Flüchtlingskinder ohne Eltern - Sachsen nimmt große Anzahl auf

In Deutschland kommen jährlich Tausende minderjährige Flüchtlinge an, die sich allein durchgeschlagen haben. Der Freistaat erwartet bis zu 1500.

Dresden. Der Freistaat bereitet sich für 2016 auf die Aufnahme von 1200 bis 1500 minderjährigen Flüchtlingen vor. Das geht aus Planungen im Sozialministerium hervor. Für Sachsen bedeutet das einen sprunghaften Anstieg bei dieser als besonders fürsorgebedürftig geltenden Gruppe von Flüchtlingen, die allein Europa erreicht haben. Bisher leben im Freistaat nur etwa 250 solcher Jungflüchtlinge. In Deutschland gab es Ende 2014 etwa 18.000. Ende dieses Jahres werden es Schätzungen zufolge weit über 20.000 sein.

Bayern beherbergt und versorgt inzwischen über 5000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, etwa 3000 leben allein in München. Grund für diese Diskrepanz ist deutsches Jugendhilferecht. Danach müssen Minderjährige in den Regionen von den Jugendämtern betreut werden, wo sie aufgegriffen wurden. So haben sich neben Bayern die Länder Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg zu besonderen Brennpunkten entwickelt. Dort enden wichtige Verkehrswege, gibt es Flug- und Seehäfen. Seit September schlagen diese Länder Alarm, weil sie kaum noch Betreuungsstandards aufrechterhalten können.

Nun sollen die minderjährigen Ankömmlinge deutschlandweit nach einem bestimmten Schlüssel auf alle Länder verteilt werden. Ein entsprechendes Gesetz bereitet die Berliner CDU/SPD-Koalition vor, das am 15. Juli bereits ins Kabinett kommt. Gleichzeitig sollen nach jetzigem Stand der Verhandlungen die stark betroffenen Länder ruckartig entlastet werden. Sachsen wir, gemessen an seinem Einwohneranteil unter den Ländern, künftig etwa 700 Jungflüchtlinge im Jahr aufnehmen, im nächsten Jahr wäre es wahrscheinlich einmalig aber die doppelte Anzahl: bis zu 1500. Das Plus kommt absehbar aus Bayern. Ihre Betreuung liegt bei den Landkreisen und kreisfreien Städten. Von dort gibt es Kritik, weil viele Fragen wie die Finanzierung nicht geklärt seien.

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) sieht eine "enorme Herausforderung". Neben der Unterbringung gehe es um den Besuch von Schulen sowie die Organisation einer sozialen und psychologischen Betreuung. "Es handelt sich um Kinder, die zum Teil stark traumatisiert sein können", sagte Klepsch. "Wir sollten sie mit offenem Herzen empfangen." Gleichzeitig tritt sie beim Bund auf die Bremse. Sachsen müsse noch entsprechende Strukturen schaffen.

Verbände und Opposition beklagen Zögerlichkeit des Freistaats

Kritik gibt es auch von Trägern der freien Jugendhilfe und der parlamentarischen Opposition in Sachsen. "Wir brauchen schnellstmöglich den Startschuss, um Vorbereitungen treffen zu können", sagte Hartmut Mann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Es seien zahlreiche bauliche Fragen zu klären. "Aber der Freistaat hat keinen Plan", sagte er. Die Linken-Abgeordnete Annekatrin Klepsch fordert eine personelle Aufstockung im Landesjugendamt und eine finanzielle Entlastung der Kommunen.

Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling gilt, wer sich allein und ohne Kontakt zur Familie nach Deutschland durchgeschlagen hat. Diese Gruppe ist zu 90 Prozent männlich und überwiegend zwischen 15 und 17 Jahren alt. Nach einer Studie kamen 2013 etwa 6600 Kinder bis zum 18. Lebensjahr allein.

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7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    aussaugerges
    23.07.2015

    Alles selbst geschaffen,mit immer neueren und schönen Waffen.
    Und ganz ohne Not.(Lesermeinung)
    Es ist alles so schön bunt und blutig geworden. (Furchtbar ist das alles)


    Der Gadaffi hat es klar gesagt wenn ihr mich tötet habt ihr Millionen Flüchtlinge.
    Will aber heute gar keiner in der EU mehr Wissen.

  • 5
    1
    voigtsberger
    03.07.2015

    Kommentare alle richtig, nur leider lesen die Verantwortlichen diese nicht und sind so borniert, dass
    sie auch beim lesen keine Einsicht noch Verständnis hätten und dass kann nur eine grundlegende Veränderung unserer politischen Landschaft erzielen!

  • 5
    2
    Interessierte
    03.07.2015

    Sachsen wir, gemessen an seinem "Einwohneranteil" unter den Ländern, künftig etwa 700 Jungflüchtlinge im Jahr aufnehmen, im nächsten Jahr wäre es wahrscheinlich einmalig aber die doppelte Anzahl: bis zu 1500

    ( Sachsen hat doch nur noch Rentner ...
    ( zählen denn Rentner auch in dieser Richtung ?
    Und wen ich @Gebirger: lese ...
    Wie wehren sich denn Rentner gegen diese Übergriffe ?

    "Von Bayern gibt es Kritik, weil viele Fragen wie die ´Finanzierung` nicht geklärt seien."
    ( das würde mich auch einmal interessieren ...
    ( Chemnitz verfällt überall ...
    ( bevor der "Westen" in Chemnitz Einzug halten kann , werden wir mit Geldnot überrollt ...

    >
    Klepsch. "Wir sollten sie mit offenem Herzen empfangen."
    ( es gibt so viele ´Straßenkinder in Sachsen` ,
    ( was wird denn mit diesen traumatisierten Kindern , finden sich dafür auch ´offene` Herzen ???

  • 8
    1
    Interessierte
    03.07.2015

    Über den Verteilungsschlüssel mache ich mir auch schon lange Gedanken ...

    Bei den Gehältern wird weniger als im Westen bezahlt
    Bei den Renten wird weniger als im Westen bezahlt
    Beim H4 wird ein Facharbeiter Ost wie ein Ungelernter West bezahlt

    Die Jugendlichen werden in den Westen geholt und mehr bezahlt
    Umgedreht ist das nicht der Fall , weil man weniger bezahlt
    Die Unternehmer kommen aus dem Westen
    Von uns gehen keine Unternehmer in den Westen

    Aber : beim "Flüchtlingsschlüssel" werden wir gleichwertig bedacht !
    Noch schlimmer : der Osten wird mit Flüchtlingen ´doppelt` bedacht !
    Besonders der Osten braucht Zuwanderer , weil alle sind fortgemacht !

  • 8
    0
    gelöschter Nutzer
    03.07.2015

    In Hamburg hat man schon Erfahrung mit minderjährigen Flüchtlingen gemacht. Die Welt schrieb dazu am 30.11.2014
    "Polizei kapituliert vor kriminellen Flüchtlingskindern"

    "Rund ein Viertel der 115 bekannten schwerkriminellen jugendlichen Intensivtäter in Hamburg sind unbegleitete junge Flüchtlinge. Ein LKA-Dossier zeigt die Hilflosigkeit der Ordnungshüter."
    Aber wir Sachsen können das bestimmt besser, bei der Personaldecke der Polizei und der Ämter!

  • 2
    0
    freeze
    03.07.2015

    @ Interessierte: Die Anzahl der Flüchtlinge lässt sich anhand der Konfliktlagen und den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen grob prognostizieren (abzüglich Derer, die voraussichtlich im Mittelmeer ertrinken). Anhaltspunkte bieten auch die Anzahl der Flüchtlinge der vergangenen Jahre. Die Verteilung innerhalb Deutschlands folgt dann dem Verteilungsschlüssel auf die Bundesländer.

  • 7
    0
    Interessierte
    03.07.2015

    Der Freistaat bereitet sich für 2016 auf die Aufnahme von 1200 bis 1500 minderjährigen Flüchtlingen vor. Das geht aus Planungen im Sozialministerium hervor ..
    ( haben die die ´eingeladen `?????????????????



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