Sachsen von Takata-Pleite nicht betroffen

Millionenfache Rückrufe wegen defekter Airbags bringen den japanischen Automobilzulieferer zu Fall. Ein chinesisch- amerikanischer Zulieferer hingegen profitiert davon.

34 Millionen Fahrzeuge von 14 verschiedenen Autobauern mussten weltweit in die Werkstätten zum Airbag-Tausch. Es gab Tote und Verletzte. Der größte Rückruf der Autogeschichte von mehr als 100 Millionen Airbag-Modulen brachte dem japanischen Autozulieferer Takata nun das Ende und Japan die bisher größte Firmenpleite der Nachkriegsgeschichte. Der Hersteller von Insassenschutzsystemen wie Airbags, Sicherheitsgurten und Kindersitzen sowie seine Tochtergesellschaft TK Holdings haben in Japan und den USA das Insolvenzverfahren eingeleitet. Die enormen Rückrufkosten für die Airbags übertreffen die Finanzkraft des Unternehmens. Die weltweite Geschäftstätigkeit und die Lieferung an Kunden sollen jedoch ohne Unterbrechung fortgeführt werden.

Bereits seit Jahren hatte Takata technische Probleme mit Airbags. Wirken Hitze und Luftfeuchtigkeit zu lange auf das Fahrzeug ein, kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen. Die defekten Airbags stammen ausschließlich aus amerikanischer und japanischer Produktion. Es sind aber einzelne Modelle von Nissan und Toyota in Deutschland sowie Fahrzeuge in den USA gefertigter deutscher Hersteller betroffen. Der entstandene Schaden soll zehn Milliarden Euro betragen.

Takata ist in rechtlich selbstständige Teilkonzerne gegliedert. Die europäischen Tochterunternehmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika gehören zu Takata Emea. In Sachsen unterhält das Unternehmen Werke in Freiberg, Döbeln und Elterlein mit insgesamt 870 Mitarbeitern. Bundesweit sind es mehr als 3000 Beschäftigte. "Takata Emea besitzt eine solide finanzielle Basis mit verlässlichen Kundenbeziehungen", sagte Emea-Chef Claus Rudolf. Die Verfahren in den USA und Japan hätten keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die europäischen Standorte.

Unterdessen forciert Takata den Verkauf an den US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) mit Sitz in Michigan. Das weltweit führende Unternehmen für Mobilitätssicherheit wird nahezu alle globalen Vermögenswerte und Geschäftsaktivitäten übernehmen. Eine entsprechende Grundsatzvereinbarung wurde bereits abgeschlossen. Der Kaufpreis beläuft sich auf etwa 175 Milliarden Yen (1,4044 Milliarden Euro).

KSS gehört zum chinesischen Zulieferer Ningbo Joyson Electronics des Unternehmers Jeff Wang. Die 2004 gegründete Ningbo-Joyson-Gruppe hat in den vergangenen Jahren mehrfach deutsche Autozulieferer gekauft.

"Durch den Zusammenschluss von Takata und KSS würde ein weltweit führender Anbieter von Sicherheitssystemen für Automobile geschaffen, der für einen langfristigen Erfolg in der Automobilindustrie hervorragend positioniert ist", meinte Rudolf. Er geht deshalb davon aus, dass der neue Eigentümer keine nennenswerten Umstrukturierungen anstrebt. "Für unsere Mitarbeiter ändert sich erst einmal nichts."

Die sächsischen Beschäftigten erfuhren am Montag bei Belegschaftsversammlungen in den Werken Freiberg und Döbeln von den Veränderungen. "Unsere Mitarbeiter sind konzentriert bei der Sache und wissen, worauf es in den nächsten Wochen und Monaten ankommt", sagte Hendrik Hasch, Werkleiter in Döbeln und Freiberg. Erst im März war bekannt geworden, dass an den beiden Standorten zusammen 150 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Vorrangig sollten dazu Zeitarbeiter freigesetzt und befristete Verträge nicht verlängert werden. "Wir werden weiterhin möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten", meinte Hasch. "Mit der Produktionsanpassung kehren wir nach ein paar Jahren der Produktion an den maximalen Kapazitätsgrenzen nun zu einer normalen Fertigungssituation und einer Fünftagewoche zurück." Der Abbau soll im ersten Quartal 2018 abgeschlossen sein.

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