Eine gute Matratze ist punktelastisch

Wer nach dem richtigen Schlafzubehör sucht, lässt angesichts der Produktvielfalt schnell Nerven. Diese Tipps helfen.

Je härter eine Matratze ist, desto besser. "Das war einmal", sagt Dr. Jörg Panzert, Vorsitzender des Berufsverbandes der Orthopäden in Sachsen. "Das Motto stammt aus der Zeit, in der Matratzen meist viel zu weich waren und man in einer Kuhle durchhing." Der Orthopäde aus Auerbach meint sogar, dass die meisten Menschen inzwischen auf zu harten Unterlagen schlafen. Aber wie lässt sich unter den vielen Modellen, Härtegraden und Materialien die richtige Matratze finden? Auf der man sich nicht durchbiegt, weder schwitzt noch friert? Und welche Rolle spielen Lattenrost, Decke und Kissen für einen erholsamen Schlaf?

Matratze - Kurzes Testen reicht nicht: Im Schlaf regeneriert der Körper die Muskeln, Sehnen, Bänder und Bandscheiben. "Liegen sie druckentlastet, schläft man ruhiger und erholsamer", erklärt Schlafberater Torsten Röhr aus Dresden. Eine Matratze sollte deshalb im Bereich der Schulter, auf der das gesamte Oberkörpergewicht lastet, und im Hüft- und Beckenbereich etwas nachgeben. Alle Matratzenhersteller versprechen, dass ihre Produkte die Wirbelsäule entlasten. Weil aber jeder Mensch unterschiedlich gebaut ist und eine bestimmte Liegeposition bevorzugt, lässt sich die Frage nach der richtigen Matratze nur individuell beantworten. Das zeigen auch die Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest. 342 verschiedene Matratzen haben die Prüfer in den vergangenen Jahren untersucht und nur sehr wenige für jede Statur empfohlen, darunter die preisgünstige Schaumstoffmatratze "Bodyguard". Anbieter Bett1.de verkauft sie ab 199 Euro.

Für Orthopäde Panzert ist das Gewicht das Hauptkriterium für die Matratzenwahl. Meist eignen sich harte Unterlagen besser für schwere Menschen, weiche eher für leichte. Passt die Matratze nicht, macht sich das deutlich bemerkbar: Ist die Schlafunterlage zu weich, sinkt vor allem der schwerste Teil am Körper, das Becken, zu tief ein. Bei Bauch- und Rückenschläfern wird die Wirbelsäule dadurch überstreckt.

Am nächsten Morgen antwortet der Körper mit Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ist die Matratze zu hart und nicht an den richtigen Stellen elastisch, können Schulter oder Becken nicht einsinken. Die Muskeln bekommen zu viel Druck, werden schlechter durchblutet, verspannen sich. "Bereits nach wenigen Stunden schmerzt der ganze Körper", sagt Panzert. Die meisten Menschen schlafen in Seitenlage. "Dabei fühlt man sich am wohlsten, wenn es gelingt, die gesamte Wirbelsäule gerade zu lagern."

Um Haltungsschäden vorzubeugen, sollte eine Matratze punktelastisch sein und nur an den Stellen einsinken, auf denen der Körper mit großem Druck aufliegt. Überprüfen lässt sich das, indem man mit der Faust auf die Oberfläche drückt. Kaltschaum-, Taschenfederkern- oder Latexmatratzen werden nur an diesem Punkt nachgeben. Schlechter lässt sich die Härte der Matratze testen. Hersteller verleihen ihren Produkten bestimmte Grade. Allerdings sind die nicht gesetzlich geregelt. Die meisten Unterlagen sind weicher als angegeben. Auch Schlafklima und Luftzirkulation sind für eine erholsame Nachtruhe wichtig. So sollten Schnellschwitzer lieber eine Federkernmatratze wählen, die durch ihren Aufbau für eine gute Belüftung sorgt. Das gilt auch für Naturlatex. Kalt- oder Visco-Schaummatratzen sind hingegen für fröstelnde Menschen geeignet, da sie die Wärme halten.

Lattenrost - Am besten einfach: Ein Lattenrost hat zwei Aufgaben: Er soll die Matratze stützen und von unten belüften, damit sich weder Staunässe noch Schimmel bilden können. Schließlich gibt jeder Mensch pro Nacht rund einen halben Liter Feuchtigkeit ab. Hersteller bieten sie in verschiedenen Ausführungen an. Schlafberater Röhr favorisiert feste und einfache Lattenroste. "Flexible Latten, die federn und sich biegen, sind nicht nötig, wenn die Matratze richtig ist", sagt er. Auch die Prüfer der Stiftung Warentest raten eher zu den preisgünstigeren starren Modellen.

Kissen - Mehr als nur Beiwerk: Ein gutes Kissen muss den Nacken stützen und die Wirbelsäule gerade halten - ganz egal, ob der Schläfer lieber auf dem Rücken oder auf der Seite liegt. "Für Bauchschläfer ist ein dünnes, lockeres Kissen geeignet", sagt Panzert. Die Materialien spielen für ihn eine untergeordnete Rolle - Hauptsache, der Schläfer liegt ergonomisch und fühlt sich wohl. Klassisch sind Daunenkissen, in die man sich einkuscheln kann. Sie halten die Wärme und leiten Feuchtigkeit ab, verlieren aber an Volumen. Gegen Nackenschmerzen können Stützkissen helfen. Sie enthalten einen modellierten Schaumkern mit einer Füllung aus Schaumstoff, Latex oder viskoelastischem Schaum. Hochwertige Kissen lassen sich individualisieren, indem einzelne Schichten hinzugefügt oder weggelassen werden. Generell gilt: je härter die Matratze, desto höher das Kissen. Seitenschläfer sollten darauf achten, dass ihre Schulter nicht auf dem Kissen liegt. Sonst wird ihr Einsinken in die Matratze behindert.

Decke - Klimaanlage im Bett: Schlafforscher haben herausgefunden, dass Menschen in der ersten Nachthälfte zum Schwitzen neigen und in der zweiten Hälfte eher frieren. Eine Decke muss auf beides reagieren, den Nachtschweiß schnell wegleiten und den Schlafenden wärmen. Welche Materialien das können, hat die Stiftung Warentest ebenfalls untersucht. Daunen, so das Fazit, sind dafür am besten geeignet, vor allem, wenn sie zu Kassettendecken verarbeitet wurden. Es gibt sie in Winter- und Sommerdeckenqualität. Allerdings können Daunen verklumpen, wenn sie feucht werden, und sie sollten professionell gereinigt werden. Synthetikdecken sind pflegeleichter. Sie lassen sich mit der Waschmaschine waschen und an der Luft trocknen. Deshalb sind sie bei Allergikern beliebt. Aber sie wärmen nicht so gut wie Daunen und geben die Feuchtigkeit schlechter ab. Wer viel schwitzt, ist mit Decken aus Kaschmir oder Kamelhaar besser beraten, so die Tester. Für leichte Sommerdecken eignen sich Baumwolle und Seide. Auch die sind atmungsaktiv und geben Feuchtigkeit schnell ab.

Fazit - Wohlfühlen ist alles: Egal ob Matratze, Lattenrost, Kissen oder Decke: "Beim Kauf sollte man auf sein Körpergefühl hören", sagt Warentester Hans-Peter Brix. Das richtige Produkt zu finden, kann dauern. Ob es am Ende passt, lässt sich nur bedingt im Bettenstudio herausfinden. Deshalb raten die meisten Schlafexperten dazu, sich Zeit für die Auswahl zu nehmen und die Produkte am besten mehrere Nächte lang zu Hause auszuprobieren. Denn Eile beim Kauf rächt sich. Gibt es Zweifel oder ist zum Beispiel die Matratze trotz sorgfältiger Auswahl unbequem, dann sollte man vor einem Umtausch nicht zurückschrecken - und im Laden dafür schon vorher ein Rückgaberecht vereinbaren. Onlinehändler müssen ihre Waren 14 Tage lang zurücknehmen, viele gewähren eine 100-tägige Probeschlafgarantie.


Maßgeschneidert gebettet

Katrin aus Heidenau hat eine Wirbelsäulenerkrankung, die sie jahrelang schlecht schlafen ließ. "Eines Morgens habe ich meinen Arm nicht mehr gespürt. Er lag wie tot neben mir, ein unheimliches Gefühl", sagt die 42-Jährige. Sie kaufte sich eine härtere Matratze. Doch die verschärfte ihre Probleme. "Ich bin nachts aufgewacht, weil ich vor Schmerzen nicht mehr wusste, wie ich mich hinlegen sollte." Hilfe fand sie bei Schlafberater Torsten Röhr in Dresden. Mit einem Liege-Simulator errechnete er, wo sich ihr Körper in die Unterlage drückt, wo sie ihn stützen oder nachgeben sollte. Katrin ließ sich eine Matratze maßschneidern. Liegt sie darauf, ist ihre Wirbelsäule schnurgerade, nichts knickt ein oder ist überstreckt. "Seither schlafe ich besser, bin fitter. Es lebt sich leichter." rnw


Mittagsschlaf? Ja, aber ...

Jeder kennt den Moment: Irgendwann gegen Mittag werden die Augenlider schwer, und man möchte auf der Stelle einschlafen. Aber ist das - mit Blick auf die kommende Nacht - überhaupt ratsam?
Die Antwort der meisten Schlafforscher lautet: Ja, aber. In seinem Buch "Die schlaflose Gesellschaft" rät Hans-Günther Weeß: "Führen Sie regelmäßig einen Mittagsschlaf durch." Studien hätten gezeigt, dass dadurch nicht nur die Leistung gesteigert, sondern auch Stress abgebaut und die Lebenserwartung erhöht werden. Auch die Stiftung Warentest plädiert im Buch "Endlich schlafen" für ein Power-Napping.

Das Aber bezieht sich auf Dauer und Zeitpunkt der Mittagsruhe. Idealerweise sollte sie 20 Minuten dauern, so Warentest. Weeß hält zehn bis 20 Minuten für optimal. Sein Tipp: Nehmen Sie einen Schlüsselbund in die Hand. Fällt dieser zu Boden, hatten Sie genug Schlaf. (rnw/sk)


Telefonforum: Was tun bei Schlafstörungen?

Viele Sachsen kennen das Problem, abends nicht einschlafen oder nachts nicht durchschlafen zu können. In unserer Serie haben wir die häufigsten Schlafstörungen vorgestellt. Nun haben Sie die Gelegenheit, Ihre Fragen an erfahrene Schlafmediziner zu richten. Am 24. April, 14 bis 16 Uhr, warten folgende Experten auf Ihren Anruf:

Telefon 0351 48642807: Dr. Carolin Marx-Dick, Psychotherapeutin, Leiterin Zentrum für gesunden Schlaf


Telefon 0351 48642806: Dr. Moritz Brandt, Facharzt Neurologie, Leiter Schlaflabor am Uniklinikum Dresden


Telefon 0351 48642805: Prof. Thorsten Doering, Facharzt und Schlafmediziner

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