Sachsen stöhnt unter Hitze und Trockenheit - kein Ende in Sicht

Teile Ostdeutschlands erleben eine der größten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Messungen vor 55 Jahren. Sogar Existenzen sind bedroht.

Chemnitz.

In weiten Teilen Sachsens sind seit drei Monaten keine nennenswerten Niederschläge gefallen. Felder, Wälder, Weiden, Gärten sowie Flüsse und Bäche lechzen nach Wasser. Alle Flüsse führen viel zu wenig Wasser. In der Mulde liegt der Durchfluss bei gerade noch 20 bis 40 Prozent, in der Spree bei 25 und der Weißen Elster örtlich sogar nur bei 20 Prozent. Am Pegel Dresden war die Elbe am Donnerstag noch 63 Zentimeter tief. Zum Vergleich: Ihr mittlerer Wasserstand beträgt 1,75 Meter, beim Hochwasser 2013 erreichte er 8,78 Meter.

Mehrere Landkreise in Sachsen haben deshalb für ihre Flüsse Wasserentnahmeverbote erteilt. Wer erwischt wird, wie er mit einer Pumpe Flusswasser auf sein Grundstück leitet, muss mit bis zu 50.000 Euro Strafe rechnen. Lediglich die Entnahme mit Gießkannen ist noch erlaubt.

Auch in den Einzugsgebieten der sächsischen Talsperren sind viele Zuflüsse nur noch Rinnsaale. Wie Ulf Winkler von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) sagt, fließen in die Sperre Lichtenberg in Mittelsachsen noch 20 Liter pro Sekunde. Normal sind 680 Liter. Derzeit ist der Trinkwasserspeicher zu 80 Prozent gefüllt. Das größte Trinkwasserreservoir in Eibenstock hat noch 93 Prozent seines Stauvolumens. Das versetzt die Talsperrenbetreiber in die Lage, den Wasserstand der Mulde, die durch die Sperre gestaut wird, aufzufüllen. Derzeit werden pro Sekunde 1,4 Kubikmeter in den Fluss abgegeben, die dreifache Menge wie üblich. Das verhindert, dass Zwickau auf dem Trockenen sitzt. Allerdings fließt auch in das Eibenstocker Riesenfass nur noch ein Viertel der sonst üblichen Menge zu.

Halb leer ist bereits die Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge. Da sie jedoch mit Klingenberg und Rauschenbach einen Verbund bildet, können diese die Versorgung im Großraum Dresden mit leisten. Laut LTV hat es ähnliche Trockenperioden über je neun Monate hinweg zuletzt im Jahr 2000 sowie 2003 bis Anfang 2004 gegeben und dann noch einmal nach dem Hochwasser 2013.

Langsam an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten die Wasserwerke. Nach Angaben von Steffen Meichßner, Abteilungsleiter bei der Südsachsen Wasser GmbH, bereiten die neun Wasserwerke im Direktionsbezirk Chemnitz 30 Prozent mehr Talsperrenwasser zu Trinkwasser auf. "Sie sind aber dafür ausgelegt", so Meichßner. Der deutliche Mehrverbrauch resultiere nicht nur daraus, dass die Leute öfter duschen und mit Trinkwasser gießen. Hauptgrund ist vielmehr, dass die örtlichen Quellen versiegen. Nur 75 Prozent der Haushalte würden mit Talsperrenwasser versorgt, die übrigen nutzen Brunnen oder Quellen und greifen erst in Notzeiten wie jetzt auf das Nass aus Talsperren zurück.

Sehnsüchtig auf Regen wartet die Forstwirtschaft. Mittlerweile gilt für den gesamten Norden des Freistaates die höchste Waldbrandwarnstufe 5. Bis auf das Erzgebirge und das Vogtland herrscht auch sonst überall hohe Brandgefahr. Schon der heiße Auspuff eines sorglos am Wald- oder Wiesenrand abgestellten Autos könne einen Brand auslösen, warnt die Feuerwehr. Mehrere kleinere Waldbrände gab es bereits.

Der Deutsche Bauernverband erwartet wegen der anhaltenden Trockenheit erhebliche Ernteausfälle. Existenzen seien bedroht, vor allem wegen Ausfällen bei Getreide, hieß es. Für Sachsen werden am Freitag genauere Angaben gemacht.

Alarm schlägt auch die Fischwirtschaft, weil in die Teiche kaum Frischwasser zuläuft. Dadurch sinkt ihr Sauerstoffgehalt und steigt die Wahrscheinlichkeit des Fischsterbens. Auswirkungen hatte die Hitze am Donnerstag auch auf den Bahnverkehr. Wegen eines Böschungsbrands blieb die Strecke zwischen Oschatz und Riesa stundenlang gesperrt. Bereits am Mittwoch war an der vielbefahrenen Hauptstrecke Prag-Usti auf 15 Kilometern Länge ein Flur- und Böschungsbrand ausgebrochen. Die Löscharbeiten dauerten am Donnerstag noch an. Laut DWD bleibt es vorerst weiter "knochentrocken".

Bewertung des Artikels: Ø 3.2 Sterne bei 6 Bewertungen
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    Tauchsieder
    06.07.2018

    Will uns hier Fr. Thieme mit ausgestrecktem Arm über die Balkonbrüstung halten?
    Dieses Foto wurde an der Wasserkraftanlage Sachsenburg aufgenommen. Hier leidet eindeutig der Wasserkraftanlagenbetreiber zu viel Wasser aus und hält höchstwahrscheinlich seine Mindestwasserabgabe nicht ein. Wer bei diesen Wasserverhältnissen überhaupt noch Wasser aus dem Fluss ausleidet, etwa zur Stromgewinnung, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Hier hätte man auch noch zeigen müssen, wie viel Wasser über die Turbine läuft. Was unternimmt eigentlich der Fischereiausübungsberechtigte gegen den WKA-Betreiber, er ist doch zum Schutz des Fischbestandes nach dem sächs. Fischereigesetz verpflichtet?
    Der Bevölkerung mit Strafen drohen, wo bleibt hier eigentlich der behördliche Aufschrei?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...