Ab 2023 Züge mit Batteriebetrieb auf der Strecke Chemnitz-Leipzig

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen will nicht mehr auf die Elektrifizierung warten - und reagiert mit einer Weltneuheit.

Chemnitz.

Das Ende der DDR-Reichsbahnzüge ist in Sicht: Bahnreisende im Regionalexpress von Chemnitz nach Leipzig sollen in absehbarer Zeit deutlich komfortabler und auch etwas schneller unterwegs sein. Ab 2023 werden auf der Strecke batterieelektrische Züge fahren, die bisher weltweit noch nirgendwo im Einsatz sind. Wie der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) mitteilte, hat die Verbandsversammlung des VMS am Freitag die Anschaffung von elf neuen Regionalzügen des Typs Coradia Continental beim Hersteller Alstom beschlossen. Die Züge sehen aus wie diejenigen, die seit 2016 zwischen Dresden und Hof im Einsatz sind - mit einem Unterschied: Sie verfügen über Hochleistungsbatterien auf dem Dach, die künftig an den Bahnhöfen Chemnitz und Leipzig über die Oberleitung aufgeladen werden sollen.

Mit der Investition reagiert der VMS auf die lange Wartezeit bis zur Elektrifizierung der Strecke über Bad Lausick. Die Deutsche Bahn hatte eine Fertigstellung für Ende der 2020er-, Anfang der 2030er-Jahre in Aussicht gestellt. Im Jahr 2023 endet indes der laufende Verkehrsvertrag für die Strecke, die derzeit von der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) mit renovierten Zügen aus DDR-Zeiten betrieben wird. Mit der Neuvergabe der Strecke kämen die neuen barrierefreien Züge mit Klimaanlage zum Einsatz, erläuterte ein VMS-Sprecher. Dazu nimmt der Verkehrsverbund einen Kredit über 50 Millionen Euro auf. Die Investitionssumme liege noch höher, hieß es. Alstom bestätigte die Bestellung. Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) muss noch darüber befinden.

VMS-Geschäftsführer Harald Neuhaus sprach von einer neuen Ära in Sachsen. "Die Bahnverbindung zwischen Chemnitz und Leipzig wird dadurch spürbar schneller, komfortabler und umweltfreundlicher." Die Höchstgeschwindigkeit der neuen Züge betrage 160 km/h, 20 km/h mehr als bisher. Die Fahrzeit verringert sich demnach Richtung Leipzig um eine und zurück um sechs Minuten. Wenn die Strecke elektrifiziert ist, fahren die Züge mit den üblichen Stromabnehmern.

"Das ist eine zukunftsorientierte Lösung", sagte Bernd Engel, Professor für Energieanlagen an der TU Braunschweig. Verschiedene Hersteller verfügten inzwischen über Prototypen batterieelektrischer Züge. Neben Sachsen gebe es erste Bestellungen in Schleswig-Hostein und Baden-Württemberg. "Da die Batterien immer besser werden, wird das zunehmend attraktiv", sagte der Bahntechnik-Experte.

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16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Zeitungss
    30.09.2019

    @yvonoe: Ihren Grundgedanken kann man schon folgen, was hier praktiziert wird, allerdings nicht mehr. Ich nehme an, Sie sind Katalogkäufer und schicken zurück wenn es nicht passt. Beim VMS bestellt man inzwischen auch nach Hochglanzkatalog, es gibt noch nicht einmal ein Baumuster und das in dieser Größenordnung. Wenn Sie das als zukunftsweisend betrachten, soll es so sein, was die technische Seite angeht, ist für Sie wohl der Katalog ausschlaggebend, hört sich dort auch gut an. Was uns möglicherweise unterscheidet, Eisenbahntechnik und -betrieb sind für mich keine böhmischen Dörfer, hobbymäßig schon gar nicht, weshalb ich Ihren Zeilen nur bedingt folgen kann.

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    yvonoe
    29.09.2019

    Wenn wie im Artikel (Ende für DDR-Züge: 2023 E-Züge zwischen Chemnitz und Leipzig) zwei Triebwagen mit insgesamt 300 Sitzplätzen verkehren sollen, werden wohl dreiteilige Züge angeschafft. Und wenn diese ähnlich wie die Züge des EMS ausgestattet sind, hat jeder Zug wieder nur eine Toilette oder dann zwei bei Doppeltraktion. Das selbe Problem wie mit den 612ern der Deutschen Bahn, weswegen der VMS die derzeitigen Züge gelobt hat, dass diese mit genügend Toiletten ausgestattet sind.
    Aber ich finde es auch wichtig und richtig etwas neues auzuprobieren und nicht immer andereren Regionen hinterherzuhängen. Nörgeln kann jeder und Besserwissen auch, aber Fortschritt funktioniert nur mit etwas Mut und Risiko. Und der Schaden wäre überschaubar, da die Züge ja auch ohne Batterein genutzt werden können, auch wenn erst dann auf der Strecke nach Leipzig, wenn die Oberleitung steht.

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    Zeitungss
    29.09.2019

    @HHCL: Ich kann und werde Ihnen in diesem Punkt nicht widersprechen. Die Experten des VMS haben es so bestellt, wer dort sitzt und das SAGEN hat, müssen wir hier nicht weiter beleuchten. Eine neue Bestellung, ohne jede Erprobung der Fahrzeuge ( es gibt nicht einmal ein Baumuster), in dieser Größenordnung zu bestellen, zeigt die hochkarätige Besetzung.
    Dringender in Sachsen wäre, die 5 Vereine abzuschaffen und einen ordentlichen ÖPNV in Sachsen wieder herzustellen und nicht weitere Fürstentümer mit ihren Eigenheiten aufzubauen. Das jetzige Chaos bestand weder zu Reichs- noch Bundesbahnzeiten.
    Noch ein kleiner Nachschlag: Wenn die MRB nicht in der Lage ist, den Betrieb sicherzustellen, sollte man den Vertrag beenden, auch wenn damals Dampfbetrieb mit dem ADLER abgeschlossen wurde. Aus Kostengründen wurde damals die MRB (Transdev Frankreich) ins Boot geholt und heute möchte man für 50 Mio Euro und mehr neue Fahrzeuge sponsern ? ? ? Sie dürfen es dem Steuerzahler erklären, es werden sogar welche verstehen.

  • 1
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    HHCL
    29.09.2019

    Warum sollte die MRB denn? Der VMS hat diesen Nostalgiezug bestellt und die MRB liefert ihn. Dass die MRB auch anderes liefert - wenn es bestellt wird - zeigt die Strecke Dresden - Chemnitz - Zwickau - Hof.

    Warum sollte die MRB also investieren, wenn der geschlossene Vertrag das gar nicht hergibt? Genau genommen wäre es wahrscheinlich sogar Vertragsbruch, wenn sie dort auf einmal solche Züge einsetzen würde, denn bestellt sind Dieselloks mit DDR-Waggons.

    Man kann der MRB lediglich ankreiden, dass sie es nicht schafft die Züge regelmäßig fahren zu lassen; aber eben die bestellten und die sind bestenfalls Baujahr 1990 und Diesel betrieben.

  • 2
    2
    Zeitungss
    28.09.2019

    @HHCL: Alle EVU kaufen heute mit kleinen Abweichungen von der "Stange", für jedes Bähnchen Entwicklungen zu betreiben, wäre nicht finanzierbar. Alstom kündigt hier eine Neuentwicklung an, welche den Praxistest noch nicht erbracht hat und der VMS stürzt sich mit geborgter Kohle drauf und kennt den Ausgang nicht. Die Frage wäre noch, warum der VMS und nicht die MRB ?
    Die Messe mit dem ÖPNV in Sachsen dürfte gelesen, denn 5 Verbünde dürften noch zu wenig sein. Der Vorstoß eines Herrn Dulig (SPD) ist eingeschlafen, was ihm die 5 Vorstände in aller Deutlichkeit klargemacht haben und der Bahnnutzer ist äußerst zufrieden mit dem derzeitigen Zustand. Wenn heute der Kunde teilweise an den Landes- und Verbundgrenzen umsteigen muss, ist ein Erfolg der Regionalisierung, treibt aber manchen Bürger wieder in den PKW. Die Verursacher bekommen es eh nicht mit, sie sitzen ja in der Dienstkarosse.

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    HHCL
    28.09.2019

    "Seit jeher war es üblich, neue Fahrzeuge der Nullserie ausführlich auf seine Brauchbarkeit zu testen und anschließend begann die Serienproduktion."

    Wobei es damals eben nur eine Deutsche Bundesbahn (bzw. Reichsbahn) gab, die dann eine Serie in großen Mengen kaufte. Heute kommt jeder Verkehrsbetrieb oder Verkehrsverbund mit Sonderwünschen oder Minibestellungen angewackelt. Dass sich die Industrie nicht für jede Bestellung a vier Fahrzeuge eine Nullserie leistet, kann ich nachvollziehen.

    Ich gebe Ihnen allerdings Recht, die Zeche bezahlen dann natürlich wieder die Fahrgäste. Ich habe aber auch noch nirgends Demos gegen diese widersinnige Zersplitterung des ÖPNV gesehen. Auch der SPD-Vorschlag zur Abschaffung der Verkehrsverbünde war nur ein Sturm im Wasserglas.

    "Bei Wendezeiten in den Endbahnhöfen von ca. 15 Min ..."

    Wenn der Fahrplan so bleibt, hätte man in Leipzig immer fast eine Stunde Zeit zum aufladen. Die Zeiten, in denen es in 50 Minuten hin und 10 Minuten später mit dem selben Zug zurück ging, sind schon viele Jahre wieder vorbei.

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    Zeitungss
    28.09.2019

    Steht das Baumusterfahrzeug von Alstom schon für Testfahrten unter Realbedingungen bereit ? NEIN! Die Spezis kaufen die Katze im Sack, wie heute üblich. Seit jeher war es üblich, neue Fahrzeuge der Nullserie ausführlich auf seine Brauchbarkeit zu testen und anschließend begann die Serienproduktion.
    Wer die Verbrauchswerte elektr. Schienenfahrzeuge im höheren Geschwindigkeitsbereich (reine Traktionsleistung) kennt, man möchte ja auch 160 km/h fahren, macht sich seine Gedanken. Hilfsbetriebe sind, wie Heizung die ganze Steuerelektronik, Zugbeeinflussung und dgl, spielen demnach keine Rolle. Bei Wendezeiten in den Endbahnhöfen von ca. 15 Min die Vorräte ergänzen für erneut 60km Fahrt, warten wir die Praxis ab. Bei Verspätungen wird es noch interessanter.
    Man kann nur hoffen, dass man beim ZVNL die Sache etwas nüchterner betrachtet und die Versuche nicht wieder am Fahrgast ausprobiert werden.

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    hkremss
    28.09.2019

    Endlich mal ein Schritt vorwärts! Die Elektrifizierung wird noch mindestens 10 Jahre, wahrscheinlich noch viel länger dauern. Alle schieben sich seit Jahren die Verantwortung gegenseitig zu, niemand tut etwas. Die Entscheidung des VMS ist deshalb richtig. Über die Technologie kann man streiten, aber (weiterhin) nichts tun ist auch keine Lösung. Die aktuellen Diesellokomotiven sind schließlich auch ständig kaputt oder zur Inspektion. Schlimmer kann es nicht werden.

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    2PLUTO6
    28.09.2019

    Alles Scheinpopulismus! Man tut so als unternehme man was! Es kommt nur nichts Gescheites dabei raus!

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    franzudo2013
    28.09.2019

    Wenn es um die Elektrifizierung einer vorhandenen Strecke geht, wozu braucht man da ein Planfeststellungsverfahren? Wen fragen Sie, wenn Sie einen Spoiler an ihr Auto bauen? Welchem Anlieger entsteht ein Schaden, wenn der Zug elektrisch fährt?
    Es ist einfach Unvermögen und hat mit China wirklich nichts zu tun.

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    Lesemuffel
    27.09.2019

    Nun pixelgeist, wollen Sie mit der Beschreibung der pol. Situation in China unsere technologische Stagnation entschuldigen? Für vernünftig denkende Menschen ist das Vorhaben BER ein Skandal, von der auf Jahre verschobenen Modernisierung der Bahnlinie Ch. - L. ganz zu schweigen. (Könnten Sie sich vorstellen, dass eine 1.2 Mrd. Nation von unseren führenden Politikern mit deren Fähigkeiten regiert werden könnte.? )

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    HHCL
    27.09.2019

    @Pixelghost: Man muss China aber mit uns vergleichen, da beide Länder teil der gleichen Weltwirtschaft sind. Ständig so zu tun, als könnten wir hier unser eigenes Süppchen kochen, ist realitätsfern. Wenn es so weiter läuft, macht hier demnächst der Chinese die Gesetze.

    Sicher erreicht China die Geschwindigkeit mit totalitären Mitteln, nur muss uns bewusst sein, dass wir uns derartige Schlamperei und Bauzeiten wie in Berlin, Stuttgart oder Hamburg (Elbphilharmonie) neben den Chinesen nicht erlauben können. Wir müssen es schaffen auch innerhalb des Rechtsstaates angemessene Bauzeiten zu verwirklichen. Wenn das mit den gegebenen Behördenstrukturen und Gesetzen nicht umsetzbar ist, muss man diese reformieren.

    Ich plädiere hier nicht für Enteignungen im Hauruckverfahren (obwohl sowas wenn es von den Grünen kommt schon eifrig praktiziert wird; oder was sind die Dieselautos noch wert?) aber für effiziente Abläufe und ordentliche Planung. Es ist nur mit Unfähigkeit, Bequemlichkeit und Desinteresse zu erklären, dass in Berlin nach wie vor kein Flugzeug vom BER startet.

    @Lesemuffel: Von welchen E-Autos reden sie? Vielleicht von deutschen? Mit einem Tesla kommen sie 400 km weit; im Winter vielleicht 350 km. Da sind sie mehrfach von Chemnitz nach Leipzig gefahren; mit Heizung. (Mal davon abgesehen, dass die im Nostalgiezug auch oft genug nicht läuft.)

    Wenn man sich in zukunftsfeindlicher Polemik ergeht, braucht man dann auch nicht nach China gucken und motzen, dass die schneller sind als wir. Genau solche Einstellungen, wie Sie sie hier äußern, sind ein Grund dafür. Das Problem in Deutschland ist diese satte Bequemlichkeit. Um sich zu entwickeln muss man auch mal altes aufgeben; aber das ist in diesem Land völlig unmöglich. Bei vielen hier im Forum ist ja noch die seit 30 Jahren tote DDR der tägliche Begleiter und wichtiger als die Zukunft.

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    Einspruch
    27.09.2019

    Statt zukunftsorientierte Lösung sollte es Bankrotterklärung heißen. Die Elektrifizierung ist also zeitnah nicht zu erwarten, die Batterien werden wahrscheinlich vor dem Ende ihrer Lebensdauer nutzlos, sind aber mit enormen Aufwand hergestellt und eingesetzt worden.

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    Pixelghost
    27.09.2019

    @Lesemuffel, haben schon mal was von Bürgerinitiativen gegen vom chinesischen Staat geplante Bauwerke gelesen?

    Allein das Planfeststellungsverfahren und die Auseinandersetzung mit den Anwohnern in den umliegenden Gemeinden - und ich stamme genau aus einer dieser und war dort zu dieser Zeit und auch später noch immer mal im Urlaub - hat geschlagene 6 Jahre gedauert.
    Noch heute hängen da Transparente gegen den Fluglärm und eine Überflughöhe von 1800 Meter.

    In China gäbe es die Gemeinden nicht mehr. Also vergleichen Sie bitte eine totalitären Staat nicht mit dem unseren.

    Die technischen „Feinheiten“ dieses Bauwerkes kann ich nicht nachvollziehen. Dafür bin ich weder darin eingeweiht und auch schon viel zu lange kein Handwerker mehr.

  • 29
    7
    Lesemuffel
    27.09.2019

    Wenn das wie beim E-Auto ist, muss die Heizung bei tiefen Temperaturen ausgeschaltet werden, damit in Geithain der Akku nicht leer ist. Die Elektrifizierung der Strecke "dauere noch Jahre". Was ist aus dem Technologieland D. nur geworden? Das ist kein Vorbild mehr. Großprojekte (BER, Stuttgart 21) und 40km Eisenbahnelektrifizierung, zweigleisig Ausbau gelingen nicht. In China wurde gerade der weltgrößte Flughafen nach 4(vier) Jahren Bauzeit eingeweiht. Quo vadis, Germania?

  • 13
    2
    CPärchen
    27.09.2019

    Also übernimmt der VMS jetzt den Auftrag der MRB?
    Definitiv die richtige Entscheidung! Die 50Mio.€ sind gut angelegt.



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