Patienten-Ärger über abgelehnte Kassenleistungen wächst

Die Unabhängige Patientenberatung registriert immer mehr Beschwerden. Dabei sind Patienten oft im Recht.

Berlin/Chemnitz.

Immer mehr Menschen suchen die Hilfe der Unabhängigen Patientenberatung. Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr knapp 130.000 Anfragen an die Ärzte, Juristen und Sozialversicherungsexperten der gemeinnützigen Organisation gestellt - 40 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Das geht aus dem aktuellen Report der Patientenberatung hervor, der in Berlin vorgestellt wurde.

Den meisten Beratungsbedarf gab es mit mehr als 40.000 Anfragen zu Problemen mit Kassenleistungen - zum Beispiel der Zahlung von Krankengeld und der Übernahme von Hilfsmittelkosten. Rund 6000 Patienten suchten zu medizinischen Behandlungsfehlern Rat.

Der Geschäftsführer der Patientenberatung Thorben Krumwiede kritisiert, dass die Genehmigung von Leistungen durch die Krankenkassen nicht immer nachvollziehbar sei. "Die Kommunikation gegenüber Versicherten ist oft unzureichend oder sogar irreführend", sagt er. Das zeige sich besonders im Umgang mit Widersprüchen gegen abgelehnte Kassenleistungen. Der Patientenberatung liegen bundesweit mehr als 12.000 Schreiben vor, in denen Versicherte von ihren Krankenkassen aufgefordert werden, über eine Rücknahme ihres Widerspruchs zu entscheiden. "Es wird damit der Eindruck erweckt, der Widerspruch sei erfolglos, obwohl es noch gar keine abschließende Entscheidung dazu gab", sagt Krumwiede. "Wir befürchten, dass diese Praxis bereits System hat." Krumwiede zufolge seien ausnahmslos alle Kassen davon betroffen.

Auf Anfrage der "Freien Presse" erklärten die großen Krankenkassen in Sachsen, dass die allermeisten Leistungsanträge genehmigt würden. Bei der AOK Plus mit 2,2 Millionen Versicherten im Freistaat gingen 2018 insgesamt 17.230 Widersprüche ein. "33,5 Prozent davon wurden abschlägig beschieden", sagt Sprecherin Hannelore Strobel. Jeder Sechste zog seinen Widerspruch nach Post von der Kasse zurück.

Über die verbleibenden Widersprüche entscheidet ein Ausschuss aus Versicherten und Arbeitgebern - oft zugunsten der Versicherten, wie eine Studie des Patientenbeauftragten der Bundesregierung von 2017 zeigt. "Mit der Aufforderung zur Rücknahme ihres Widerspruchs wird Versicherten diese Chance genommen", so der Sprecher der Patientenberatung Jann Ohlendorf. Auch die Entscheidung vorm Sozialgericht sei so nicht mehr möglich.

Ähnlich wie die AOK Plus verfahren auch die IKK classic und die Techniker Krankenkasse (TK) in Sachsen. Bei der IKK wurde jeder fünfte Widerspruch zurückgenommen. Die TK machte dazu keine Angaben. Knappschaft, Barmer und DAK betonen, die Versicherten nicht zur Rücknahme ihres Widerspruchs aufzufordern. Barmer und DAK nannten jedoch keine Zahlen über eingegangene Widersprüche und deren Erfolgsaussichten.

Aus Sicht der Patientenberatung ist das kritikwürdig. "Denn ebenso wie der Beitragssatz und das Leistungsspektrum der Kasse kann auch der Umgang mit Widersprüchen der Versicherten ein Kriterium für einen Kassenwechsel sein", sagt Ohlendorf. Versicherte sollten ihm zufolge solche Rücknahme-Aufforderungen nicht falsch interpretieren. Denn jedem stünde es frei, mögliche Rechtsmittel auch auszuschöpfen. Die Deutsche Patientenberatung informiert dazu kostenfrei.

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