Kinder dürfen auf Rügen abends nicht mehr in «Omas Küche»

Tausende Familien machen jedes Jahr an der Ostseeküste Urlaub. Ein Wirt auf Rügen heißt sie nicht mehr willkommen: Am Abend dürfen keine Kinder mehr in sein Restaurant. Vor gut zehn Jahren war er mit einem anderen Verbot Vorreiter für Gaststätten in ganz Deutschland.

Binz (dpa) - Seit dieser Woche ist das Restaurant «Oma's Küche» in Binz auf Rügen kinderfrei, jedenfalls ab 17.00 Uhr. «Mit dem Gedanken gehen wir schon sehr lange schwanger», sagt Wirt Rudolf Markl.

«Es ist irgendwo eine Grenze erreicht, wo wir sagen, es geht einfach nicht mehr.» Es gehe um Kinder, die Gäste am Nebentisch belästigen würden, die an Tischdecken zerrten und Rotweingläser umschmissen - und Eltern, die nicht eingreifen. «Die quittieren das mit einem Lächeln, essen weiter, und es interessiert sie alles nicht.» Es gehe explizit nicht gegen den Nachwuchs, sondern gegen ignorante Eltern, «die ihren Namen tanzen können, aber ihre Kinder nicht mehr im Griff haben», stellt der Gastronom klar.

Die Reaktionen seien fast ausnahmslos gut, berichtet er, jedenfalls, wenn man Facebook ausklammere. Aus der Anonymität des sozialen Netzwerkes heraus würde es zahlreiche kritische Meldungen geben, auch solche unter der Gürtellinie. «Aber das ist ja nicht neu.» Probleme für sein Geschäft erwartet Markl nicht. Aber auch nicht mehr Gäste, da das Restaurant ohnehin immer voll sei. Die Einschränkung sei eine Entscheidung für die Gäste, die in Ruhe einen netten Abend verbringen wollten. Er wolle seinen Gästen eine «Oase der Ruhe» bieten.

Das Segment für ausdrücklich kinderlosen Urlaub gebe es im Tourismus schon länger, sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands. «Zum Beispiel in der Karibik. Jeder Hotelier kann festlegen, ob sein Haus für Kinder geeignet ist oder nicht.» So wie es Familienhotels gebe, gebe es eben auch Häuser, die sich auf kinderlosen Urlaub spezialisiert hätten. «Natürlich obliegt es jedem selbst, seine Zielgruppe auszuwählen.» Ob solche Angebote heute stärker nachgefragt werden als früher, kann Schäfer aber nicht sagen. Konkrete Zahlen lägen ihm nicht vor.

Vorsichtiger Widerspruch kommt vom Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbands Mecklenburg-Vorpommern (Dehoga), Lars Schwarz. Grundsätzlich stehe es zwar jedem Gastronom oder Hotelbetreiber frei, seine eigene unternehmerischen Entscheidungen zu treffen, betont er. «Aber wir zielen in MV auf Kinderfreundlichkeit.» Es gebe viele Häuser, in denen die Kleinen nicht nur toleriert, sondern erwünscht seien. Aber natürlich könnten manche Kinder noch etwas gute Erziehung genießen, räumt auch Schwarz ein.

Für Markl ist die Rolle des polarisierenden Gastwirts nicht ganz neu. Als er sein Restaurant im Jahr 2007 eröffnete, sei es das erste Nichtraucherlokal der Insel gewesen. Das Rauchverbot bestand damals noch nicht. «Aber auch das wurde akzeptiert und gut angenommen», sagt er. Und auch jetzt steht er zu der Entscheidung zur abendlichen Kinderfreiheit. Besonders hat er sich nach eigener Aussage über eine WhatsApp-Nachricht eines Freundes gefreut, der ebenfalls Gastwirt auf der Insel sei: «Der hat gesagt, seit 22 Jahren geht er mit diesem Gedanken schwanger und wollte das auch machen, hat aber einfach den Mut nicht gefunden. Ich finde das ganz toll.»

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1Kommentare
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  • 7
    0
    Remlig
    18.08.2018

    Dass es schon seit längerem solche "Oasen der Ruhe" gibt und sie ihre Anhänger finden, ist nicht neu und hat auch im Entferntesten nichts mit Kinderunfreundlichkeit zu tun. Im Gegenteil. Und warum? Wenn sich die Gegner einer solchen Herangehensweise einiger Gastronomen einmal selbst vor Augen führen, wie sie ihre eigenen Kinder erziehen, wüssten sie es und wären vielleicht weniger aufgebracht und mit Äußerungen unter der Gürtellinie zurückhaltender.
    Mit der sich in den letzten Jahren rasant verbreiteten und um sich greifenden antiautoritären Erziehung haben die Kinder logischerweise weder Respekt noch Achtung geschweige anständiges Benehmen gelernt.
    Ich freue mich und finde es sehr lobenswert, dass es solche Vorreiter wie Herrn R. Markl gibt, die mit ihrer Handlungsweise der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und aufzeigen, dass es auch Grenzen geben muss. Mich ärgert es immer wieder und macht mich sehr traurig, wenn man als älterer Erwachsener nur hilflos zusehen kann, wie einem schon die jüngsten Knirpse über den Mund fahren und regelrecht austicken, ja sogar anmotzen, wenn man nicht schnell genug zur Seite geht, weil sie mit dem Fahrrad vorbeifahren wollen.
    Muss man sich dann noch über Hass, Fremdenfeindlichkeit und immer rauer werdenden Umgangston wundern? Ich nicht.



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