Innsbruck von oben

Nur selten kommen sich Stadt und Berge so nah - erst recht in den Alpen. Ein neuer Weg verbindet gleich fünf Wandergebiete in Österreich. Und das sehr bequem.

Diese Stadt ist angesagt: Tausende Touristen schieben sich durch die Gassen von Innsbruck, posieren vor dem Goldenen Dachl und sitzen in schicken Cafés, um zu sehen und gesehen zu werden. Doch es ist nicht nur das hippe Flair, das immer mehr Gäste in die Tiroler Landeshauptstadt zieht. Innsbruck ist dicht umringt von hohen Bergen, bezeichnet sich selbst gern als "alpin-urban". Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Idee für einen Wanderweg in die Umgebung der Stadt geboren wurde.

Innsbruck Trek: Der Name ist so naheliegend wie die Berge ringsum. Er beginnt praktisch mitten in der Stadt. Nur ein paar Meter hinter der Hofburg steht die Talstation der Hungerburgbahn. Sie nimmt uns die ersten Höhenmeter ab und bringt uns hinauf zu einer futuristischen Bergstation, entworfen von der britischen Stararchitektin Zaha Hadid. Die Hülle besteht scheinbar nur aus Kurven, Bögen und Schwüngen; Hadid soll sich von Schnee und Eis inspiriert haben lassen.

Ebenso überraschend ist die Architektur der Umbrüggler Alm, die wir nach einstündigem Aufstieg auf 1123 Metern erreichen. Auch hier Schwünge in Fassade und Dach, helle Töne, große Fenster. Auf der Terrasse junge Mountainbiker im neuesten Look, drinnen ein interaktives Modell des Karwendelgebirges. Nur das Essen ist so, wie man es von einer Alm erwartet: traditionell, üppig und hausgemacht.

Beim Kaiserschmarrn schwärmt Ambros Gasser, "Erfinder" des Innsbruck Treks und Chef des Veranstalters ASI-Reisen, von der engen Verbindung zwischen Stadt und Berg, von Natur und Kultur. Und er zeigt auf den Patscherkofel, der sich auf der anderen Seite von Innsbruck erhebt. "Das ist das Ziel der sechstägigen Tour", sagt er, "und die letzte von fünf unterschiedlichen Gebirgsregionen, die die Wanderer auf dem Trek kennenlernen." Wobei "Trek" vielleicht etwas irreführend klingt, denn der Weg wird nicht nur zu Fuß bewältigt. Bergbahnen, Busse oder ein gebuchter Shuttle ersparen den Gästen das Asphalt-Treten in den stark erschlossenen Tälern.

Auch sonst kommt der Komfort nicht zu kurz. Geschlafen wird nicht in Hütten, sondern in Drei- und Vier-Sterne-Herbergen im Tal, Gepäcktransport inklusive. Gasser will mit dem Angebot schließlich auch jene Urlauber erreichen, die ein Doppelzimmer mit Dusche dem Massenlager mit schnarchenden Nachbarn vorziehen - und die abends gern in schicker Garderobe an einer Bar sitzen. Und noch etwas unterscheidet den Innsbruck Trek von vielen anderen Fernwanderwegen: Die Gäste können jeden Tag neu entscheiden, ob sie die Etappe auf einem leichteren oder einem anspruchsvolleren Weg wandern möchten.

Uns nimmt der Schnee die Entscheidung schon am zweiten Tag ab: Mit Normalausrüstung kämen wir höchstens bis auf 1700 Meter. Bergwanderführerin Heidi Aichner empfiehlt deshalb die eher gemütliche Tour, die in den Wiesen des Mieminger Plateaus beginnt. Berühmt sei es, so erzählt sie, auch für seine vielen Sonnenscheinstunden und Lärchen: Wie goldene Flammen kontrastierten sie im Herbst mit den hellen Kalkbergen. Der Weg führt durch Fichtenwald und über Bergwiesen zum Lehnberghaus, weiter dann etwas schmaler und steiler zur "Lacke" auf 1704 Metern. Die Aussicht von dort oben ist postkartenreif: Karwendel, Stubaier, Ötztaler und Lechtaler Alpen grüßen mit schneebedeckten Gipfeln, tief unter uns breiten sich die Dörfer des Plateaus aus. Was macht es da, dass die Wankspitze zumindest für uns unerreichbar bleibt. Heidi warnt eindringlich vor dem Betreten der tiefen Schneefelder.

Von der Mieminger Kette geht's weiter in die Stubaier Alpen - genauer gesagt ins Gebiet des Wintersport-Mekkas Kühtai. Wo in der Skisaison der Bär steppt, sieht es im Sommer ein bisschen trostlos aus. Umso glanzvoller ist die Kulisse der vielen Dreitausender. Wir können sie zwar nicht vom empfohlenen Pirchkogel aus genießen, doch auch eine Kuppe in den Feldringer Böden liefert ausreichend Picknick-Panorama. Heidi hat uns für diesen Tag Schneeschuhe mitgebracht. Auf der vierten Etappe begleiten uns Wasserrauschen und Blumenwiesen: Wir wandern im Sellraintal gemütlich bergab. Die idyllischen Orte, die wir passieren, tragen das Siegel "Bergsteigerdorf" und zelebrieren den Einklang von Mensch und Natur. In 1243 Metern Höhe klebt am Hang das sehenswerte gotische Wallfahrtskirchlein St. Quirin. Das Sellraintal, so erzählt Heidi Aichner, habe jahrhundertelang von seinem weichen Wasser gelebt: "Sogar aus Innsbruck kamen die Leute, um hier ihre Wäsche waschen zu lassen." Unser Quartier haben wir in einem Hotel in Axams.

Aus der Sonnenglut des Talbodens bringt uns der Bus tags darauf in die Axamer Lizum: Dort ist die Architektur zwar weniger romantisch, die Luft aber deutlich frischer. 1964 und 1976 wurden hier die olympischen Wettbewerbe in den alpinen Ski-Disziplinen ausgetragen. Wir gewinnen auf einem Wiesenrücken rasch an Höhe und Ausblick: vor allem auf die schroffen Kalkkögel, die wie kleine Dolomiten aus dem umliegenden Urgestein ragen. Dank anhaltender Wärme schaffen wir es fast schneefrei bis auf das knapp 2 000 Meter hohe Birgitzköpfl. Üppige Stärkung gibt's in drei Almen am Wegesrand.

Auf 1 965 Metern, knapp 300 Meter unter dem Gipfel des Patscherkofel, beginnt die letzte und kürzeste Wanderung. Der Zirbenweg, erklärt Heidi Aichner, ist nach einem ganz besonderen Baum benannt: "Zirben wachsen hier nur in größeren Höhen und ganz langsam. Das macht ihr Holz selten und teuer."

Für den Schnaps aus den Zapfen muss man zum Glück nicht so tief in die Tasche greifen. Und gratis dabei ist immer der grandiose Blick hinab auf Innsbruck. Stadt und Berg kommen sich hier wirklich unglaublich nah.

Komfort-Trekking

Anreise: mit dem Auto über München und Kufstein (ca. 550 Kilometer), Abstellen z. B. in der Bahnhofsgarage (7Tage rund 80 Euro); mit dem Zug über Leipzig oder Erfurt und München (ca. 7 Stunden)

Varianten: individuell (nur mit Übernachtung und Gepäcktransport) oder geführt (zusätzlich Wanderleiter und Transfers). Bei beiden Varianten kann man sich täglich für eine leichtere oder schwerere Tour entscheiden.

Preisbeispiel: geführte Tour mit Übernachtung im DZ + HP 875 Euro

Die Recherche unterstützte ASI Reisen und Innsbruck Tourismus.

Insider-Tipps für den Besuch

Von Anpruggen bis Apfelstrudel - Stadtführerin Antonella Placheta verrät, was man nicht verpassen sollte

Auf unbekannten Wegen: Egal, wie viel Zeit Sie mitbringen: Innsbruck kann man in einer Stunde, an einem oder drei Tagen erkunden - und das sogar auf eigene Faust. Innsbruck Information hat verschiedene thematische Rundgänge kreiert, denen man auch ohne Stadtführer folgen kann. Einer meiner Favoriten heißt "Ursprüngliches Innsbruck": Dabei begibt man sich unweit der Altstadt auf eine spannende Zeitreise. An der Nordseite beeindruckt das farbenprächtige Ensemble der Häuser und Kirchtürme von "Anpruggen", wie der älteste Teil Innsbrucks (heute St. Nikolaus, Mariahilf und Hötting) genannt wird. Das Goldene Dachl liegt zwar fast ums Eck, aber hierher verirren sich nur wenige Touristen.

Bergisel-Schanze: Die Olympische Sprungschanze am Bergisel ist eine der Austragungsstätten der Internationalen Vierschanzentournee. 2002 wurde die erneuerte Sprungschanze nach Entwürfen von Star-Architektin Zaha Hadid eröffnet. Vom Panorama-Restaurant und der Aussichtsterrasse hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt.

Oscar kocht: Wie wäre es mit einem Essen im vielleicht kleinsten Restaurant Innsbrucks? Im Restaurant gibt es nur einen Tisch, den man sich mit anderen Gästen teilt. Oskar kocht nur vegetarisch und verwendet fast ausschließlich Bioprodukte und Produkte der Region.

Strudel Café Kröll: Wo kann man den besten Apfelstrudel in Innsbruck essen? Mitten in der Altstadt haben wir ein Café gefunden, das Strudel aller Art anbietet. Bis hin zum herzhaften Tiroler Gröstlstrudel gibt es viele Variationen. Das Café öffnet bereits 6 Uhr und bietet ein Frühstück an - wer will, auch mit süßen Strudeln.

Feinheiten: Das "Feinheiten" nennt sich selbst Geschäft der schönen Dinge. Tatsächlich findet man hier, mitten in der Innsbrucker Altstadt, viel Schönes und einzigartige Kleinigkeiten. Das Angebot reicht von Mode bis Yogamatten. (rnw)

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