Was bringt ein sportmedizinischer Test?

Viele Freizeitsportler lassen ihre Leistungsfähigkeit checken - oft auf eigene Kosten. Die Uniklinik Dresden sagt, wie's geht.

Simone Saloßnick hatte ein Ziel: Sie wollte zum Oberelbe-Marathon am vergangenen Wochenende beim Zehn-Kilometer-Wettbewerb starten. "Momentan bin ich aber nach fünf Kilometern an meiner Leistungsgrenze", sagt die 54-Jährige und bekam Zweifel. Derzeit läuft sie einmal in der Woche. War das Ziel also realistisch?

Um das herauszufinden, hat sie sich am Uniklinikum Dresden sportmedizinisch testen lassen. Hier in den Trainingsräumen, wo Leistungssportler wie Tom Liebscher, Anna Seidel oder Francesco Friedrich aus- und eingehen, ließ sie ihre Ausdauer überprüfen. Sie profitierte dabei von den Erfahrungen aus der Diagnostik von Spitzensportlern. "Die Anzahl der Breitensportler nimmt bei uns zu", sagt Sportmedizinerin Heidrun Beck. Ziel sei es, Gesundheitsprobleme zu erkennen, die beim Sport riskant sein können.

"Zu hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Probleme durch Rauchen, aber auch Fehlstellungen von Gelenken, der Wirbelsäule, Verkürzungen oder Muskelschwäche - all das stellen wir fest", sagt Beck. "Solche Befunde teilen wir dem Hausarzt mit und empfehlen weiterführende Untersuchungen oder Therapien. Oder wir geben eine Anleitung zu gezielten gymnastischen Übungen mit." Es ist auch möglich, dass der Hausarzt selbst eine Sportuntersuchung durchführt. Voraussetzung sollte aber eine sportmedizinische Vorbildung sein. Solche speziellen Untersuchungen bieten auch die 167 Mitglieder des Sächsischen Sportärztebundes an.

Den Sportcheck empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention jedem, der mit intensivem Sport beginnt, vor allem ambitionierten Wettkampfsportlern und Älteren, die ab 40 oder 50 wieder einsteigen wollen. "Moderater Ausdauersport ist gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wichtig", so Sportmedizinerin Beck. Vom Sport abraten würde sie nur bei schwerwiegenden Herz-Muskel-Erkrankungen oder Herzklappenfehlern. Allerdings gebe es auch da in Herzsportgruppen Trainingsmöglichkeiten. "Der Umfang der Sportuntersuchung hängt dabei vom Leistungsanspruch ab", sagt Dr. Axel Klein, Vorsitzender des Sächsischen Sportärztebundes.

Was genau aber gehört zu einem Sportcheck? Zunächst schaut sich der Arzt die Krankheitsgeschichte an, fragt nach Beschwerden und den geplanten Aktivitäten, bestimmt Blutwerte, misst den Blutdruck, begutachtet Wirbelsäule, Gelenke und Muskulatur. Es folgen Ruhe- und gegebenenfalls Belastungs-EKG sowie ein Lungenfunktionstest. Ein Laktattest gibt Aufschluss über den jeweiligen Fitnesszustand. Laktat entsteht, wenn der über die Atmung aufgenommene Sauerstoff nicht ausreicht, um den Energiebedarf der Muskeln zu decken.

Simone Saloßnick ist gesund. Der Laufeinsteigerin geht es um mehr Ausdauer. Die Sportmediziner hatten ihr dafür einen Stufentest auf dem Laufband empfohlen. Bevor sie ihre Schritte setzte, wurde sie verkabelt: Ein Gurt am Rücken nimmt dem Laufband den Strom, falls der Läufer ins Straucheln kommt. Mit dem Brustgurt wird der Puls gemessen, und eine Maske sitzt über Nase und Mund. So hat der medizinisch-technische Assistent Stephan Lasch auch gemessen, wie viel Sauerstoff Saloßnick aufnimmt und wie viel Kohlendioxid sie ausatmet. Mehrmals wurde ihr für den Laktatwert Blut aus dem Ohrläppchen genommen. Je besser sich Laktatbildung und -abbau im Gleichgewicht befinden, umso besser ist die Leistungsfähigkeit. Und je höher die Schwelle liegt, desto schneller lässt sich ein Marathon laufen. Für Simone Saloßnick ist Marathon kein Thema.

Trotzdem zeigte sie sich zufrieden: Sie ist gleichmäßig fünf Minuten mit 7 km/h gelaufen. Bei 13km/h war nach einer halben Stunde Schluss. Ihre Laktatschwelle hatte sie erreicht. Auch wenn die Werte für die Hobbysportlerin nicht schlecht waren, empfahl ihr Sportwissenschaftler Philipp Flößel, mit dem Wettkampf noch zu warten und den Trainingsumfang erst langsam zu steigern. "Sportanfänger neigen dazu, schnell zu intensiv zu trainieren", sagt Beck. Wichtig sei eine Ruhephase von mindestens einem Tag, weil muskuläre oder andere gesundheitliche Probleme die Freude am Lauf oder an anderen Sportarten nehmen können. Gut sei Ausgleichssport wie Übungen im Fitnessstudio, Yoga oder Rückenschule. Auch Simone Saloßnick geht regelmäßig zum Zirkeltraining.

Nach Auswertung der medizinischen Untersuchungen und Tests, bei denen auch eine Kraftdiagnostik möglich ist, geben die Sportmediziner Empfehlungen für leistungsgerechte Trainingspläne. Bei Fehlstellungen und Problemen mit der Muskulatur erhalten Hobbysportler Hinweise auf einen anderen Laufstil oder ausgleichendes Training für mehr Kraft. Für Simone Saloßnick heißt das, langsamer zu laufen, den Trainingsumfang auf zwei- bis dreimal die Woche zu steigern sowie Intervalltraining mit langsamen und schnelleren Phasen zu beginnen.

Nicht jeder Hobbysportler braucht aber für diese Erkenntnisse eine umfangreiche Leistungsdiagnostik. Manchmal reicht eine Vorsorgeuntersuchung. Denn ein Sportcheck ist nicht billig. Je nach Leistungsumfang kostet er zwischen 60 und 220 Euro. Da er zu den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gehört, beteiligen sich nur einige gesetzliche Krankenkassen an den Kosten.

Für Simone Saloßnick war der Test wichtig. Denn sie weiß jetzt, dass sie mehr Ausdauer braucht und für den Wettkampf noch ein Jahr warten muss. 2020 will sie dann aber auf der Starterliste beim Oberelbe-Marathon stehen. Mit ihr werden dann auch 15 Dresdner an der Elbe unterwegs sein, die an einem Halbmarathon-Sportprojekt des Marathon-Veranstalters und des Uniklinikums Dresden teilnehmen. Voraussetzung ist, dass sie in den letzten zwei Jahren bereits mindestens einen 10-Kilometer-Wettkampf absolviert haben. Sie müssen mit Kosten von 400 Euro rechnen, da sie nicht nur sportmedizinisch betreut, sondern für sie auch individuelle Trainingspläne aufgestellt werden. Dazu kommt die Startgebühr. Interessenten erfahren Details am heutigen Samstag ab 16.30 Uhr bei einer Informationsveranstaltung im World Trade Center in Dresden. Wer sich bewirbt, muss noch einige Tests absolvieren.

Fleißig trainieren wird auch Simone Saloßnick, so wie es ihr Philipp Flößel empfohlen hat: Langsamer angehen, mehrmals in der Woche und die Kilometerzahl steigern.

www.freiepresse.de/sportmedizin


Diese Kassen zahlen 

Die AOK Plus erstattet alle zwei Jahre 90 Prozent der Kosten für eine sportmedizinische Untersuchung. Für eine Basisuntersuchung werden maximal 60 Euro, für eine erweiterte Untersuchung ohne Lungenfunktionstest 100, mit Lungenfunktionstest 120 Euro gezahlt.

Die DAK-Gesundheit beteiligt sich alle zwei Jahre mit bis zu 60 Euro an den Kosten, wenn eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung vorliegt und die Behandlung durch einen zugelassenen Vertragsarzt erfolgt. Bei bestätigten Risikofaktoren können folgende Leistungen in Anspruch genommen werden: Belastungs-EKG, Lungenfunktionstest und Laktatbestimmung. Dann erhöht sich der Zuschuss auf bis zu 120 Euro.

Die TK Sachsen erstattet alle zwei Jahre 80 Prozent der Kosten für eine sportmedizinische Untersuchung, pro Behandlung nicht mehr als 65 Euro für die Basisuntersuchung, 90 Euro für die erweiterte Untersuchung und 120 Euro für die erweiterte Untersuchung mit Lungenfunktionstest.

Zudem beteiligen sich einige Betriebskrankenkassen an den Kosten.

www.dgsp.de

www.ssäb.de

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