Der Büroschläfer

Wie eine kurze Mittagsruhe das Leben verlängert

Pofen, pennen, ratzen, schlummern. Jeder braucht es. Alle wollen es. Ohne Heiaheia käme niemand wirklich zur Ruhe. Und doch hat er mitunter einen schlechten Ruf: der Schlaf. Verschlafen wird die Zukunft, Entwicklungen, der richtige Augenblick. Penner nennt man Zeitgenossen, die den Moment verpassen oder unter der Brücke hausen. Und Schläfer - das sind die Bösen unter uns, die Beinaheterroristen. Den Wachen, Aufgeweckten gehört die Welt. Das sind die Guten.

Schlag nach in den Mythen der Antike, bei den alten Griechen: Da war der Schlaf noch wer - hatte ein weitaus besseres Renommee. Saß gar in der Chefetage, im Olymp, war ein Gott: Hypnos, zuständig für den Tiefschlaf, wohnte in einer Höhle, die Lethe durchfloss - der Fluss des Vergessens. Hypnos gab der Hypnose den Namen. Ein Fingerschnippen - und wir sind wieder da, wo Morpheus, der Gott der Träume und Sohn des Hypnos, keine Lobby hat. In einer Welt, in der es heißt: Nur der frühe Vogel fängt den Wurm.

Erstens: am Telefon den Stecker ziehen, Handy aus. Zweitens: die Tür zumachen, den Schlüssel umdrehen. Drittens: Jalousie nach unten, Vorhang zu. Hinlegen, durchatmen, Augen schließen. So geht das, was nach Ansicht vieler gar nicht geht - zumindest auf Arbeit, im Büro: ein Nickerchen in der sexta hora, der sechsten Stunde nach Sonnenaufgang. Aus dem Lateinischen ins Spanische gebracht, wurde daraus: die Siesta. Der Mittagsschlaf.

Mit dem Kopf auf dem Schreibtisch: Wer macht den so was? Das gehört sich nicht. Das ist keine Arbeitsmoral. Hypnos und High Noon - das ist ein falscher Film. Wir wollen volle Leistung sehen, kein verschnarchtes Bruttosozialprodukt. Mittagsschlaf ist eine Provokation aus Sicht von Sekundenzählern.

Ärzte aus Lausanne haben Hypnos rehabilitiert. Sie untersuchten 3400 ihrer Mitbürger und stellten in einer Studie fest, dass Menschen, die ein- bis zweimal die Woche eine kurze Mittagsruhe halten, wesentlich gesünder sind. Das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt sinkt fast um die Hälfte. Denn eine Siesta mindert den Stresspegel, was die Lebenszeit verlängert. Das sollte man ruhig glauben. Weil von Uhren verstehen sie schließlich etwas, die Schweizer.

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