Al-Fayoum: Wüste, Wasser, Wein

Die Halboase in Ägypten war einst Feriendomizil der Pharaonen. Nun erobern Touristen die bis vor Kurzem schwer zugängliche Provinz.

Der Geländewagen wartet schon. Eben haben wir das Frühstück im Oasen-Hotel genossen, nun soll es in die Wüste gehen. Sand und nichts als Sand - so stellt man sich die Wüste vor. Und Ägypten hat bekanntlich jede Menge davon. Östlich vom Nil die Arabische Wüste, westlich davon die Libysche. Hier, etwa 100 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Kairo entfernt, brechen wir auf zu unserem Wüstenabenteuer.

Fünf Leute passen in den Jeep. Aber wir sind nicht allein. Eine Polizeieskorte begleitet uns auf der Tour zum Naturschutzgebiet Wadi El Rayan. Unaufdringlich, aber stets wachsam. Zwar gibt es für diese Gegend keine offizielle Reisewarnung. Aber weil es in Ägypten immer wieder Anschläge gibt, will man wohl auf Nummer sicher gehen.

Unser Fahrer - gekleidet wie ein arabischer Wüstensohn - legt den ersten Stopp ein. Kein Sand, sondern ein See tut sich vor uns auf. "Der Qarun-See ist etwa 40 Kilometer lang und fast zehn Kilometer breit", sagt Reiseführer Aladin Kotb Osman. "Und er hat keinen Abfluss." Am seichten, schilfbewachsenem Ufer treffen wir auf Fischer mit ihren Netzen, die verschiedene Fische, darunter den auch bei uns bekannten Tilapia, gefangen haben. Begleitet werden sie von Möwen und Königsfischern, grauen Flamingos, Silberreihern, Schwarzhalstauchern und Ibissen. Die vielen Zug- und heimischen Vögel sind der Grund, weshalb Besucher am See nicht nur Kamel- und Pferdeausritte, sondern sogar Vogelsafaris unternehmen können.

Aber wir wollen ja in die Wüste. Und da folgt schon die nächste Überraschung: zwei weitere Seen. So viel Wasser hatten wir hier, mal abgesehen vom Nil, wirklich nicht erwartet. "Der Rayan-See wird vom Nil gespeist", erklärt Aladin. Von dort werde das Wasser über einen künstlichen Kanal durch die Wüste zum tiefer gelegenen Magic Lake geleitet. Der Höhenunterschied ist so groß, dass mehre Wasserfälle entstanden sind, darunter die größten des Landes. Wer nun Ausmaße wie an den Niagara-Fällen im Kopf hat, wird zwar enttäuscht. Dafür sind die hiesigen Wasserfälle bei Einheimischen und Touristen eine beliebte Badestelle.

Auch wir haben unsere Badesachen dabei. Aber Aladin vertröstet uns, bis wir am Magic Lake, dem Zaubersee, angelangt sind. Der hat seinen Namen einer natürlichen Erscheinung zu verdanken: Mehrmals am Tag wechselt er seine Farbe, von Dunkelblau über Azur bis fast Schwarz. Und auch zum Baden ist er ideal. Ringsherum herrscht absolute Stille, das Salzwasser ist bei 25 Grad Außentemperatur in den Wintermonaten angenehm warm. Jedenfalls für uns. Unser Fahrer sieht das offenbar anders. Bei "so einer Kälte", wie er sagt, würde er nie schwimmen gehen. Deshalb empfängt er uns nach der Rückkehr ans Ufer mit süßem, frisch gebrühtem Schwarztee. "Zum Aufwärmen!"

Unser Jeep passiert skurrile Steinformationen und Wanderdünen. Dort legen wir wieder einen Zwischenstopp ein und rutschen auf Sandboards den Hang hinunter. Was für ein Spaß! Schließlich gelangen wir nach Tunis. So heißt nicht nur die Hauptstadt des nordafrikanischen Staates Tunesien, sondern auch ein Dorf in der Halboase Al-Fayoum, das vor etwa 60 Jahren von zwei berühmten ägyptischen Dichtern gegründet wurde.

Hier leben und arbeiten Künstler und Töpfer. Wir spazieren durch kleine Galerien und Werkstätten und die berühmteste Töpferschule Ägyptens, die einst von einer Schweizerin errichtet wurde. Farben, Muster und Formen der Töpferwaren sind genauso berühmt wie die der Stickereien. Diese Kunst demonstrieren Frauen bei einer Führung durch das soziale Unternehmen "Malaika", das von zwei Engländerinnen geführt wird. Al-Fayoum ist übrigens eines der ältesten landwirtschaftlichen Zentren des Landes - was uns angesichts der Wasservorräte inzwischen nicht mehr verwundert.

Ortswechsel. Jenseits des Nils, am Rande der Arabischen Wüste und direkt am Roten Meer, liegt El Gouna. Ein Touristenort mit künstlich angelegten Lagunen, perfekt für einen erholsamen Urlaub. Es gibt ein Stadtzentrum mit Geschäften und internationalen Restaurants, man spaziert über Flaniermeilen und amüsiert sich in Kinos, Jachthäfen und Tauchzentren. Urlauber werden von geschultem Personal umsorgt. Dafür sorgt unter anderem eine Ausbildungskooperation mit der IHK Leipzig in 18 Hotels der Orascom-Gruppe, die dem Milliardär Samih Sawiris gehören.

Der war es auch, der El Gouna vor 30 Jahren aus dem Wüstensand stampfte und seither immer weiter ausbaut. Auch hier spielt der Sicherheitsgedanke eine große Rolle: Nur private Villenbesitzer, Personal und natürlich die Touristen dürfen die Retortenstadt betreten. Für den Schutz sorgen private Sicherheitsdienste.

Sawiris, der schon mal als moderner Pharao bezeichnet wird, sorgte auch für die Neubelebung der ägyptischen Weinbautradition. Er ließ Reben pflanzen und eine Wein- und Sektkellerei errichten. Geleitet wird diese von der Jordanierin Rani Kallas und ihrem Mann Labib. Ihre Rot-, Rosé-, Weiß- und Perlweine sind bereits international prämiert und werden nicht nur an namhafte Hotelketten im ganzen Land geliefert, sondern auch nach Finnland, Japan, China und Kenia exportiert.

Aber wenn man schon mal hier ist, dann sollte man den guten Tropfen natürlich an der Quelle probieren. In der Kellerei gebe es öffentliche Führungen mit Verkostung, verrät Reiseleiter Aladin. Nach den Erlebnissen der vergangenen Tage überrascht uns nun gar nichts mehr.

Mehr als Wüste

Anreise: Direktflüge nach Hurghada u. a. von Dresden und Leipzig.

Geld: Landeswährung - Ägyptisches Pfund (EGP). Ein Euro etwa 17 EGP.

Fayoum: Besuch ist nur mit Taxi oder organisierten Ausflügen/Rundreisen möglich. Beispiel: Bei FTI kostet eine achttägige Rundreise mit Besuch von Kairo und Fayoum sowie einer Nilkreuzfahrt (3 Ü.) inkl. Flug ab Leipzig 1185 Euro p. P. Tipp: In Kombination mit 7 Ü./AI in Hurghada gibt es die Reise sogar ab 1050 Euro.

El Gouna: z. B. Steigenberger Golf Resort, eine Woche AI ab 719 Euro pro Person.

Das Auswärtige Amt hat u. a. für den Norden der Sinai-Halbinsel eine Reisewarnung herausgegeben. Fayoum, Kairo, El Gouna sind nicht betroffen.

Die Recherche wurde unterstützt von FTI Touristik.

www.fti.de

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