und wie gehen all die anderen Staaten der EU, bei Ablehnung des Asylantrages damit um. Da wird nicht über Jahre durch alle Instanzen geklagt und das auch noch vom Steuerzahler und über unsere Sozialsysteme finanziert!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...