Katar - Stopover in der Zukunft

Der kleine Wüstenstaat am Persischen Golf ist streng traditionell, faszinierend modern, und gibt sich unkompliziert weltoffen.

Allein auf dem traditionellen Beduinenmarkt in Doha. Ohne männliche Begleitung in einem Land, dessen Gesetzgebung auf der Scharia beruht. Als Fremde ohne Kopftuch. Wird das gut gehen? Es funktioniert, sehr gut sogar. Bald geht die Sonne unter, der Souq ist voller Menschen. Ich schaue mir wunderschöne Kästchen mit Intarsien an, fein gearbeitet aus verschiedenen Hölzern, Elfenbein, Perlmutt. Der Verkäufer ist sofort bei mir, zeigt mir dieses, zeigt mir jenes, kommt in Fahrt und ins Plaudern. Englisch spricht hier fast jeder. Als ich zögere, geht er mit dem Preis runter, bietet mir zwei, drei Schachteln zum Preis von einer an. Aber ich will nicht handeln. Ich will auch nichts kaufen. Schließlich akzeptiert er enttäuscht und verabschiedet sich höflich. Kein scharfes Wort, kein böser Blick.

Zwei Türen weiter hat "The Old Pearl Diver", der alte Perlentaucher, seinen Laden. Saad Ismail Al Jassim ist 85 Jahre, verkauft echte Perlenketten und billigen Modeschmuck, repariert zerrissene Armbänder und erzählt jedem, der ihn fragt, Geschichten vom Perlentauchen. Dazu stellt er sich unter das Foto, das ihn als jungen Bodybuilder zeigt. Damals hatte er Ähnlichkeit mit Prince. Vielleicht war Saad nicht ganz so musikalisch, dafür aber sehr viel muskulöser

Noch heute kann er anderthalb Minuten lang die Luft anhalten und sehr viel jüngere Männer im Armdrücken besiegen. "Ihr glaubt mir nicht?", fragt er und hakt zwei Männer unter, einen rechts, den anderen links. Die gucken leicht gestresst, als er seine Muskeln anspannt, die unter dem traditionellen weißen Kittel gut versteckt sind.

Inzwischen ist es stockdunkel und das Treiben auf dem Markt sehr viel reger. Datteln muss ich probieren, es gibt sie in allen Preislagen, und ich frage mich: Gibt es zu Hause nur Billigdatteln im Supermarkt?!

Echter Safran ist nicht unbezahlbar. Lebende Tiere, Bekleidung, Schmuck, Haushaltwaren, Gartengeräte, Medizin, Möbel. Gibt es in den klimatisierten Gassen des nach historischem Vorbild rekonstruierten Souq Waqif etwas, was es nicht gibt? Ich staune, schaue, lasse mir hier etwas zeigen, kaufe da ein Tuch, dort ein Gewürz. Im Gedränge werde ich weder angestarrt noch angesprochen und schon gar nicht angerempelt. Auf dem Dresdner Striezelmarkt würde ich meine Tasche fester halten. Wird ein Dieb erwischt, erwartet ihn eine drastische Strafe. Weshalb mancher sein Handy an eine öffentliche, kostenlose Ladestation andockt, weggeht und erst wiederkommt, wenn der Akku voll ist. Ich habe es nicht drauf ankommen lassen.

Doha ist so modern, weil es weltoffen ist. Hier leben und arbeiten viele Ausländer. Von den 2,2 Millionen Einwohnern des Landes sind nur 300.000 Katarer.

Schon am Flughafen, einem Drehkreuz für Weltreisende, meint man, in der Zukunft gelandet zu sein. Sechs Stunden Aufenthalt? Kein Problem. Möchten Sie ins Schwimmbad, das als Brücke über der zentralen Abflughalle schwebt? Ins Fitnessstudio oder zur Massage? Oder würden Sie doch lieber ein paar Tage in der Stadt bleiben? Eine Woche genügt, um das kleine Emirat zu entdecken. Hotels schmiegen sich als Villendörfer an den Persischen Golf oder prägen als Hochhäuser die West-Bay-Skyline. Star-Architekten toben sich an der Corniche, der sieben Kilometer langen Uferstraße, aus. Ein aufsehenerregender Wolkenkratzer steht im Banken- und Geschäftsviertel neben dem anderen. Spektakulär sind auch die Museen, die vom Schönsten das Teuerste präsentieren. Dank seiner reichen Gas- und Ölvorkommen pflegt der Wüstenstaat ein hochkarätiges kulturelles Image.

Ende März öffnet eine neue Attraktion: Das von Jean Nouvelle entworfene Nationalmuseum in Form einer Sandrose. Diese Naturschönheiten entstehen aus Kristallen, die sich auch in den 40 Meter tiefen Gipshöhlen bei Dahl Al Misfir abgelagert haben. Über Jahrtausende hat der Wind an der Westküste Katars bizarre Felsen geformt. Im Norden dagegen überraschen die Mangrovenwälder von Al Thakira mit sattem Grün. Flamingos und Reiher sind dort heimisch. All das ist von Doha in gut einer Stunde mit dem Auto auf meist schnurgeraden, mehrspurigen Pisten zu erreichen.

Richtung Süden endet die Straße hinter Mesaieed an einem Beach Resort. Der Fahrer des Geländewagens lässt Luft von den Reifen. Dune bashing, der Ritt über die Dünen, beginnt. Das Allradfahrzeug schaukelt, bricht aus, findet wieder in die Spur. Wir halten uns fest, kreischen. Der Fahrer lächelt schweigend in seinen Bart und treibt das Abenteuer auf die Spitze, als er auf einer Dünenkante stoppt. Die Schnauze des Jeeps steckt fast im Sand.

Steil abwärts geht es ans Meer. Ans Meer?! Als hätte Katar noch nicht Kontraste genug zu bieten, lockt es mit Wasser in der Wüste. Chaur al Udaid ist ein Binnenmeer, das der Persische Golf gebildet hat. Es ist viel zu schön, um als Unesco-Naturreservat unberührt zu bleiben. Am Strand entstehen Camps, in denen man übernachten kann. Aber wer einmal nachts in den Sternenhimmel über der Wüste geschaut hat, der braucht kein Dach über dem Kopf.

Außerdem wacht über allem, was in Katar passiert, der Scheich. Auf Hochhausfassaden, in Hotel-Lobbys, im Taxi sieht man sein Gesicht. Auch im Parfümladen von Mizra Al Qahtani wimmelt es nur so von Bildern des Emirs Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani. Sie verehrt ihn sehr.In Herzchenform baumelt das Staatsoberhaupt zwischen den Flakons. Parfüms und Duftöle herzustellen, ist ihr Hobby. Die Miete für den winzigen Laden im Souq Waqif zahlt der Staat.

Er zahlt auch die Gesundheitsfürsorge für Mensch und Tier. Wenn ein Katarer seinen Falken zum Check-up in die Klinik bringt, und mancher tut das jede Woche, ist nur ein geringer Obolus fällig. Teuer wird es für den Besitzer allerdings, wenn die Ärzte feststellen, dass der kostbare Vogel, der für die traditionelle Jagd abgerichtet wird, ein Hundeleben hat. Den Veterinären in dem Hightech-Hospital entgeht nichts. Auch diese internationalen Spezialisten sind auf dem neuesten Stand. Katar ist so traditionsbewusst und dabei so faszinierend modern.

Service

Flug mit Qatar Airways in der Economy Class ab 520 Euro inkl. Steuern.

Qatar Airways bietet 35 Verbindungen pro Woche nach Doha, je zweimal täglich ab Frankfurt und München, einmal täglich ab Berlin, an.

Katar ist ein attraktives Stopover-Ziel auf Flugreisen in den Fernen Osten. Bürger aus 80 Staaten, darunter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können ohne Visum einreisen. Der Reisepass muss mindestens noch sechs Monate gültig sein.

Vier Tage "Kontrastreiches Emirat Katar", ab/bis Doha, inkl. Transfers, Fahrten im klimatisierten PKW/Bus, diverse Ausflüge, Eintrittsgelder, Englisch sprechende Reiseleitung, Halbpension: 378 Euro pro Person. Buchbar in Reisebüros und auf www.meiersweltreisen.de.

Hotel "Sharq Village & Spa, Ritz-Carlton Hotel" (5 Sterne), Doha, eine Nacht im DZ Deluxe Resort mit Halbpension ab 103 Euro pro Person.

Die Reise wurde unterstützt von Meiers Weltreisen und Qatar Airways.

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