Winter legt Verkehr lahm - und es soll weiter schneien

Bäume auf Straßen und Schienen, Unterrichtsausfall, gesperrte Wälder: 40 Zentimeter Neuschnee allein bis Mittag hielten am Mittwoch die Menschen in der Region in Atem. Laut Deutschem Wetterdienst könnte noch einmal so viel dazukommen.

Chemnitz.

Mit ergiebigen Schneefällen ist der Winter in der Region angekommen. Allein bis Mittag registrierte der Deutsche Wetterdienst an seinen Messstationen in den Höhenlagen des Erzgebirges bis zu 40 Zentimeter Neuschnee. Mittlere Lagen kamen auf zehn bis 25 Zentimeter Schnee.

Die weiße Pracht sorgte für Unfälle, umstürzende Bäume, querstehende Lkw. Betroffen waren Autobahnen A4 und A72 sowie viele Bundesstraßen. Die Polizei registrierte bis zum Abend mehr als 250 Unfälle. Bei neun davon wurden Menschen verletzt, laut Polizei die meisten leicht. Bei vielen Unfällen blieb es bei Blechschäden.

Zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen kam es auch im Bus- und Bahnverkehr. Auf der B 169 zwischen Frankenberg und Hainichen rutschte ein Bus in den Straßengraben. Die Feuerwehr befreite den Fahrer und die drei Insassen durch ein ausgebautes Fenster. Ein 89-jähriger Fahrgast erlitt leichte Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Wegen umgestürzter Bäume stellte die Erzgebirgsbahn auf den Strecken nach Olbernhau und Annaberg den Verkehr weitgehend ein. Ebenfalls umgestürzte Bäume legten den Verkehr auf den Strecken Chemnitz-Elsterwerda und Zwickau-Dresden der Mitteldeutschen Regiobahn sowie zwischen Zwickau und Klingenthal der Vogtlandbahn zumindest zeitweise lahm.

Ob und wann die Züge der Erzgebirgsbahn am Donnerstag wieder regulär fahren können, blieb am Mittwoch unklar. "Die Mitarbeiter arbeiten mit Hochdruck die Nacht hindurch", so eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Leipzig. Auch bei der Vogtlandbahn ist weiter mit Behinderungen zu rechnen. "Wir beginnen am Donnerstag auf jeden Fall mit angezogener Handbremse", sagte der Sprecher. Denn die Schneefälle sollen noch bis Donnerstagnachmittag anhalten, kündigte Sebastian Balders vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Leipzig an.

Der Meteorologe rechnet damit, dass die Neuschneemenge bis dahin noch einmal zwischen zehn und 25 Zentimeter in mittleren und bis 40 Zentimeter in höheren Lagen anwachsen. Schneehöhen von bis zu 80 Zentimetern im Erzgebirge sei zwar normal, so der Meteorologe. Dass eine solche Menge aber innerhalb von 48 Stunden zusammenkomme, sei außergewöhnlich. Für das Obere Vogtland und das Erzgebirge gilt nach wie vor eine amtliche Unwetterwarnung des Wetterdienstes wegen starken Schneefalls.

Aufgrund der Vorhersage haben zahlreiche Schulen bereits angekündigt, dass der Unterricht am Donnerstag ausfällt. Die Entscheidung dafür obliegt jeweils dem Schulleiter, so das Sächsische Kultusministerium. Das Ministerium stellt den Eltern die Entscheidung frei, ob sie ihre Kinder am Donnerstag in die Schulen schicken. Ob Unterricht stattfindet, darüber würden die jeweiligen Schulen informieren. Wer sich nicht sicher ist, soll in der Schule anrufen, empfiehlt das Ministerium. Eine Betreuung der Kinder sei in jedem Fall sichergestellt. Das Landratsamt Mittelsachsen empfahl den Schulen im Kreis am Mittwochmittag, den Unterricht am Donnerstag ausfallen zu lassen. Und der Erzgebirgskreis veröffentlichte später eine gleichlautende Empfehlung des Landesamts für Bildung und Schule.

Die Schneemengen haben auch Auswirkungen auf den Wintersport. So konnte der Skibus von Oberwiesenthal zum Keilberg am Mittwoch nicht fahren, einige Lifte wie der Vierersessellift an der Himmelsleiter stellten wegen Schneebruchgefahr den Betrieb ein. Aus gleichem Grund war auf den Klingenthaler Loipen kein Durchkommen. Annaberg-Buchholz sperrte seine Wälder. Der Sachsenforst warnt generell davor, die Wälder im Erzgebirge zu betreten. Die Schneelasten seien enorm, sagte ein Sprecher. Und wenn etwas passiere, sei die Rettungskette nicht zu halten: "Die Waldwege sind überhaupt nicht befahrbar."

Ungleich dramatischer als in der hiesigen Region entwickelt sich die Situation in Teilen der Alpen. So sind Schüler eines Gymnasiums in Halle/Saale nur knapp einer Katastrophe entgangen.

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