Brennende Baukräne in Leipzig alarmieren die Politik

Ein Bekennerschreiben fehlt nach dem jüngsten Anschlag. Der Verdacht auf einen politischen Hintergrund liegt nahe.

Leipzig/Dresden.

Auch am Tag nach dem Brandanschlag wird gerätselt. Lediglich die Fakten sind klar: Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag auf einer Baustelle auf das ehemalige Technische Rathaus in Leipzig einen Brandanschlag verübt. Zwei Baukräne brannten, es kam zu Verpuffungen und Explosionen. Rund 40 Anwohner wurden evakuiert, weil die Kräne umzustürzen drohten. Der Staatsschutz und das Polizeiliche Terrorabwehrzentrum ermitteln. Sie stellen sich die Frage: Wer steckt hinter dieser Attacke?

Ein Bekennerschreiben gibt es bis jetzt nicht. Der Verdacht, dass diese Tat einen politischen Hintergrund haben könnte, liegt aber nahe. Leipzig gilt nicht nur in Sicherheitskreisen als linksextreme Hochburg im Freistaat. Immer wieder kommt es hier zu Attacken auf Symbole des Staates oder des vermeintlich wild wuchernden Kapitalismus. In der Silvesternacht wurde beispielsweise die Außenstelle des Bundesgerichtshofs angegriffen. Im April zerstörten Unbekannte Dutzende Scheiben des Westwerks im Stadtteil Plagwitz und ließen eine übelriechende Substanz zurück - die Attacke richtete sich gegen eine Filiale der Konsumgenossenschaft, die dort kurz vorher eröffnet worden war. Nun traf es die Immobilienentwickler der CG-Gruppe, die auf dem Gelände knapp 300 Wohnungen entstehen lassen wollen.

Die Verantwortlichen des Konzerns äußern sich sehr zurückhaltend. "Wir warten das Ergebnis der Ermittlungen ab", sagt Vorstandschef Christoph Gröner. Kein zusätzlicher Satz wird kommuniziert. Schon früher ist die Gruppe ins Visier von Extremisten geraten. Auf der Internetplattform Indymedia, mit deren Hilfe sich die linksextreme Szene gerne austauscht, wird Gröner zum "Neureichen, der gerne mit seinem Reichtum provoziert" erklärt. Die CG-Gruppe nennt man dort einen "systematischen Zerstörer bezahlbaren Wohnraums". Und nachdem ein anderes Objekt des Immobilienunternehmens in Leipzig im Sommer 2016 mit Farbbeuteln beworfen wurde, rühmten sich Unbekannte: "Die CG-Gruppe ist an vielen Orten, wir sind überall."

Die Politik ist alarmiert. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) spricht von einem "Terroranschlag", Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) nennt solche Taten "absolut unverantwortlich und abstoßend". Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) äußert sich drastisch. Er sieht eine "neue Dimension der Gewalt" erreicht: "Ich bin entsetzt, mit welcher kriminellen Energie die Täter den Anschlag geplant und durchgeführt haben", sagt er. "Dabei wurde nicht nur bewusst ein erheblicher Sachschaden in Millionenhöhe in Kauf genommen, sondern auch die Gesundheit und sogar das Leben von Menschen aufs Spiel gesetzt."

Nicht zuletzt die AfD schaltet sich in die Debatte ein: Sie kritisiert seit geraumer Zeit, dass die Landesregierung die Bedrohung durch den Linksextremismus nicht ernst genug nehme. Der Leipziger Fall spielt ihr in die Hände: "Muss es erst Tote geben, damit die CDU-Regierung aufwacht?", fragt der Landtagsabgeordnete Carsten Hütter.

So groß aber die Empörung ist - die Hoffnung, dass die Hintergründe der Tat aufgeklärt werden können, ist gering. Ein Blick in den Verfassungsschutzbericht genügt, um zu diesem Urteil zu kommen: "Die Anwendung von Gewalt erfolgt zunehmend aus der Anonymität heraus", heißt es da mit Blick auf die Leipziger linksautonome Szene. "Taktisch setzten die Akteure auf ein Überraschungsmoment, um das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung zu minimieren."

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    4
    gelöschter Nutzer
    11.10.2019

    Man kann nur von Glück reden das niemand zu schaden gekommen ist. Wie lange will man noch zuschauen?

  • 10
    3
    1371270
    05.10.2019

    Beschränken sich denn die Aktivitäten des Verfassungsschutzes darauf, nur Berichte zu schreiben? Es sollte doch eigentlich ein Leichtes sein, auch in der linken Terrorszene ein paar V-Leute zu installieren. Vor Jahren gab es ja in der NPD, als es um deren Verbot ging, eine Menge von V-Leuten, woran letztlich das Verbot scheiterte.
    Hat sich übrigens Herr Seibert schon zu diesem Anschlag geäußert?

  • 8
    6
    Malleo
    05.10.2019

    Eine abgesägte Eiche in Zwickau und abgefackelte Baukräne in Leipzig.
    Man sorgt halt für Ausglich!

  • 3
    12
    FromtheWastelands
    05.10.2019

    Interessant wie ausgerechnet die Politiker, denen normalerweise die Zunge abgefault scheint, wenn es um die Verurteilung von Brandanschlägen, Gewalttaten oder intolerablem Protest- und Demonstrationsverhalten geht, zumindest wenn es von rechts kommt, sich hier in Terrorgeschrei ergehen.
    Man könnte natürlich auch die Ermittlungsergebnisse abwarten, aber warum sollte man das wenn man stattdessen lauthals gegen den gemeinsamen Feind anplärren kann.

  • 12
    2
    BlackSheep
    05.10.2019

    Na vielleicht müsste er nur mal mit ein paar Ökofreaks reden...

  • 18
    5
    franzudo2013
    04.10.2019

    Da koennten Herr Kasek und seine bald regierenden Freunde mal eine Demo organisieren, damit dem Terror entschieden entgegen getreten wird.



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