Wirtschaft im Erzgebirge fordert offene Grenze für Berufspendler

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Rund 2000 Berufspendler aus Tschechien fehlen plötzlich in den Betrieben der Region. Unternehmen müssen Schichten streichen. Ein Brief an die Landesregierung zeigt die akute Notlage.

Annaberg-Buchholz.

Die Wirtschaft im Erzgebirge fordert die schnellstmögliche Rücknahme der Grenzschließung für Berufspendler. Es sei nicht einzusehen, dass Pflegekräfte aus dem Hochrisikogebiet in Tschechien uneingeschränkt einreisen dürfen, um in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu arbeiten, Industriebeschäftigte aber nicht, schreibt die Wirtschaftsförderung Erzgebirge in einem offenen Brief an die Landesregierung. Die Diskriminierung in Form der Bewertung von systemrelevanten und unwichtigen Beschäftigten müsse aufhören, heißt es in dem Schreiben.

Vor allem die Zulieferindustrie im Erzgebirgskreis ist von der Grenzschließung unmittelbar betroffen. Rund 2000 Berufspendler fehlen plötzlich in den Betrieben der Region. So vermisst der Automobilzulieferer "a.i.m. all in metal" in Pockau-Lengefeld derzeit 60 der 370 Beschäftigten. Das Unternehmen musste von einer Dreischicht- auf eine Zweischicht-Produktion umstellen. Bei dem Hersteller von Gartentechnik Mogatec in Drebach fehlen 80 der rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zudem machen die tschechischen Beschäftigten fast die Hälfe der Produktionskräfte aus. Geschäftsführer Alexander Gränitz sieht die Existenz des Unternehmens gefährdet, wenn die mit der Grenzschließung verbundenen Produktionsausfälle länger andauern. "Dieser bisher erfolgreiche, hochindustrialisierte ländliche Raum, mit der am Boden liegenden Tourismuswirtschaft, wird durch die Grenzschließung schwer geschädigt", schreiben Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und Bereichsleiter Wirtschaftsservice Jan Kammerl im Namen vieler regionaler Unternehmen in ihrem Brief.

 

Das könnte Sie auch interessieren

22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 13
    6
    GPZ
    18.02.2021

    Ich schüttle da auch nur mit dem Kopf. Das mit Pflegekräften zu vergleichen ist purer Hohn. Wenn ein Auto weniger gebaut wird, dann ist das eben so. Andere Zweige haben mehr Einschränkungen und mehr zu kämpfen. Soll die Industrie doch froh sein, dass sie nicht auch im Lockdown ganz schließen musste. Glaube, dass sollte man den Firmen mal als Alternative anbieten. Auch wird der Tourismus noch später in Gang kommen, wenn man das Pendeln und damit den Virusaustausch nicht einschränkt.

  • 26
    12
    MuellerF
    18.02.2021

    " Es sei nicht einzusehen, dass Pflegekräfte aus dem Hochrisikogebiet in Tschechien uneingeschränkt einreisen dürfen, um in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu arbeiten, Industriebeschäftigte aber nicht "

    Bei so viel Dreistigkeit bekomme ich ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln!
    Dass Grenzschließungen evtl. kommen, hätte man ahnen & sich für den Fall der Fälle vorbereiten können! Soviel zu unternehmerischer Eigenverantwortung...