CFC-Fans: Jubel und Schmähgesänge

Es war kein normales Spiel, das da am Samstag im Chemnitzer Stadion stattfand - zumindest abseits des Platzes. Für Schlagzeilen sorgten die Personen, die auch in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt standen.

Der Chemnitzer FC hat seine Pflichtaufgaben erfüllt - auf und neben dem Platz. Rein sportlich kämpfte sich der Spitzenreiter der Regionalliga mit einem 1:0-Sieg gegen die abstiegsbedrohte Mannschaft von Budissa Bautzen aus der Mini-Krise. Nach drei Spielen ohne Sieg und mit nur einem Punktgewinn gelang der erste volle Erfolg seit dem 3. März, die Chemnitzer liegen damit wieder voll auf Aufstiegskurs.

Neben dem Platz positionierte sich der Verein mit einigen Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit - unter anderem, indem kostenlose T-Shirts mit dem Aufdruck "Toleranz, Weltoffenheit, Fairness" verteilt wurden. Der gewünschte Effekt blieb jedoch aus, kaum ein Fan im Stadion zog das T-Shirt an. Mehr noch: Kurz vor Ende der Partie flogen einige der Shirts aus der Südkurve auf den Rasen. Aus dem Block also, in dem zwei Wochen zuvor eine Trauerzeremonie für einen verstorbenen Fan abgehalten wurde. Dieser Fan war bekennender Neonazi, seine Sicherheitsfirma auch für den CFC tätig.

Die deutschlandweite Empörung über die Zeremonie sowie die Proteste gegen die Art und Weise der Aufarbeitung durch die Vereinsführung (Benennung eines Hauptschuldigen, der trotz Rücktritt weiter im Vereinsvorstand bleiben soll, bei gleichzeitiger Trennung von drei langjährigen Mitarbeitern) sorgten nun dafür, dass das Spiel gegen Bautzen unter besonderer Beobachtung stand. Auf der Tribüne verfolgten die Partie unter anderem der Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes Rainer Koch sowie der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes Erwin Bugar.

"Ich finde, der Verein und ein Großteil der Fans haben sich sehr gut verhalten und damit ein gutes Bild abgegeben", sagte Koch gegenüber "Freie Presse". Zu möglichen Sanktionen gegen den CFC aufgrund der Ereignisse am 9. März wollte er sich nicht äußern. "Das ist Sache des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Ich war heute nur hier, um dem CFC meine Unterstützung zu gewähren und um mit einigen Vertretern des Vereins und der Stadt zu sprechen."

Neben Rainer Koch saß auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig auf der Tribüne. Sie hatte sich am Mittwoch mit der Mannschaft und dem Betreuerstab getroffen. "Es waren sehr gute Gespräche", sagte CFC-Trainer David Bergner, der nicht weiter ins Detail gehen wollte. Nach dem Sieg gegen Bautzen zeigte er sich in erster Linie erleichtert darüber, dass sein Team die Belastungen der vergangenen Tage verdaut hätte. "Wir können jetzt alle durchatmen und alles ein bisschen sacken lassen. Die Mannschaft hat wieder die Leistung gezeigt, die sie in der Hinrunde so stark gemacht hat."

Ein wichtiger Baustein für den Sieg gegen Bautzen war die Rückkehr von Daniel Frahn. Er war in die Schlagzeilen geraten, weil er seinen Treffer gegen Altglienicke mit einem T-Shirt bejubelte, auf dem "Support your local Hools" stand - und sich damit in die Gruppe der Trauernden einreihte. Der Nordostdeutsche Fußballverband sperrte den besten Stürmer der Chemnitzer daraufhin für vier Spiele. Zwei davon hat er abgesessen, zwei weitere spielt er auf Bewährung. Und so stand der Stürmer, der sich öffentlich für seinen Jubel entschuldigt hatte, auch unter besonderer Beobachtung. Dass ausgerechnet Frahn in der 53. Minute das entscheidende Tor zum Sieg für den CFC machte, freute vor allem seinen Trainer. "Daniel hatte selbst am meisten mit der Situation zu kämpfen. Ich bin froh, dass der Fußball auch solche Geschichten schreiben kann und er sich so zurückgemeldet hat", sagte David Bergner.

Im Spiel, das der CFC vor allem in der zweiten Halbzeit dominierte und höher hätte gewinnen können, musste das Team in den ersten zwölf Minuten ohne die Unterstützung der treuesten Fans auskommen. Die Ultras ließen ihren angestammten Bereich in der Südkurve leer. Sie solidarisierten sich damit mit der Fanbeauftragten, einem Mitarbeiter der Pressestelle sowie dem Stadionsprecher des Clubs - von ihnen hatte sich der Verein getrennt. Den Namen des Sprechers skandierten sie immer wieder und pfiffen jede Ansage der neuen Sprecherin - Radiomoderatorin Kati Huhn war engagiert worden - aus. Zudem gab es Schmährufe gegen Insolvenzverwalter Klaus Siemon - diese wurden von anderen CFC-Fans im Stadion teilweise mit Pfiffen beantwortet. Ansonsten blieb es vor, während und nach dem Spiel ruhig. Auch von einer von Siemon erbetenen größeren Polizeipräsenz war nichts zu sehen.


Kommentar: Redet miteinander!

Den Chemnitzer FC wieder in ruhiges Fahrwasser zu bekommen, wird keine leichte Aufgabe. Das hat das Spiel am Samstag einmal mehr gezeigt. Sportlich ist das Regionalligateam wieder auf Kurs. Aber im Umfeld wirkt der Verein zerrissen wie selten zuvor. Auf der einen Seite sind da die Ultras, die nicht verstehen wollen, warum aus der Trauerminute für den Neonazi überhaupt ein Thema gemacht wird. Sie beschimpften Insolvenzverwalter Klaus Siemon auf menschenunwürdige Weise.

Auf der anderen Seite sind da die Fans, die sich von der Trauerminute klar distanzieren und sich gegen die Schmährufe der Ultras stellen. Der Graben zwischen beiden Lagern scheint so tief, dass es vieler Gespräche bedarf, ihn zu überwinden. Es wäre wünschenswert, dass es zu solchen Gesprächen kommt - mit eigenen Meinungen und mit der Akzeptanz für andere Ansichten.

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 9 Bewertungen
4Kommentare
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  • 4
    8
    franzudo2013
    26.03.2019

    Oh, die Toleranten lehnen den Dialog ab.
    Mit den geschmähten Fußballfans kann man wenigstens reden, weil man dieselbe Sprache spricht. Mit den Mördern von Daniel H. wird der Dialog schon anspruchsvoller, aber "wir schaffen das".

  • 5
    12
    franzudo2013
    25.03.2019

    cn3boj00;
    Reden hilft immer. Allerdings macht der Ton die Musik.
    Sie schieben die Leute in eine Ecke, pauschalieren und würgen jeden Dialog ab.
    So wie ich es beobachte, sind es Leute die jeden früh zur Arbeit und am Wochenende zum Fußball und mal ein Bier trinken gehen. Keine Straftaten, keine Stütze.
    Warum soll man mit ihnen nicht reden können ?
    Hier wird doch nicht etwa jemand ausgegrenzt und diskriminiert ?

  • 16
    7
    cn3boj00
    25.03.2019

    Wer soll denn bitte miteinander reden? Sportreunde mit den Ultras? Gerade letztere haben doch erneut gezeigt, wes Geistes Kind sie sind. Was soll da reden helfen? Ein Ultra geht zum Fußball, weil er dort offen seine Gesinnung tragen darf. Und diese Gesinnung lässt er sich auch nicht nehmen. Damit muss der Fußball klarkommen, wenn er sich nicht grundsätzlich von diesen Fans trennen kann - und das ist ja nicht gewollt.

  • 7
    20
    786163
    25.03.2019

    Reden kann man nur wenn beide Seiten das auch wollen. Bei Klaus Siemon hab ich da so meine Zweifel.

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