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"Der Herr Ministerpräsident sagt Dank": Kretschmer verteilt Meissener Porzellan

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Der Ministerpräsident von Sachsen hat einige Ex-Landräte und andere Kommunalpolitiker mit einer völlig neuen Auszeichnung geehrt. Doch was genau war dafür der Anlass?

Leipzig.

Mit Reimen geht manches besser. "Der Herr Ministerpräsident sagt Dank - und schenkt Euch was für den Wohnzimmerschrank", dichtete die Leipziger Schauspielerin Susanne Bolf, als der offizielle Teil nach einer Stunde vorbei war. Und weiter: "Nun feiert, seid fröhlich und genießt die Musik. Es lebe die sächsische Kommunalpolitik."

Zuvor hatten 6 Ex-Landräte und weitere 27 langjährige Kommunalpolitiker aus den Händen von Michael Kretschmer (CDU) Meissener Porzellan erhalten: der durch seine Bernsteinzimmer-Suche bekannt gewordene Olbernhauer Ex-Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) war genauso dabei wie Linke-Stadtrat Lothar Seifert aus Berggießhübel oder der 31-Jahre-Landrat Christoph Scheurer aus Zwickau - genauso wie sein Vogtland-Ex-Amtskollege Tassilo Lenk (beide CDU). "Lass uns einen Raum schaffen, Danke zu sagen", sagt Kretschmer zur Idee hinter der neuen Auszeichnung für diejenigen, die Sachsen auf kommunaler Ebene mit aufgebaut hätten.

Die Staatskanzlei hatte den Gemeindetag genauso um Vorschläge gebeten wie die Landkreise. Wie lange jemand im Amt war, sei nicht ausschlaggebend, sagt Kretschmer. "Wir wissen, die 1990er-Jahre waren zum Teil extrem schwierig." Er holt noch etwas weiter aus: "Nicht alles, was in der Politik passiert, ist gerecht und fair." Die einen seien nicht wiedergewählt worden, obwohl sie unentwegt gearbeitet hätten. Bei den anderen habe eine Gebietsreform den "positiven Lauf" gestoppt. Doch gerade die Bürgermeister und Landräte, die am Anfang dabei gewesen seien, hätten einen "ganz maßgeblichen Einfluss" darauf gehabt, wie sich die Dinge entwickelt haben.

Laut Staatskanzlei sollte die Ehrung im Jahr der Landrats- und Bürgermeisterwahlen stattfinden. Der Gemeindetag lässt mitteilen, dass er schon vor zwei Jahren um Vorschläge gebeten wurde, in die endgültige Auswahl aber nicht einbezogen war. Manche dürften für ihr Engagement bereits mit Verfassungsmedaille oder Verdienstorden geehrt worden sein. Dass es sich bei der Schale um eine "Vide-Poche" (französisch für "leere Tasche") handelt, war Kretschmer neu. Von seinem Amtsvorgänger Stanislaw Tillich (CDU) habe er in der Staatskanzlei 2017 ein ähnliches Exemplar geerbt - das er so lange mit "Gummitierchen und ähnlichem zweckentfremdet" habe, bis ihn eine Sekretärin auf den Wert aufmerksam machte und das Schälchen zurück nach Meißen ging.

Im Internet werden Vide-Poches für 75 Euro angeboten, doch dürfte der ideelle Wert für die Geehrten sowieso wichtiger sein. Ihre Stücke sind mit der Inschrift "Kommunalpolitiker der erste Stunde des Freistaates Sachsen" versehen - nur bei zwei Schalen war das anders: Für Ex-Bürgermeisterin Ilona Groß aus Triebel (Vogtland) - die im Juli nach 41 Amtsjahren in den Ruhestand ging - und für ihre Ex--Kollegin Katrin Bödemann aus Wiedemar (Nordsachsen) gab es welche mit der Inschrift "Kommunalpolitikerin".

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