Volkshochschulen leisten mehr - aber mehr Geld gibt es nicht

Jedes Bundesland zahlt mehr für die Einrichtungen als Sachsen. Mit dem nächsten Doppelhaushalt könnte es sogar noch weniger werden.

Chemnitz. Die Volkshochschulen (VHS) sind Sachsens größter Anbieter für Erwachsenenbildung. Im Laufe der Jahre sind ihre Programme immer vielfältiger geworden. Zuletzt auch durch die Übernahme von Integrationskursen. Doch trotz der ständig steigenden Aufgaben stagniert die Höhe der Landesmittel seit Jahren. Darauf macht Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, aufmerksam. "Seit reichlich zehn Jahren liegen die Landesmittel für die Erwachsenenbildung bei jährlich sechs Millionen Euro." Bei steigender Unterrichtsleistung sei damit de facto der Zuschuss gesunken.

Zais verweist darauf, dass Sachsen im bundesweiten Vergleich der öffentlichen Zuschüsse je Einwohner seit Jahren die Rote Laterne trage. Lediglich 2,42 Euro je Einwohner habe das Land für die Förderung der VHS 2014 ausgegeben, Spitzenreiter Bremen zahlte dreimal so viel. Es werde wohl noch schlimmer, denn der Entwurf des Doppelhaushaltes 2017/18 für den Freistaat sehe vor, pro Jahr noch 447.000 Euro zu streichen: 310.000 Euro direkt bei den VHS-Zuschüssen, den anderen Teil bei der Erwachsenenbildung, wobei auch hier VHS betroffen seien. "So kann ein bedarfsgerechtes und qualitativ hochwertiges Angebot in der Weiterbildung und der politischen Bildung nicht gesichert werden", betont Petra Zais, und Ulrich Klemm, Geschäftsführer des sächsischen VHS-Verbandes, meint: "Wir brauchen für die Erwachsenenbildung jährlich vier Millionen Euro mehr. Da befinden sich alle Weiterbildungsträger im Konsens." Das Geld benötige man nicht zuletzt, um die politische Bildung zu verbessern, was gerade in der heutigen bewegten Zeit dringend notwendig sei.

Ministerpräsident Tillich habe nicht nur einmal darauf verwiesen, dass man die politische Bildung stärken müsse. "Getan hat sich bisher nichts", so Klemm. Mehr finanzielle Hilfe brauche man auch, um bessere Rahmenbedingungen für den ländlichen Raum zu schaffen, für Investitionen in digitale Konzepte, für die Inklusion von Menschen mit Handicap in die Erwachsenenbildung sowie für die Grundbildung etwa der funktionalen Analphabeten und für die Bildung der Flüchtlinge.

Um ihren Aufgaben gerecht zu werden, mussten einige VHS in den Jahren die Entgelte anheben. Viele Menschen, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt sind, können sich deshalb die VHS nicht mehr leisten. "Sie werden von der Bildung abgehängt", so Klemm. "Das darf nicht sein. Wir haben schließlich auch eine soziale Verantwortung. Das Land muss handeln." Auch der Sächsische Städte- und Gemeindetag sowie der Sächsische Landkreistag fordern eine Aufstockung der Mittel.

Seit das Kursangebot auch für Flüchtlinge offensteht, stoßen die VHS oft an ihre Grenzen. In Dresden fehlt es zurzeit an Dozenten für die Deutschausbildung. "Gut, dass es eine Ausnahmeregelung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) erlaubt, dass Quereinsteiger Kurse geben dürfen", sagt Ulrike Struck von der VHS. Das seien Leute, die bereits im Fremdsprachenbereich als Lehrkräfte tätig waren oder eine pädagogische Ausbildung haben. "Klar, Bedingung ist, dass sie noch eine Zusatzqualifizierung für die Integrationskurse absolvieren", so Struck. "Sorgen macht mir, dass die Regelung nur bis Jahresende gilt." In Chemnitz gibt es zurzeit keine Engpässe bei Kursleitern. Aber auch dort ist die Nachfrage nach Integrationskursen groß. Im Sommersemester 2017 werden voraussichtlich 115 Kurse für Zuwanderer angeboten - 20 mehr als 2014.

Auch bei den Integrationskursen dreht sich vieles ums Geld - vor allem um das vom Bund. Anfang Juli hat der die Honoraruntergrenze für Lehrkräfte in Integrationskursen von 23 Euro auf 35 Euro pro Unterrichtsstunde angehoben. "Das ist gut so", sagt Jens Kaltofen vom Vorstand des sächsischen VHS-Verbandes und Leiter der VHS Erzgebirgskreis. "Wenn die Arbeit derart gewürdigt wird, gibt es künftig sicher auch mehr Bewerber." Das sieht Ulrich Aengenvoort, Direktor des deutschen VHS-Verbandes, ebenso, verweist aber darauf, dass die derzeitige Erstattung durch das Bamf von 3,90 Euro pro Teilnehmer und Unterrichtseinheit nicht kostendeckend sei. Gebe es keine Erhöhung, könne das Kursangebot nicht so erweitert werden, wie es nötig wäre. Der Bund habe den Ländern bis 2018 zusätzlich eine Integrationspauschale von insgesamt sieben Milliarden Euro gewährt. "Wir fordern, dass die Länder einen Teil des Geldes auch dazu einsetzen, die Ressourcen der VHS zu verbessern." Sachsen hat seit Sommer ein Landessprachprogramm, das allen auf die Kommunen verteilten Flüchtlingen mit Bleibeperspektive das Deutschlernen ermöglichen soll. Auch jenen, die keinen Zugang zu den vom Bund angebotenen Kursen hatten. Dafür stehen laut Integrationsministerium neun Millionen Euro bereit. Antragsberechtigt sind auch die VHS.

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