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Nominiert für den Start-up-Preis 2024: Freiberger Gründer wollen die Glasindustrie revolutionieren

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Das Start-up „ReViSalt“ hat ein Verfahren entwickelt, mit dem bruchsicheres Glas stabiler und kostengünstiger hergestellt werden kann. Die Gründer wurden deshalb für den Start-up-Preis 2024 nominiert.

Freiberg.

Weil seine Frau einen Onlineshop für Wasserflaschen betreibt, machte sich Michael Heidan 2018 auf die Suche nach einem Verfahren, um Glas bruchsicher herzustellen. Denn der selbstständige Maschinenbauingenieur im Automobilbereich konnte sich daran erinnern, dass es zu DDR-Zeiten die Marke Superfest gab. Die Gläser aus dem VEB Sachsenglas Schwepnitz (bei Kamenz) waren schlicht, praktisch und so gut wie unzerbrechlich. Die Gläser gehörten zur Grundausstattung von DDR-Kneipen. Doch die Produktion war unrentabel und wurde 1990 eingestellt. So stieß Heidan bei seinen Recherchen auf die Forscher des Instituts für Glas und Glastechnologie der TU Bergakademie Freiberg. Dort werden schon seit mehr als zehn Jahren Verfahren für die Verfestigung von Glas entwickelt. Aber die Technologie war 2012 wohl ihrer Zeit voraus. „Es gab keine Reaktion vom Markt zum Einsatz unserer Verfahren“, erklärt Martin Groß, heute zusammen mit Heidan Geschäftsführer der ReViSalt GmbH.

Gründer aus Freiberg finden entscheidenden Investor

Doch seit Energie immer teurer wird, hat sich das Bild geändert. „In der Technologie steckt ein riesiges Potenzial“, ist sich Heidan sicher. Er hängte seinen alten Job an den Nagel und organisierte mit den Glasforschern die Patentanmeldungen und die Ausgründung aus der TU zur ReViSalt GmbH. Aktuell besteht das Gründerteam aus Michael Heidan, Martin Groß, Robert Wohlfarth und Thomas Voland sowie Martin Herrmann, der allerdings nicht operativ in der Firma tätig ist. In diesem Sommer konnte mit dem Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) ein entscheidender Investor gewonnen werden. Der TGFS investiert einen siebenstelligen Betrag in das junge Unternehmen. „Wir haben das Ansinnen, den weltweiten Glasmarkt zu revolutionieren“, sagt Heidan selbstbewusst.

Um bruchsicheres Glas – beispielsweise für das Display eines Smartphones – herzustellen, muss heute das Glas chemisch verfestigt werden. Dazu wird es in ein rund 400 Grad Celsius heißes Salzbad gelegt. Dort findet ein Ionenaustausch zwischen Glas und Salz statt, der zu einer Druckspannung führt, die es bruchsicher und kratzfest macht. Bisher ist dieses Verfahren aufwendig und teuer, denn der Prozess dauert bis zu 24 Stunden. Zudem muss das Salzbad häufig ausgetauscht werden. Wegen der hohen Kosten wird diese Technologie nur bei hochpreisigen Produkten angewendet.

In Freiberg wurden zwei Technologien entwickelt, die zu einer Revolution in der Glasindustrie führen können. So hat das Unternehmen ein Verfahren entwickelt, mit dem Glas viel schneller – zwischen fünf und 30 Minuten – verfestigt werden kann. Dadurch ist dünneres und mindestens genauso festes Glas möglich. „Das ist ein gigantischer Fortschritt. Die Verfestigung wird tauglich für die Massenproduktion“, meint Heidan. Das zweite Verfahren der Freiberger senkt die Prozesskosten, weil mit einem innovativen Regenerationsmaterial die teuren Salzbäder zwei- bis dreimal länger genutzt werden können. „Wir machen nicht nur das Glas besser, sondern optimieren auch den Prozess“, erklärt der Maschinenbauingenieur. Zudem sei das Material völlig ungiftig, und die längere Nutzung der Salzbäder entlaste die Umwelt, meint er.

Ersetzt das bruchsichere Glas künftig den Joghurt-Becher?

„ReViSalt denkt ein grundsätzlich bekanntes Verfahren neu und bringt seine Produkte zu einem Zeitpunkt in den Markt, zu dem die Themen Kreislaufwirtschaft und Ressourceneinsparung die Leitgedanken eines neuen Wirtschaftens sind“, sagt TGFS-Geschäftsführer Sören Schuster über die Beteiligung an dem Freiberger Start-up. Das junge Unternehmen hat nach Auskunft von Heidan bereits erste Kunden gewonnen. Im Januar startet das neue Produktionsverfahren bei einem Hersteller für Kosmetikgläser. Über die Tochterfirma 2MH-Glas gibt es bereits erste Lizenzeinnahmen. Um die eigene Produktion aufzubauen, werden insgesamt mehr als eine Million Euro investiert. „Wir sind aber auch auf der Suche nach weiteren strategischen Investoren“, versichert Heidan. Die Entwicklung des Umsatzes sei sehr positiv und liege dieses Jahr deutlich über dem konservativen Businessplan, so der Geschäftsführer.

Für die Zukunft kann sich das Freiberger Team zahlreiche neue Anwendungen für das mit ihrer Technologie hergestellte Glas vorstellen, vom Joghurt-Becher aus Glas bis hin zu Glasfassaden an Wohn- und Bürohäusern. Auch Solaranlagen benötigen ein Deckglas. „Für das Glas entstehen komplett neue Märkte“, zeigt sich Heidan optimistisch. Statt alles in Plastik abzufüllen, könne es wieder in Richtung Glas gehen, und dies sei schließlich komplett recyclebar. (cul)

Der Wirtschaftspreis„Sachsens Unternehmer des Jahres 2024“ und der Gründerpreis „Sachsen gründet – Start-up 2024“ sind eine Initiative der „Sächsischen Zeitung“, der „Freien Presse“, der „Leipziger Volkszeitung“ und des MDR sowie von VW Sachsen, der Beratungsgesellschaft Schneider + Partner, der LBBW, der Gesundheitskasse AOK Plus und „So geht sächsisch“.

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