Erneute Probleme mit Lernplattform "LernSax" Folge eines Hackerangriffs

Die Verfügbarkeit des Online-Portals war bereits zum Start der "häuslichen Lernzeit" am Montag beeinträchtigt gewesen.

Dresden.

Am Dienstag hat es zeitweise erneut Probleme mit der sächsischen Schul- und Lernplattform "LernSax" gegeben. Das sächsische Kultusministerium teilte am Dienstagvormittag zunächst in den sozialen Netzwerken mit, dass "LernSax" derzeit nur eingeschränkt verfügbar sei. Man arbeite "fieberhaft" an einer Lösung und informiere schnellstmöglich, hieß es in einem Tweet.

Der offensichtlich kurzfristig eingerichtete Twitter-Account der Lernplattform "LernSax", auf den das Kultusministerium in einem Tweet verwies, meldete gegen 11 Uhr, dass die Seite bei vielen Nutzern wieder ordnungsgemäß funktioniere. Man hoffe, dass die Probleme bereinigt seien. Am Nachmittag teilte das Kultusministerium den Grund für die Probleme mit. Demnach musste das betroffene Rechenzentrum in Karlsruhe infolge eines Cyberangriffs am Montag nun im laufenden Betrieb technische Umstellungen vornehmen, um die Folgen der Hackerattacke abzufedern und die Sicherheit zu erhöhen. 

Bereits am Montag, am ersten Tag der "häuslichen Lernzeit" im Rahmen der Schließung sächsischer Schulen, war die Arbeit mit der Lernplattform für mehrere Stunden beeinträchtigt gewesen. Das Kultusministerium hatte daraufhin mitgeteilt, dass es einen "massiven DDOS-Angriff" auf eine andere Lernplattform gegeben habe, die im selben Rechenzentrum betriebe werde, die gleichen Leitungen nutze und die gleiche Basistechnologie aufweise. "Indirekt wird damit auch die Leistungsfähigkeit von "LernSax" in Mitleidenschaft gezogen", die "unzureichende Funktionsfähigkeit" von LernSax sei ein "Kollateralschaden des Hackerangriffs", hieß es auf Twitter.

In der vergangenen Nacht durchgeführte Systemveränderungen hätten leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht, eher die Verfügbarkeit noch weiter beeinträchtigt, so das Kultusministerium. Die Ursache des Systemverhaltens habe zunächst nicht identifiziert werden können. Infolgedessen konnte die sächsische Lernplattform erneut nicht aufgerufen werden. "Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, 'LernSax' wieder in voller Leistungsfähigkeit zur Verfügung zu stellen", hieß es aus dem Kultusministerium. "Um zukünftig derartige Probleme abzustellen, wird für das Rechenzentrum ein zusätzliches Schutzsystem aufgebaut", sagte der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (CDU). (dha/tz)

 

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88 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    2
    BuboBubo
    15.12.2020

    @Fresto: LernSax ist eine Instanz von WebWeaver School, die wiederum auf UCS und damit auf einem Open-Source-System (Debian) basiert. Das klingt kryptisch, bedeutet aber, dass das System nicht von einem IT-Giganten wie z. B. Microsoft oder Apple beherrscht wird, sondern von jedermann, der die entsprechenden Fachkenntnisse besitzt, angepasst, weiterentwickelt und auf Schwachstellen untersucht werden kann. Und Linux IST ein leistungsfähiges Betriebssystem. Ein weiterer Vorteil ist, dass alle Daten dem europäischen Datenschutz unterworfen sind.
    BaWü setzt z. B. mit seinem Bildungsportal auf Office 365 und liefert damit die Schülerdaten dem Zugriff der US-Administration aus.
    Die LernSax-Plattform ist aus dieser Sicht gar nicht so schlecht aufgestellt. Sie muss eben nur adäquat implementiert werden, was offenbar vernachlässigt wurde. Oder es war dem Staat zu teuer – was ihm nun teuer zu stehen kommt.

    Home-Schooling über WhatsApp oder Zoom ist natürlich unterirdisch.

  • 2
    1
    tbaukhage
    15.12.2020

    Nach dem gestrigen Interview beim Sachsenspiegel wird wohl auch dem Letzen klar geworden sein, dass unser Oberlehrer in DD - er ist übrigens Jurist und kein Lehrer - keinerlei Beratung braucht. --> https://www.ardmediathek.de/mdr/video/mdr-sachsenspiegel/corona-pandemie-schulen-in-sachsen-erneut-dicht/mdr-sachsen/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy82YTEwZTgyMi0xMWFhLTQ3MjMtOGNhMC1mNTk2MTQ1Yzk0YWY/

  • 11
    2
    Auriga
    15.12.2020

    Schuld sind wahrscheinlich 400.000 russische Trolle mit Decknamen wie "Laura" und "Lena" und die sich alle völlig überraschend vormittags zeitgleich einloggen wollten.

  • 10
    1
    Suppenfrosch
    15.12.2020

    Auch ohne Hackerangriff und bei nur punktuellen Schulschließungen war Lernsax in der vergangenen Woche schon streckenweise unbrauchbar. 1/2 Jahr reden alle von einer 2. Welle, die Probleme aus der 1. Schulschließung im Frühjahr waren bekannt. Ich frage mich wirklich ernsthaft was oder ob überhaupt etwas seitdem unternommen wurde um diese Plattform stabiler zu machen. *Kopfschüttel*

  • 5
    1
    Fresto
    15.12.2020

    Es ist typisch für die deutsche Denke, dass jedes Land da wieder seine eigene Plattform erfindet (wie viel kostet die Entwicklung?) und dann aber nicht mal eigene verteilte Server dafür hat. Darüber hinaus könnte man Fernunterricht auch über jede beliebige Videokonferenzplattform machen, der Lehrer setzt sich statt vor die Klasse vor den Laptop, und die Schüler auch.
    Bestimmt ist LernSax aber was ganz geniales. Bei unseren Kids sieht der digitale Unterricht jedenfalls ganz einfach aus: sie bekommen Hausaufgaben in einer Whats App Gruppe. Von Unterricht weit entfernt.

  • 5
    7
    typewriter
    15.12.2020

    Macht endlich die Schulen wieder auf

  • 9
    5
    Schnorchel508
    15.12.2020

    @BuBo beeindruckende Fachbegriffe. Ob diese einen Hintergrund haben, kann und will ich nicht beurteilen. Zur Beratung von Herrn Piwarz: nicht sinnvoll, da er definitiv beratungsresistent ist. Den Begriff "inkompetent" vermeide ich ....

  • 33
    3
    BuboBubo
    15.12.2020

    Neben LernSAX sind mindestens drei weitere Schulplattformen im Rechenzentrum der Bringe GmbH in Karlsruhe gehostet. Wir gut die Anbindung ist und wie performant die Server sind, kann man von außen nicht beurteilen. Offenbar ist die Infrastruktur den Anforderungen in Home-Schooling-Zeiten aber nicht gewachsen.
    Wenn ein ganzes Bundesland Sachsen seine digitalen Schulressourcen in die Cloud auslagert, hätte man spätestens im Frühjahr über die Schaffung einer verteilten Serverlandschaft in leistungsfähigen sächsischen Rechenzentren nachdenken sollen. Es ist gefährlich, sich bei solch existentiell wichtigen Angeboten ausschließlich auf einen Single Point of Failure zu verlassen. Wer hat den Bildungsminister hierzu beraten?