Sachsen verschärft Corona-Regeln: Ausgangsbeschränkungen für Hotspots

Sachsen verschärft angesichts hoher Infektionszahlen im Freistaat seine Corona-Schutzmaßnahmen. Dazu gehört eine Ausgangsbeschränkung ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche.

Dresden.

Sachsen verschärft angesichts hoher Infektionszahlen im Freistaat seine Corona-Schutzmaßnahmen. Dazu gehört eine Ausgangsbeschränkung ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche, sagte Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) am Freitagabend in Dresden. Dann dürften die Menschen nur noch aus triftigen Gründen aus dem Haus gehen. Nach derzeitigem Stand betrifft das einen Großteil des Freistaats, darunter auch ganz Südwestsachsen.

Wie das sächsische Sozialministerium am Freitagabend mitteilte, gelten als triftige Gründe der Weg zur Schule, zur Kindertagesstätte oder zum Arzt, das Einkaufen (im eigenen Landkreis beziehungsweise der eigenen kreisfreien Stadt oder des Nachbarlandkreises beziehungsweise der benachbarten kreisfreien Stadt), Besuche (soweit durch Kontaktbeschränkungen erlaubt), die Unterstützung Hilfsbedürftiger, die Begleitung Sterbender sowie Beerdigungen im engsten Familienkreis sowie Sport und Bewegung im Freien im Umkreis von 15 Kilometern des Wohnbereichs sowie Besuche des eigenen oder gepachteten Kleingartens oder Grundstücken unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen.

Die zuvor von der Landesregierung beschlossene neue Corona-Verordnung soll vom 1. bis zum 28. Dezember gelten und Erleichterungen ab dem 23. Dezember vorsehen. In der noch nicht veröffentlichten Vorschrift soll zwar vorgeschrieben sein, dass der vom Robert-Koch-Institut angegebene "Schwellenwert" maßgeblich sei und die Verschärfungen erst bei dessen Überschreitung an fünf aufeinanderfolgenden Tage hintereinander angeordnet werden müssen. Allerdings wollen die Kommunen weitgehend einheitlich vorgehen, wie Landkreistagspräsident Frank Vogel (CDU) ankündigte.

Kretschmer bat die Bürger um Verständnis und darum, diese Schritte mitzugehen. "Wir müssen handeln", sagte er unter Verweis auf die schon in Ansätzen schwierige medizinische Versorgung. Zuvor hatte das Kabinett in einer Sondersitzung die neue Corona-Schutzverordnung beschlossen. Am Freitag lagen laut Gesundheitsministerium von den zehn Landkreisen und drei kreisfreien Städten zehn über der 200er-Marke.

Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Infektionszahlen mit dem Coronavirus verschärft der Freistaat die Corona-Regeln an Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen. Demnach greifen mit der neuen Corona-Schutz-Verordnung in Gebieten ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche folgende Maßnahmen:

  • Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird im Unterricht ab Klassenstufe 7 für alle Schularten Pflicht.
  • An allen Grund- und Förderschulen in den sogenannten Hochinzidenzgebieten wird das Prinzip der festen Klassen eingeführt - ohne Einschränkung des Fächerkanons.
  • Weiterführende Schulen gehen in Absprache mit dem Kultusministerium in den Wechselunterricht. Grundsätzlich ausgenommen davon sind die Abschlussklassen.

"Wir werden je nach Lage vor Ort in Rücksprache mit den Schulleitungen zum Wechselunterricht Einzelfallentscheidungen treffen. Im Interesse jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers müssen wir dafür sorgen, dass der Unterricht an Schulen, die nur wenig oder gar nicht von Infektionen betroffen sind, im Regelbetrieb weiterlaufen kann, solange es möglich ist. Außerdem ist mir wichtig, die Schulen bei dieser schwierigen Entscheidung nicht allein zu lassen", erklärte Kultusminister Christian Piwarz (CDU).

Dies bedeute aber nicht, dass es zu einem "flächendeckenden Übergang in das Wechselmodell an den weiterführenden Schulen" kommen solle. Schulen, die den Regelbetrieb weiter stemmen wollten und können, dürften auch dabei bleiben. "Wir werden uns individuell jede Schule anschauen, ob dort ein Wechselmodell angezeigt ist oder nicht", sagte Piwarz. Der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien ist der 18. Dezember - und damit zwei Schultage vor dem ursprünglichen Termin am 22. Dezember.

Auch in den Kitas gelten verschärfte Regeln, wenn sich ein Landkreis oberhalb einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner befindet. Dann greift nach Angaben des Kultusministeriums ein eingeschränkter Regelbetrieb. Dabei gilt die strikte Trennung von Betreuungsgruppen und Betreuungspersonen sowie die konsequente Vermeidung eines Zusammentreffens von Kindern unterschiedlicher Gruppen und des zugehörigen Personals in den Gebäuden und in den Außenbereichen der Kitas.

Sogenannte "offene Konzepte" sind bis auf Weiteres nicht zulässig. Die Schulvorbereitung erfolge in Verantwortung der Kita in der Einrichtung, ohne Beteiligung der Grundschulen.

Aber auch bei einer Wocheninzidenz von 50, gehalten länger als fünf Tage, gelten neue Regelungen:

  • Alkohol darf nicht oder nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten ausgeschenkt und konsumiert werden
  • Einrichtungen der Erwachsenenbildung müssen geschlossen werden
  • Die Teilnehmerzahl von Veranstaltungen muss weiter eingeschränkt werden, wenn es aus infektionsschutzrechtlichen Gründen geboten ist

 

(dha/tz/lasc/dpa)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
1515 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    3
    kugelfisch
    30.11.2020

    KTreppil:
    Das "ALLE" was du in deinem Kommentar schreibst, habe ich dann mit "WIR" gemeint JUNG u.ALT zusammen.Wir sitzen ja ALLE in einem Boot u. müssen hoffen, dass der Kapitän u. die Crew was von Navigation verstehen, z.Z. sieht es ja so aus als werden noch Schwimmwesten benötigt und nicht nur Mund u. Nasen Schutz. (etwas Ironie)

  • 12
    9
    KTreppil
    29.11.2020

    Es geht nicht um alt oder jung, sondern darum, dass ALLE "Opfer" bringen müssen. Hätten das ALLE schon begriffen, müssten vielleicht die Maßnahmen, um die es im Artikel geht, nicht verschärft werden. Das einkaufen ist nur ein Beispiel, was aber täglich auffällt. Es gibt noch viele mehr...

  • 18
    6
    kugelfisch
    29.11.2020

    In vielen Kommentaren fällt mir auf, dass man die sogenannten Risikogruppen + 60 kritisiert, dass diese immer um die Zeiten einkaufen wenn die unter 60 jährigen es tun wollen. Wollen wir jetzt vielleicht anfangen uns gegenseitig auszuspielen, das kann u. darf nicht sein, wir sind alle dem gleichen Virus ausgesetzt egal wo.
    Also sollten wir auch fair miteinander umgehen u. ruhig einmal einem dem, der die Maske/Mundschutz zuviel war, aufmerksam machen, dass das "Ding" wiederauf die Nase muss "sind wir nett zueinander".
    Es kann noch schlimmer kommen, denn die Regierung wird uns nicht retten können, wir müssen was tun und nicht Alt gegen Jung, Berufstätig o. ohne Job u.s.w. gegeneinander hetzen, das hilft bestimmt nicht!!!

  • 15
    13
    Interessierte
    29.11.2020

    Was ich nicht verstehe , dass in der Grafik im MDR das Leipzig immer konstant niedrig bleibt , wo doch dort die meißten Demos sind .. ???

  • 23
    8
    KTreppil
    29.11.2020

    Lisa13,engstirnig? Es geht nicht um frische Brötchen oder Obst zum Samstag, das Problem ist größer. Wobei in dem Supermarkt wo ich war, zudem die Körbe bei allen gut gefüllt waren und es nach Wochendeinkauf aussah. Es geht auch nicht darum, dass hier ein Generationenkonflikt herauf beschworen wird. Mir geht es darum, dass momentan ALLEN Einschränkungen auferlegt werden, jeder auf irgendeine Freizeitaktivität oder Gewohnheiten verzichten muss. Die Jugend z.B. kann nicht in Clubs und Bars, Gaststätten zu etc. Ist da zuviel verlangt, dass Rentner, die Risikogruppe die geschützt werden soll, zu weniger frequentierten Zeiten einkaufen geht? Weniger im Laden, mehr Abstand möglich, geringere Ansteckungsgefahr, vielleicht weniger Ansteckung, vielleicht fallende Zahlen?
    vonVorn, Einkaufen um unter Leute zu kommen? Es gelten Kontaktbeschränkungen für alle.
    Die Generation 70+ hat soviel erleben müssen, aufgrund ihrer Lebenserfahrung sollte man gerade Vernunft erwarten können, oder etwa nicht?

  • 18
    24
    Lisa13
    29.11.2020

    KTreppil

    Ja warum gehen Rentner am Samstag einkaufen ???? ich bin Rentnerin und gehe auch am Samstag gegen 7 Uhr einkaufen...um frisches Obst und Brötchen für das WE zu holen ...es sei denn ..Sie erledigen das für mich ..da müsste ich nicht los ...die Kinder wohnen über 500 km weg ...weiter so engstirnig denken ..

  • 50
    10
    Bautzemann
    28.11.2020

    Regeln, Verordnungen und Gesetze sind die eine Seite einer Medaille. Die andere Seite ist die Wirksamkeit aller Maßnahmen, durch eine angemessene Kontrolltätigkeit, durchzusetzen. Hier kränkelt das System erheblich. In unserem kleinen Ort gibt es ganze 2 Mitarbeiter im Ordnungsamt für ca. 10.000 Einwohner. Das nächste Polizeirevier ist über 10 Km entfernt. Wie will der Staat das durchsetzen was er beschließt? Ich erinnere an das Handyverbot! Jeder zweite Autofahrer/In hat das Ding an der Backe, trotz Verbot.

  • 36
    10
    Mutwurf
    28.11.2020

    Verschärft? Einzig Sport und Bewegung im Freien sind auf einen 15 km Radius begrenzt. Besuche sind ein triftiger Grund das Haus zu verlassen? Also kaum Änderungen!

  • 36
    18
    vonVorn
    28.11.2020

    @Ktreppil, es will zwar keiner hören, es ist aber trotzdem so, die meisten Rentner haben mehr Angst vor Einsamkeit als vor Corona. Warum gehen denn Rentner einkaufen wenn der meiste Betrieb ist? Da haben Sie wenigstens das Gefühl mal unter Menschen zu sein.

  • 45
    15
    KTreppil
    28.11.2020

    1978, einerseits stimme ich ihnen zu. War heute, Samstag vormittag, zum Wochendeinkauf und da kann man viel beobachten. Gut besucht und gefühlt die Hälfte der Kundschaft Risikogruppe 70+.Warum müssen Rentner Samstag einkaufen? Nasen liegen frei und Abstand halten ist leider auch nicht jedermanns Sache.
    Könnten z.B. die Rentner wochentags vormittag einkaufen, wäre nachmittags und samstags nicht so ein Gedränge, wenn i.d.R. Werktätige zum einkaufen kommen. Hier im Forum äußern sich viele sehr ängstlich, manchmal übertrieben ängstlich. Die, die dazu eher eine moderate Meinung haben und Verhältnismäßigkeit appellieren, werden gleich als unverantwortlich und Corona Leugner tituliert und scheinen langsam in der Unterzahl. Beobachtet man die Menschen im Alltag, glaubt man jedoch oft, Corona ist vorbei. Lernen mit Corona zu leben, sinnvolle Maßnahmen einhalten, aber keine Panik, nicht übertreiben und ein Alltag ohne, dass derartige Beschränkungen nötig sind ist das wirklich so schwer? Warum?

  • 30
    40
    1978
    28.11.2020

    Mann braucht sich ja auch nicht zu wundern, wenn
    Mann sieht wie die Leute sich verhalten,
    Ich war gerade beim einkaufen, da haben immer noch 30 % der Menschen die Maske unter der Nase oder laufen ohne Maske in den Markt rein und setzen die Maske da erst auf oder beim rausgehen im Vorraum wo sich auch noch ein Bäcker befindet schon ab.
    Außerdem wird kein Abstand eingehalten und wenn eine zweite Kasse öffnet stehen sofort 4 Menschen ohne Abstand und Einkaufswagen hintereinander.
    Und auf dem Parkplatz davor haben 80% keine Maske auf und stehen zu zusammen ebenfalls ohne Maske, Rauchen dabei und Unterhalten sich.
    So kann die Lage ja nicht besser werden, und kontrolliert wird es ja demzufolge auch zu wenig.

  • 27
    20
    Schneemann62
    28.11.2020

    Zur Arbeit gehen ist kein trifftiger Grund mehr? -:)

  • 43
    22
    cn3boj00
    27.11.2020

    Insgesamt gilt, dass diesmal alle Maßnahmen zu spät kommen. Es ist mir unverständlich, wieso man erst gewartet hat bis neue Rekordwerte erreicht wurden die das Frühjahr bei weitem übertroffen haben. Wenn man bedenkt, dass die Infektionszahlen ohne irgendwelche Maßnahmen exponentiell steigen würden ist es fast schon ein Wunder, dass sie jetzt wenigstens konstant bleiben. Da haben im Sommer sowohl Politiker als auch ihre Berater-Experten geschlafen? Oder war es wie immer das Buhlen um die Gunst der Wähler, dass niemand Verantwortung übernehmen wollte? Statt der Lockerungen noch 8 Wochen durchhalten, und wir könnten jetzt vielleicht ein schönes Weihnachten feieren.

  • 20
    24
    KTreppil
    27.11.2020

    Zur Arbeit darf ich nicht mehr...?

  • 114
    17
    quatschkopf
    27.11.2020

    Den ganzen Sommer über hat man es verschlafen sich auf diese Situation, vor der so gut wie alle Fachleute gewarnt haben, vorzubereiten. Die Regeln an wann welche Maßnahmen gelten hätte man im Sommer festlegen sollen. Dann hätte sich jeder schon darauf einstellen können. Schulen hätten ihre Schüler*innen auf homeschooling vorbereiten müssen und viele weitere Vorbereitungen wären zu treffen gewesen.
    Im Frühjahr habe ich es verstanden dass man nur sehr kurzfristig auf Sicht handeln konnte. Das man jetzt immernoch nur reagiert anstatt vorausschauend zu agieren ist ein großes Versagen. Was haben sich die regierenden gedacht?
    "Wir Sachsen/Deutschen sind ja immun als Wirtschaftsmacht an uns geht's vorüber? "
    Da muss ich leider sagen..." Wie kann man sooooooo dumm sein."