Landesbischof Carsten Rentzing kündigt seinen Rücktritt an

Carsten Rentzing wurde als Student Mitglied einer Landsmannschaft. Noch vor Wochen sprach er von einer Jugendsünde, ohne jedoch die Mitgliedschaft aufzukündigen. Nun wurde der Druck zu groß.

Dresden.

Nach anhaltender Kritik an seiner Person wird der sächsische evangelische Landesbischof Carsten Rentzing sein Amt niederlegen. Das teilte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens am Freitag in Dresden mit. "Um Schaden von meiner Kirche abzuwenden, habe ich mich entschieden, mein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen", schrieb Rentzing in einer Pressemitteilung. Der 52-jährige gebürtige Westberliner steht seit 2015 an der Spitze der sächsischen Landeskirche.

Anfang September wurde bekannt, dass Rentzing seit seiner Studienzeit in Frankfurt am Main Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia ist und damit dem Coburger Convent angehört - einem Kooperationsverband von Burschenschaften, die als rechtskonservativ gelten. Rentzing erklärte daraufhin, seit seiner Entscheidung für den Pfarrberuf vor etwa 25 Jahren sei er nicht mehr aktiv in dieser Verbindung. Zugleich räumte er aber ein, er sei immer noch Mitglied. Er stehe dazu, "dass es ein Abschnitt in meinem Leben war, den ich nicht verleugnen kann und will". Zudem bestünden aus dieser Zeit wichtige Freundschaften "zu ganz verschiedenen Menschen mit unterschiedlichsten politischen Überzeugungen und unterschiedlichen Glaubens".

Nach Bekanntwerden der Mitgliedschaft Rentzings in der schlagenden Landsmannschaft hatten Christen eine Online-Petition gestartet und eine Distanzierung gefordert. Die Petition haben bisher mehr als 800 Menschen unterschrieben, unter anderem Andreas Dohrn, Pfarrer der Peterskirche in Leipzig. In der Petition hieß es: "Wir erwarten eine Erklärung, warum Sie als Repräsentant der Landeskirche nach wie vor Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia sind." Zudem erwarte man von Rentzing "eine öffentliche und deutliche Distanzierung von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien".

Rentzing, der sich selbst als "konservativer Lutheraner" bezeichnet, lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab. Neben seiner Mitgliedschaft in der Landsmannschaft war bekanntgeworden, dass er 2013 einen Vortrag in der Berliner "Bibliothek des Konservatismus" gehalten hatte. Diese wird dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet.

"Ich bin angetreten mit dem Wunsch, die verschiedenen Positionen innerhalb der Landeskirche wieder einander näher zu bringen", hieß es in der am Freitag veröffentlichten Erklärung des Bischofs: "Mein oberstes Ziel war und ist die Einheit der Kirche." Er müsse allerdings "mit großem Bedauern feststellen", dass die aktuelle Diskussion um seine Person diesem Ziel schade. Dies sei nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für die gesamte Kirche derzeit eine Belastung, erklärte Rentzing.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Distelblüte
    12.10.2019

    @Juri: Rentzing wurde 2015 nach 6(!) Wahlgängen mit nur einer Stimme Mehrheit gewählt. Er war also schon damals umstritten. Die redaktionelle Mitarbeit an der rechtsnationalen Zeitschrift war sicher nicht bekannt.
    Und wenn ein Bischof erstmal gewählt ist, bleibt er im Amt. Etliche Pfarrer, die ich kenne, haben an dieser Kirchenführung gelitten.
    Zudem wird, wie hier regelmäßig im Forum nicht zwischen konservativ und rechtsaußen unterschieden. Das wird noch zu tun sein. Mal sehen, was unser konservativer Pfarrer morgen sagt. Oder nicht.

  • 2
    3
    Juri
    12.10.2019

    Danke Distelblüte für die "Erhellung". Nachdem ich das gelesen habe, stimme ich Ihrem letzten Satz: "Das ist keine Lappalie mehr", zu.
    Nein das ist keine Lappalie und auch nicht nur eine Jugendsünde.
    Die Frage sei erlaubt: Und das hat, in einer Zeit wie heute, die sächsische Landeskirche vorher nicht geprüft, nicht gewusst, nicht wissen wollen?
    Das wirft nicht nur einen naiven Blick auf alle ehrlichen Christen die ihr angehören, das ist beschämend, unlauter, das ist mehr, das ist regelrecht dämlich.

  • 3
    1
    franzudo2013
    12.10.2019

    Die Kirche ist auch 1933 mit der Zeit gegangen. Bedford-Strohm steht dem nicht nach. Ihm ist Politik wichtiger als Kirche und Glauben.
    Der Ruecktritt des Bischofs ist zu billig. Wo bleibt ein Austausch der Argumente? Wo bleiben Toleranz, Begegnung und Vergebung? So etwas funktioniert nur in einer Gemeinschaft. Da das Niederschreien einer persönlichen Meinung erfolgreich war, scheint es um die Gemeinschaft der Protestanten in Sachsen schlecht bestellt.

  • 2
    6
    872889
    12.10.2019

    Wenn nicht die Kirche, wer dann? Die Kirchen haben einen enorme gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung. Und wenn sich die Gesellschaft verändert, sollte die evangelische Kirche in Sachsen auch etwas mehr mit der Zeit gehen. Aber lieber dümpelt diese in teilweise fragwürdigen Kreisen mit zum Teil fast schon mittelalterlichen Einstellungen dahin. Wen wundert es da noch, das ihr immer weniger Schäfchen folgen und die Kirche immer mehr an Bedeutung verliert.

  • 2
    6
    Distelblüte
    12.10.2019

    @Juri: Sie haben Ihre Kritik am Bischof sehr nett formuliert. das ist okay. Und ginge es nur um die in der Petition angesprochenen Sachverhalte, so hätten ein paar klare Worte der Distanzierung und Ehrlichkeit vieles in positiver Richtung bewegt.
    Jetzt jedoch wurden auf Tagesschau.de neue Fakten öffentlich gemacht, übrigens ohne Zutun der Petitionssteller, angesichts derer die bisherigen Kritikpunkte ein leichtes Vorgeplänkel sind.
    Ich empfehle, den verlinkten Text zu lesen: https://www.tagesschau.de/investigativ/bischof-rentzing-101.html
    Das ist keine Lappalie mehr.

  • 2
    8
    Juri
    12.10.2019

    Es steht uns allen nicht zu über Herrn Rentzing zu richten. Er ist auch als Bischof „nur“ Mensch. Ein Mensch mit Stärken, mit Fehlern und einer Vergangenheit.
    Jesus hat uns Christen aufgetragen, auch den mit Fehlern auszuhalten. Eben, weil wir alle welche haben. Auch ich und wenn ich die Kommentare hier lese, dann…???...- sind da offensichtlich zahlreiche Vollkommene dabei.
    Also ich finden die Entscheidung zum Rücktritt richtig. Herr Rentzing ist Mensch, Christ und damit wie wir alle Gottes Kind.
    Zur Führung und damit als Hirte und Vorbild tausender Christen, erscheint er mir mit seinen teilweise (für mich) schwierigen Einsichten, nicht unbedingt die erste Wahl.
    Vielleicht hat es Gott so gelenkt oder er hat das nach den zahlreichen Rippenstößen jetzt selber erkannt? Nach dieser Einsicht zu suchen, die Zeit dürfen wir uns mit etwas Gottvertrauen gern sparen.
    Lassen wir ihn doch ohne Häme und Bosheit, im Frieden aus dem Amt ziehen und haben wir jeden Tag immer auch unsere eigene „Fehlerlosigkeit“ im Blick.

  • 4
    4
    Urlaub2020
    12.10.2019

    Das die roten Daumen sich immer Angesprochen fühlen .

  • 4
    7
    Maresch
    12.10.2019

    @Urlaub2020. Das christliche Volk hat bisher 800 Unterschriften gegen den "Geistlichen" gesammelt. Vielleicht ist Ihnen das entgangen.

  • 10
    6
    Urlaub2020
    12.10.2019

    Der ohne Schuld der werfe den ersten Stein .Ihr seid ein trauriges Volk.

  • 2
    9
    Distelblüte
    12.10.2019

    @BlackSheep: Sie haben da was falsch verstanden: trotz aller Kritik an Herrn Rentzing haben er und ich und alle anderen Christen den größten gemeinsamen Nenner: den Glauben an Jesus Christus. Das verbindt uns über alle diskussionswürdigen Unterschiede hinweg. Um diesen Geist der Einheit bittet Jesus selbst im Johannesevangelium Kapitel 17, das das hohepriesterliche Gebet enthält:
    "Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre Worte von mir hören werden und an mich glauben.
    Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast."
    Quelle: https://www.bibleserver.com/text/HFA/Johannes17
    Das ist das Fundament der Kirche als Gemeinschaft von Glaubenden, die Unterschiede aushalten kann und keine Angst vor klaren Worten pflegt.

  • 2
    9
    Distelblüte
    11.10.2019

    "Anfang September hatte Rentzing selbst öffentlich gemacht, seit seiner Studienzeit in Frankfurt am Main Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia ist und damit dem Coburger Convent angehört - einem Kooperationsverband von Burschenschaften, die als rechtskonservativ gelten."
    Der Anfang des Satzes stimmt nicht. Die Mitgliedschaft Rentzings bei der Hercynia stand als unbestätigter Eintrag bei Wikipedia. Erst auf Nachfrage eines Journalisten der Sächsischen Zeitung bestätigte der Landesbischof diese Tatsache.

  • 9
    4
    BlackSheep
    11.10.2019

    @Distelblüte, Einheitsgeist ist näher am Untertan, als Menschen mit Ecken und Kanten.

  • 18
    10
    franzudo2013
    11.10.2019

    Es ist eine Tiefschlag für die Vielfalt , dass die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft ein Ruecktrittsgrund für einen Bischof ist. Soll die Geschichte der altehrwürdigen Universitäten um mehrere hundert Jahre umgeschrieben werden?
    George Orwell lässt grüßen.

  • 8
    14
    Hankman
    11.10.2019

    Gute Entscheidung, Respekt! Die Landeskirche braucht einen Mann (oder eine Frau) der Mitte. Der Bischof sollte weder zu konservativ noch zu progressiv sein. Er muss integrieren. Denn die Landeskirche ist sehr heterogen.

  • 9
    25
    Distelblüte
    11.10.2019

    Angesichts der politischen Entwicklungen der letzten Jahre habe ich immer wieder auf deutliche Worte des sächsischen Landesbischofs gewartet und gehofft. Sie kamen nicht. Im Gegensatz zu etlichen seiner Amtskollegen kamen von Herrn Rentzing Annäherungssignale nach rechtsaußen. Die vor kurzem öffentlich gemachte Mitgliedschaft in der Landsmannschaft Hercynia mit Pflichtmensuren (beschrieben in Heinrich Manns Roman "Der Untertan") sowie sein Vortrag in einem Thinktank der Neuen Rechten bieten eine Erklärung für seine Haltung. Distanziert hat er sich bis jetzt nicht. Das wäre noch notwendig.
    In Zeiten wie diesen braucht Kirche eher einen Don Camillo als den oben erwähnten Untertan, um literarische Vergleiche zu bemühen.

  • 5
    20
    Distelblüte
    11.10.2019

    Ein konsequenter Schritt, der Respekt verdient.



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