Maaßens Zweifel an Video aus Chemnitz wird zum Politikum

Migranten bestätigen den Angriff, der auf der bislang belastendsten Aufnahme zu sehen ist. Der Chef des Verfassungsschutzes hatte dagegen Zweifel geäußert.

Chemnitz/Dresden.

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen muss sich nach seinen Äußerungen zu den Ereignissen in Chemnitz Rücktrittsforderungen erwehren. Maaßen hatte in der "Bild"-Zeitung die Echtheit eines Videos in Zweifel gezogen. Es zeigt, wie am 26. August in Chemnitz aus einer Gruppe heraus Ausländern nachgestellt wird. "Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken", sagte Maaßen. Konkreter wurde er nicht.

Migranten, die auf dem bislang belastendsten Video der Ausschreitungen vom 26. August zu sehen sind, bestätigten dagegen am Freitag der "Freien Presse" den Angriff, den die Aufnahme dokumentiert. Auch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hält das Video für echt. "Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass das Video ein Fake sein könnte", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein "Zeit online". Es werde deswegen für die Ermittlungen genutzt. Er wisse nicht, aufgrund welcher Informationen Maaßen zu anderen Schlussfolgerungen gekommen sei.

Die Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping, sagte, Maaßen sei nicht mehr im Amt haltbar. Auch die Grünen legten ihm den Rücktritt nahe. Politiker von Union und SPD verlangten Aufklärung. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte: "Wenn der Chef des Inlandsgeheimdienstes der Bundeskanzlerin öffentlich widerspricht, muss er für seine Behauptungen jetzt umgehend Beweise vorlegen." Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) stellte sich hinter Maaßen: Sein Informationsstand zu den Vorfällen in Chemnitz sei identisch. Im Bundestag wird sich der oberste Verfassungsschützer aber verantworten müssen. Die SPD will das für die Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium anrufen, der Innenausschuss kommt zu einer Sondersitzung zusammen.

Maaßen sorgte zudem für Irritationen, weil er im Zusammenhang mit dem Tod des Deutschkubaners Daniel H. von Mord sprach. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber wegen gemeinschaftlichen Totschlags. Zwei Migranten befinden sich in Haft. Nach einem dritten Verdächtigen wird gefahndet.

Unterdessen gibt es neue Informationen zu der Demonstration mehrerer rechter Gruppierungen in Chemnitz am Montag vergangener Woche. Nach Erkenntnissen der Bundesregierung haben sich 400 bis 500 Angehörige der Hooligan-Szene aus drei Bundesländern beteiligt. Einsatzkräfte konnten gewaltbereite Anhänger von insgesamt fünf Fußballclubs ausmachen, ergab eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Dabei handelt es sich um den Chemnitzer FC, Lok Leipzig, den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg sowie den BFC Dynamo. Insgesamt hatten sich rund 6000 Menschen an den rechtsgerichteten Demonstrationen beteiligt. (mit ape/dpa)

 

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4Kommentare
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  • 3
    0
    Tauchsieder
    09.09.2018

    Das kann man so sehen "Zeit.....", jeder sieht das was er sehen will, oder sieht das was ihm in den politischen Kram passt. Sehen wir mal was im kommenden Jahr wir zur LTW erleben oder sehen werden.

  • 4
    0
    Zeitungss
    09.09.2018

    Bald haben wir in Sachsen LTW, schon vergessen ??? Da stört bei den gegenwärtig Herrschenden jeder Einfluss, ob nun von RECHTS oder LINKS. Wir werden sehen, wie dieses "Schießen" ausgeht. Jeder hat etwas anderes gesehen oder auch nicht, das Gesehene kann keiner mehr so richtig deuten und somit spricht kein Mensch in einigen Tagen mehr darüber, was durchaus positiv zu bewerten wäre, denn dieses Land hat ganz andere Probleme, welche wirklich wichtig wären. Möglicherweise kommt der eine oder andere Leser auch noch darauf, um welche es sich handeln könnte, die gegenwärtige Sichtweise langt nicht, es geht ja nur noch um ROT oder BRAUN, soweit ist man ins Gedächtnis der Menschheit schon vorgedrungen. Die CDU-Festung in Sachsen wackelt, dafür LINKS oder RECHTS verantwortlich machen, wäre zu kurz gesprungen, an die geleistete Arbeit zu denken, fällt leider niemand ein und so ist es auch gewollt.

  • 2
    4
    mathausmike
    08.09.2018

    Danke Herr Kollenberg für Ihren Artikel!

  • 6
    3
    submain
    08.09.2018

    Komisch das normale, neutrale Bürger die zu dem Zeitpunkt in der City waren, auch sagen, dass es keine Hetzjagden waren. Das was man auf dem Video sieht, ist hinrennen um Angst zu machen... Dann müsste es ja auf Schulhöfen auch ständig Hetzjagden geben. Der Begriff wird in diesem Fall völlig abgewertet und mißbräuchlich verwendet.

    Maaßen wird warscheinlich von seinen V-Männern über die damalige Lage vor Ort informiert wurden sein. Und deshalb kommt er halt zu dieser Ansicht. Die Politiker machen es sich auch ziemlich einfach, wenn die Beweise für dessen Aussagen fordern.

    Wenn es keine Jagden gab, dann gibt es sicherlich auch keine Beweise. Die sollen erstmal Beweise vorlegen, die derden Urteil zu den Jagden legitimiert. Außer diesem kurzen Video, gibt es warscheinlich keine weiteren Indizien.

    Ich bin zwar mit AfD, Pro Chemnitz und dem rechten Block nicht einverstanden, aber bei solchen gewagten, sehr gefährlichen Aussagen steh ich 100%ig hinter der Stadt und dessen Bürger. Wir sind doch hier nicht im Krieg, wo man diesen Begriff vielleicht anwenden kann.

    Komischerweise hab ich schon von mehreren gehört, dass diese Ausländer ne Flasche geworfen haben und irgendwas geschrien ham, um bissl zu provozieren. Daraufhin sind drei Hools hingerannt um die zu verscheuchen. Nachdem die auf der anderen Straßenseite waren, war es schon wieder vorbei... Wo ist das bitte schön eine Hetzjagd?



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