Immundefekt bei Babys jetzt sofort erkennbar

Neuer Bluttest auf seltene Erkrankung wird Teil des Neugeborenenscreenings

In Deutschland können alle Neugeborenen ab August 2019 auf angeborene Immundefekte untersucht werden. Der für das Screening der seltenen Erkrankung erforderliche Bluttest wurde durch das Immun-Defekt-Centrum (IDCL) am Klinikum St. Georg in Leipzig entwickelt, sagt Dr. Iris Minde, Geschäftsführerin des Klinikums, am Montag.

Bei der Erkrankung mit der Fachbezeichnung Servere Combined Immunodeficiency (SCID) fehlen dem Kind Antikörper, um Krankheiten abzuwehren. Schon in frühester Kindheit haben sie permanent Infektionen der Lunge, des Mittelohres oder des Nierenbeckens. Aufgrund des unspezifischen Beschwerdebildes ist die Erkrankung schwer zu diagnostizieren. Nur bei etwa zwei Prozent der Betroffenen in Deutschland sei die Krankheit bisher erkannt worden. "Die Dunkelziffer ist hoch", so die Geschäftsführerin. Nicht selten sterben die Kinder bereits vor Erreichen des ersten Lebensjahres.

"Dass die wegweisende Methode nun endlich deutschlandweit in das Routinescreening aufgenommen wird, ist für die betroffenen Kinder und deren Familien von unschätzbarem Wert und macht neue Hoffnung", so Barbara Klepsch, Gesundheitsministerin von Sachsen. "Denn langwierige und kostenintensive Behandlungen werden ihnen erspart." Wird SCID zunächst mit Immunglobulinen, später mit Stammzell- oder Knochenmarktransplantation behandelt, können die Kinder meist ein normales Leben führen.

Das Neugeborenenscreening, das zwischen 36 und 72 Stunden nach der Geburt empfohlen wird, wird damit auf dann insgesamt 14 Tests erweitert. Allesamt Erkrankungen, für die es bei früher Erkennung eine wirksame Behandlung gibt. Dafür werden dem Kind wenige Blutstropfen aus der Ferse entnommen, auf eine Filterpapierkarte getropft und in Speziallaboren untersucht. Bei den 13 Erkrankungen, auf die bisher schon untersucht wird, handelt es sich um schwere Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Mukoviszidose oder Schilddrüsenunterfunktion. sw/rnw

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