Wieder mehr Lehrlinge im Handwerk

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist gut: Freie Plätze gibt es zur Genüge, dennoch ist nicht jeder Bewerber geeignet.

Chemnitz. Von insgesamt 21.562 angebotenen Ausbildungsstellen im Freistaat sind aktuell 1725 noch unbesetzt. Das teilte die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit. Ein Grund für die hohe Anzahl der freien Stellen ist auch die Entwicklung, dass die sächsischen Unternehmen immer mehr Ausbildungsplätze anbieten. 2017 waren es noch gut 21.300, jetzt mehr als 250 zusätzlich. Im Gegenzug sinken allerdings die Zahlen der Bewerber, wenn auch nur leicht, wie Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Arbeitsagentur, sagte. "In diesem Jahr haben 21.146 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Das sind zwar 769 weniger als im Vorjahr, dennoch sehe ich auf dem Ausbildungsmarkt eine Kontinuität."

Die meisten Lehrstellen werden für Kaufleute im Einzelhandel mit 1317 Plätzen angeboten. Dahinter liegen Verkäufer (840) und Bürokaufleute (803). Diese zählen neben Kfz-Mechatronikern auch zu den bei Jugendlichen beliebtesten Ausbildungsberufen bei den angehenden Azubis.

Eine positive Bilanz konnte Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, verzeichnen. In diesem Jahr haben 86 Jugendliche mehr als noch im Vorjahr eine Lehrstelle im Handwerk angetreten. Im Gegensatz zur Industrie: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) mit Chef Hans-Joachim Wunderlich verzeichnete in diesem Bereich ein Minus im Vergleich zu 2018. Mit 11.466 Stellen wurden 263 weniger als im Vorjahr besetzt.

933 Mädchen und Jungen haben aktuell noch keine Lehrstelle gefunden. Diese sollen nun weitere Beratungen von der Arbeitsagentur erhalten. Damit sollen auch noch einige der freien Stellen besetzt werden. Das ist aber nicht immer einfach. Wie Wunderlich sagt, fehle es oft nicht an fachlicher, sondern an sozialer Kompetenz bei den jungen Leuten. Dementsprechend sieht Hans-Joachim Wunderlich die Kopfnoten auf den Zeugnissen als enorm wichtig für die potenziellen Arbeitgeber: "Vielen fehlt die Motivation, Pünktlichkeit und das engagierte Arbeiten. An Schulnoten kann man das nicht festmachen. Diese Kompetenzen lassen sich aber sehr wohl in den Kopfnoten ablesen."

Eine weitere Schwierigkeit kommt mit der beschlossenen Mindest-Ausbildungsvergütung, die unlängst verabschiedet wurde. Zwar würden die meisten Betriebe schon jetzt mehr als das gesetzliche Minimum zahlen, es treffe aber besonders kleine Unternehmen in nur noch wenig verbreiteten Zünften wie den Korbmachern, erklärt Wagner. "Dort besteht die Gefahr, dass diese Berufe aussterben, weil die Firmen diese Vergütung nicht zahlen und sich Auszubildende schlicht nicht leisten können."

Generell gehen Kammern und Arbeitsagentur davon aus, dass sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt nicht verschlechtern wird. "Die Schülerzahlen in Sachsen steigen und die Ausbildungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Das wird auch so bleiben.", so Hansen.

 

 

Die meisten offenen Lehrstellen gibt es in Sachsen für die Berufe  (Stand September)

  • Kaufmann im Einzelhandel: 1317
  • Verkäufer: 840
  • Kaufmann Büromanagement: 803
  • Mechatroniker: 654
  • Zerspanungsmechaniker: 615
  • Fachkraft Lagerlogistik: 609
  • Koch: 515
  • Industriemechaniker: 486
  • Kfz-Mechantroniker: 476
  • Industriekaufmann: 419

 

Das sind die Wunschberufe der Jugendlichen (Stand September):

  • Verkäufer: 1818
  • Kaufmann im Einzelhandel: 1047
  • Kfz-Mechantroniker: 988
  • Kaufmann Büromanagement: 873
  • Fachlagerist: 667
  • Tischler: 423
  • Mechatroniker: 399
  • Fachinformatiker: 397
  • Verwaltungsfachangestellter: 389
  • Koch: 385
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