Erzgebirge nun offiziell Welterbe, Vermarktung nimmt Formen an

Mit der feierlichen Übergabe der Urkunde der Unesco ist das Bergbau-Erbe der Region jetzt als bedeutsam für die gesamte Menschheit eingestuft.

Freiberg.

Das Erzgebirge ist nun offiziell Welterbe der Menschheit. Bei einem Festakt mit Großem Sächsischen Bergmännischen Zapfenstreich am Samstagabend in Freiberg nahmen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Volker Uhlig vom Welterbeverein der Montanregion Erzgebirge die Urkunde der Unesco aus den Händen von Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, entgegen.

Knapp 500 Bergmusiker und Bergknappen waren bei der stimmungsvollen Aufwartung auf dem Obermarkt angetreten. Zu den Ehrengästen der musikalisch-bergmännischen Zeremonie gehörten Tschechiens Außenminister Tomáš Petøíèek und Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission. "Heute wird Geschichte geschrieben", sagte Ministerpräsident Kretschmer. Und Uhlig, viele Jahre Landrat in Mittelsachsen, rief den tausenden Menschen im Publikum zu: "Ihr seid diejenigen, die diesen Titel errungen haben."

Am 6. Juli hatte das Welterbe-Komitee der Unesco in Baku (Aserbaidschan) der Aufnahme der sächsisch-böhmischen "Montanregion Erzgebirge/Krušnohoøí" zugestimmt. Damit stufte die Unesco das Bergbau-Erbe der Region mit 17 Bestandteilen auf deutscher sowie fünf auf tschechischer Seite als bedeutsam für die gesamte Menschheit ein.

Das Ringen um den Titel währte fast 20 Jahre. Die damit verbundenen Hoffnungen sind riesig. Sie reichen von einem Schub für den touristischen Sektor über ein besseres Image bis hin zur Stärkung von Zusammenhalt und Selbstbewusstsein in der Region. In dieser Hinsicht habe der Titel bereits viel angestoßen, sagt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge in Annaberg-Buchholz, wo die organisatorischen Fäden der Bewerbung zusammenliefen.

"Die Freude über den Welterbe-Titel hat mit Sicherheit die Identität der Erzgebirger unwahrscheinlich gestärkt", sagte Lißke der "Freien Presse": "Das Gemeinschaftsgefühl ist gewachsen und natürlich auch der Stolz auf die Region." Ebenso sei spürbar, dass die Bekanntheit der Region zugenommen habe. "Das Erzgebirge besitzt Werte, die von der Unesco mit der Weltmarke ,Unesco Welterbe‘ versehen worden."

Diese Weltmarke gelte es nun zu nutzen. Dafür sind vier Besucherzentren vorgesehen, in Freiberg im Landkreis Mittelsachsen sowie in Marienberg, Schneeberg, und Annaberg-Buchholz im Erzgebirgskreis. Eine abschließende Entscheidung steht noch aus. Fertig ist dagegen laut Wirtschaftsförderung bereits eine App über die Montanregion, die Smartphone-Nutzer auf ihre Geräte laden können.

Bis Frühjahr wollen die Städte und Gemeinden die Beschilderung der Objekte vornehmen, so Lißke außerdem. Das Management der Montanregion übernimmt künftig der Welterbeverein. Der will dafür neue Mitarbeiter einstellen. Der Freistaat hat für erste Welterbe-Vermarktungsideen für dieses und nächstes Jahr jeweils 250.000 Euro bereitgestellt. Ministerpräsident Kretschmer sicherte auch darüber hinaus weitere Unterstützung des Freistaates zu.

Der Titel beinhalte neben seinen Chancen allerdings auch die Verpflichtung, das historische Vermächtnis zu bewahren, erinnerte Staatsministerin Michelle Müntefering: "Das Welterbe ist keine Auszeichnung, die man einfach wieder abgibt wie ein getragenes Sakko, das nicht mehr passt." Sie sei sich allerdings sicher, dass die Region diese Herausforderung meistere, sagte Müntefering.

 

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