Insel in Feierlaune

Mykonos hat sich zum Mekka der Partygänger, Homosexuellen und Superreichen entwickelt. Gut, dass mancherorts die Zeit stehen geblieben ist.

Schon von Weitem umweht der Duft frischer Backwaren die Nase. Wer ein paar Stufen hinabläuft in das zweigeschossige weiße Haus mit den blauen Fensterrahmen, betritt das Reich von George Vamvakouris. Mitten im Gassengewirr von Chora, der Hauptstadt von Mykonos, führt er in zehnter Generation die Gioras Holzbäckerei. "Die älteste der Insel und eine der ältesten von ganz Griechenland", betont Vamvakouris.

Sein ganzer Stolz ist der alte Holzofen, aus dem er täglich Brot und Gebäck zieht. Ob Mandelkekse mit Rosenwasser oder Bruscetta mit Meersalz: Einheimische wie Touristen schätzen die Backwaren von Vamvakouris. 2015 hat er sein Geschäft modernisiert und um ein Café erweitert. Seitdem können die Gäste dem Meister beim Backen über die Schulter schauen. Trotz der Frischekur wirkt die Backstube mit ihrer rustikalen, spartanischen Einrichtung wie aus der Zeit gefallen. Ein Ort, wo sich Einheimische noch auf einen Kaffee treffen und man erahnen kann, wie das ursprüngliche Mykonos einst war.

Denn rings um die Bäckerei, deren Ursprung bis ins 15. Jahrhundert reicht, hat sich viel verändert. Die karge, schroffe Landschaft mit ihren leichten Hügeln und die weiß-blauen Häuser prägen noch immer das Bild von Mykonos. Doch heute steuern Jets vom europäischen Festland aus fast im Minutentakt die Insel an. Lebten die wenigen Tausend Bewohner von Mykonos vor einigen Jahrzehnten noch überwiegend unter sich, zieht es nun vor allem von Mai bis Oktober Hunderttausende Urlauber auf die Insel.

Wenn Bäckermeister George Vamvakouris kurz nach Mitternacht aufsteht, um ab zwei Uhr in der Backstube zu werkeln, nimmt auch das Inselleben Fahrt auf. Vor allem für Luxusurlauber und Feierwütige wird Mykonos immer mehr zum Hotspot, während die Insel unter Homosexuellen schon länger ein beliebtes Ziel ist - dank der etlichen Bars und Clubs im Hauptstadtviertel "Klein-Venedig" oder des Super Paradise Beach.

Dieser 500 Meter lange Sandstrand an der Südküste ist auf Mykonos der Anlaufpunkt für Schwule und Lesben. Tagsüber lässt es sich hier mit einem Drink entspannen, während nachts die Bässe wummern - etwa in der bekannten Schwulenbar Jackie O'. Wer danach im sozialen Netzwerk Instagram sucht, findet zig Fotos von jungen feiernden Menschen, Drag Queens und vor allem: jede Menge nackte Haut. Gesprochen wird hier, wie auch auf dem Rest der Insel, in allen möglichen Sprachen. Kaum eine europäische Metropole, die nicht direkt verbunden ist mit dem Flughafen - neben jenem auf Santorin der wichtigste der Inselgruppe Kykladen. Fast zwanzig Prozent mehr Passagiere im Vergleich zum Vorjahr hat der Flughafen Mykonos 2017 abgefertigt. Noch wirkt er altmodisch und viel zu klein, sogar Katzen schleichen zwischen den Passagieren umher. Doch es gibt schon Pläne zum Umbau des Terminals, um den wachsenden Gästezahlen gerecht zu werden.

Wer über Tourismus auf Mykonos spricht, kommt um einen Namen nicht herum: Daktylides. Im Jahr 1979 eröffnete das Paar George und Elefteria Daktylides das erste Hotel außerhalb der Inselhauptstadt Chora. Inzwischen haben ihre vier Söhne Panos, Marcos, Vangelis und Marios das Erbe ihrer Eltern übernommen und führen die "Myconian Collection" - neun Luxushotels mit jeweils eigenem Design und unterschiedlichen Zimmerkonzepten.

Das Mykonos ihrer Eltern hatte mit den heutigen Jetset-Touristen wenig gemein. Auf dem Land wurde noch mit Käse, Wurst und Fisch gehandelt, erinnert sich Marios. Er und seine Brüder mussten als Kinder in den Hotels mit anpacken, während die Mutter Elefteria für die Dutzenden Bauarbeiter kochte und den Hotelgästen das Frühstück zubereitete. "Unsere Eltern haben alles geopfert, um uns eine Chance zu bieten. Papa hat von morgens bis abends gearbeitet und alle Gewinne wieder ins Geschäft investiert", erzählt Vangelis. "Unsere Eltern haben die ,Myconian Collection' aufgebaut. Meine Brüder und ich sind stolz auf unsere Wurzeln, und wie sehr wir gewachsen sind."

Vater George hat die Geschäftsführung schon vor einigen Jahren abgegeben, bleibt aber in die Projekte seiner Söhne involviert. Denn Stillstand gibt es nicht. Die Hotels werden regelmäßig renoviert, die Zimmer neu eingerichtet. Als bisher letztes Hotel eröffnete 2015 das Avaton, treppenförmig ausgerichtet am steinernen Hang über dem Elia-Strand und im typischen Mykonos-Stil mit strahlend weißer Fassade. Wieder ein luxuriöser Ort, der das Gesicht von Mykonos wandelt.

Auch Bäckermeister George Vamvakouris spürt, wie Urlauber die Insel verändern. Sein Café findet sich mittlerweile als Sehenswürdigkeit auf der Reise-Website Tripadvisor, Touristen veröffentlichen Fotos der Bäckerei im sozialen Netzwerk Instagram, machen gar Selfies mit ihm. Vamvakouris freut sich, wie sein Geschäft dadurch bekannter wird. Aber ein eigenes Profil auf Facebook oder Instagram? "Das brauche ich nicht."

Kurze Wege

Anreise: Von Dresden mit Umstieg (zum Beispiel in Athen) mit Germania nach Mykonos. Von Berlin-Tegel fliegt Germania ab 2019 auch direkt.

Reisezeit: Von Mai bis Oktober. Außerhalb der Saison reduziert sich der Flugverkehr stark.

Übernachten: Zum Beispiel im 5-Sterne-Hotel Myconian Ambassador. Preisbeispiel von airtours: sieben Nächte im DZ mit Frühstück inkl. Flug und Transfer ab 786 Euro pro Person.

Herumkommen: Einen Mietwagen erhält man schon ab 15 Euro pro Tag.

Die Recherche wurde unterstützt von airtours

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