Mit Sparlämpchen für den Klimaschutz

Viele sächsische Städte und Kreise bemühen sich, Energie einzusparen. Es geht um Klimaschutz und Kostenreduzierung. Für den gesamten CO2-Ausstoß sind die Maßnahmen aber kaum von Belang.

Chemnitz/Dresden.

Die nächste UN-Klimakonferenz naht. Ende November wird in Paris auf höchster Ebene wieder um verbindliche Vereinbarungen zum Klimaschutz verhandelt. Der aber fängt schon im Kleinen an. Wie hält es der Freistaat mit der Energieeffizienz bei öffentlichen Gebäuden und bei der Infrastruktur in den Kommunen? Ob Straßenbeleuchtung, Heizung von Schulen oder Kindergarten: Überall schlummern Reserven beim Energieverbrauch.

In den Jahren 2007 bis heute hat das sächsische Umweltministerium rund 56 Millionen Euro Fördermittel insgesamt dafür eingesetzt. Das Ergebnis: Der jährliche Kohlendioxidausstoß konnte um rund 120.000 Tonnen verringert werden. Zum Vergleich: Die CO2-Emissionen beliefen sich in ganz Sachsen laut Energiebericht 2012 auf 48,9 Millionen Tonnen pro Jahr. Danach ging der neue Kohlekraftwerksblock in Boxberg in Betrieb. Der Ausstoß dürfte aktuell bei rund 53 Millionen Tonnen CO2 liegen.

Hans-Jürgen Schlegel von der Vereinigung zur Förderung der Erneuerbaren Energien (VEE) in Sachsen rechnet vor, dass 2014 ohne den Ausbau der Erneuerbare noch 4,7 Millionen Tonnen mehr in die Luft geblasen würden. Schlegel: "Wir freuen uns über jede Tonne, die reduziert wird, aber gemessen am Gesamtausstoß ist das zu wenig. Ein Tropfen auf dem heißen Stein."

Frank Meyer vom Umweltministerium entgegnet: "Natürlich führt Braunkohleverstromung zu CO2-Ausstoß. Nur wird die Braunkohle auf absehbare Zeit als Übergangstechnologie gebraucht. Unsere Förderung wirkt an den Stellschrauben, an denen wir als Ministerium drehen können - nicht nur marginal."

Das Umweltministerium hat bislang 21.300 Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz gefördert. Davon rund 700 kommunale Projekte mit einem Fördervolumen von rund 15 Millionen Euro. Der Großteil der Projekte bezog sich auf den Heizkesseltausch im privaten Bereich.

In der neuen Förderperiode sind 45 Millionen Euro Fördermittel aus dem Umweltministerium vorgesehen. Im Fokus stehen dabei Kommunen, öffentliche Infrastruktur und gemeinnützige Einrichtungen. Programmbereiche sind Straßenbeleuchtung, Gebäudesanierung oder auch kommunale Klimaschutzkonzepte und Energiemanagementsysteme. "Wir gehen davon aus, dass mit den Fördergeldern die Reduzierung von weiteren 40.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich bewirkt werden kann", so Ministeriumssprecher Meyer. Nicht enthalten in diesen Zahlen sind die Förderungen des Wirtschaftsministeriums für kleinere und mittlere Unternehmen sowie die für Schulen.

Stefan Thieme-Czach von der Sächsischen Energieagentur (Saena): "Die energetische Sanierung und der Neubau effizienter öffentlicher Gebäude betrifft vielfältige Bereiche. So sind in Sachsen mehrere Sanierungen und Neubauten als Passivhaus für Kindertagesstätten erfolgt." Beispiele sind die in Oelsnitz im Erzgebirge oder die in Chemnitz an der Straße Usti Nad Labem. Zu nennen wäre noch der Passivhausanbau am Rathaus Halsbrücke bei Freiberg. Die Energieagentur startete Mitte 2015 für 24 kleinere Kommunen ein Projekt zur Unterstützung bei der Einführung eines Energiemanagements. Thieme-Czach: "Zudem gibt es den European Energy Award. Die Teilnahme an dem internationalen Zertifizierungsverfahren soll den energetischen Aspekt in möglichst alle Bereiche des kommunalen Handelns verankern helfen." Gerade Straßenbeleuchtung oder Kläranlagen sind in den kommunalen Etats erhebliche Posten bei Energiekosten. Diese lassen sich aber laut Thieme-Czach deutlich senken. Bei der Straßenbeleuchtung könnten etwa mit dem Einbau von LED-Leuchten über 70 Prozent Energie eingespart werden.

Steffen Heinrich, Leiter des Abwasser-Zweckverband Frohnbach in Niederfrohna erklärte, wie man auch bei Kläranlagen die Energiekosten drücken kann: "Wir haben mit Fördermitteln eine kleine Fernwärmeleitung gelegt. Damit nutzen wir die Abwärme von den Blockheizkraftwerken, die das Klärgas verstromen. Die Fernwärme nutzen wir auf dem Betriebsgelände für Warmwasser und Heizung. Auch mit tauchbaren Sonden in den Bioreaktoren sparen wir Strom. Ebenso bei der Beleuchtung des Geländes." Mit vielen kleineren Maßnahmen braucht die Kläranlage 21,6 Kilowattstunden Stunden je Einwohner pro Jahr. Heinrich: "Die Einsparung liegt bei drei Kilowattstunden Strom pro Einwohner im Jahr. Ein sehr guter Wert."

Wie der Freistaat in Sachen geförderter Energieeffizienz im Vergleich mit anderen Bundesländern dasteht, ist schwer zu sagen. Es fehlen vergleichbare Zahlen, da die Förderlandschaft auf Bundes- wie auf Landesseite sehr zersplittert ist. "Sachsen liegt zumindest bundesweit bei den Teilnehmern am European Energy Award mit vorn", so das sächsische Umweltministerium.

Sachsens Kommunen sind preiswürdig

Das internationale Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren European Energy Award (EEA )unterstützt seit mehr als zehn Jahren zahlreiche Kommunen in Deutschland und Europa auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz.

Bundesweit liegt Sachsen mit aktuell 37 teilnehmenden Städten, Gemeinden und Landkreisen an dritter Stelle - noch vor Bayern (28 Teilnehmer). Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg liegen mit 116 beziehungsweise 114 Teilnehmern vorn. In Sachsen hat Oederan die längste Erfahrung mit dem EEA. Die Stadt erhielt 2008, 2011 und 2014 eine Zertifizierung. Auch Chemnitz und Plauen wurden 2011 und 2014 prämiert. Frankenberg schaffte das 2014.

"Durch unser langjähriges Energiemanagement sparen wir bei Strom und Gas 35.000 Euro pro Jahr an Kosten", erklärte Eberhard Ohm vom Energie- und Gebäudemanagement Oederan. Bei 1300 Tonnen pro Jahr würde der CO2-Ausstoß in der Stadt liegen, wenn die Kommune nur auf fossile Energieträger setzen würde. Ohm: "Mit unserem grünen Strom, den Holzheizungen und den Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung reduzieren wir den Ausstoß um 760 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr." Nicht eingerechnet ist der Bauhof und die Feuerwehr. (slo)

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